Lebensrettende Entscheidungen im Chaos: Triage-Systeme, Psychische Notfallversorgung und Zivile Katastrophenvorsorge

Lebensrettende Entscheidungen im Chaos: Triage-Systeme, Psychische Notfallversorgung und Zivile Katastrophenvorsorge

Wenn Kata­stro­phen zuschla­gen oder sich Mas­sen­un­fäl­le ereig­nen, wer­den medi­zi­ni­sche Res­sour­cen und Per­so­nal schlag­ar­tig knapp. In die­sen kri­ti­schen Momen­ten ist die Fähig­keit, schnell und sys­te­ma­tisch zu han­deln, der Schlüs­sel zur Ret­tung mög­lichst vie­ler Leben. Hier set­zen Tria­ge-Sys­te­me an, die eine schnel­le Prio­ri­sie­rung der Ver­letz­ten ermög­li­chen und somit das Cha­os in struk­tu­rier­tes, lebens­ret­ten­des Han­deln über­füh­ren. Doch Not­fäl­le beschrän­ken sich nicht nur auf phy­si­sche Wun­den; die psy­chi­schen Fol­gen kön­nen eben­so ver­hee­rend sein und erfor­dern eine spe­zia­li­sier­te psy­cho­so­zia­le Not­fall­ver­sor­gung. Eine umfas­sen­de zivi­le Kata­stro­phen­vor­sor­ge, die sowohl medi­zi­ni­sche als auch psy­cho­lo­gi­sche Aspek­te berück­sich­tigt, ist daher uner­läss­lich, um Gesell­schaf­ten wider­stands­fä­hi­ger gegen­über uner­war­te­ten Ereig­nis­sen zu machen.

Die Grundlagen der Katastrophen-Triage

Tria­ge, aus dem Fran­zö­si­schen für „Aus­wahl, Sor­tie­ren, Sich­ten“, ist ein Ver­fah­ren der Not­fall- und Kata­stro­phen­me­di­zin, das ange­wen­det wird, wenn die Anzahl der Ver­letz­ten oder Erkrank­ten die ver­füg­ba­ren Hilfs­mit­tel und Hel­fer über­steigt. Das Haupt­ziel ist es, knap­pe Res­sour­cen so effi­zi­ent wie mög­lich zu ver­tei­len, um den größ­ten Nut­zen für die größ­te Anzahl von Men­schen zu erzie­len. Dies stellt eine ethisch anspruchs­vol­le Auf­ga­be dar, bei der Ent­schei­dun­gen über Behandlungs‑, Trans­port­dring­lich­keit und Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit getrof­fen wer­den müs­sen.

His­to­risch geht der Begriff „Tria­ge“ auf die Mili­tär­me­di­zin der napo­leo­ni­schen Krie­ge zurück, hat aber in den letz­ten Jah­ren auch in der zivi­len Not­fall- und Kata­stro­phen­me­di­zin erheb­lich an Bedeu­tung gewon­nen. Die Sich­tung erfolgt dabei in der Regel in ver­schie­de­ne Kate­go­rien, oft farb­ko­diert:

  • Rot (T1/Sofort): Aku­te vita­le Bedro­hung, sofor­ti­ge Behand­lung not­wen­dig.
  • Gelb (T2/Aufgeschoben): Schwer verletzt/erkrankt, aber kei­ne unmit­tel­ba­re Lebens­ge­fahr; Behand­lung kann auf­ge­scho­ben wer­den.
  • Grün (T3/Leicht): Leicht verletzt/erkrankt, spä­te oder ambu­lan­te Behand­lung.
  • Schwarz/Blau (T4/Hoffnungslos/Tod): Kei­ne Über­le­bens­chan­ce oder bereits ver­stor­ben; betreuende/abwartende Behand­lung.

Die Tria­ge wird typi­scher­wei­se mehr­fach im Ver­lauf eines Ein­sat­zes durch­ge­führt und soll­te stets durch erfah­re­nes Per­so­nal erfol­gen.

Spezifische Triage-Systeme: START und SALT

Zwei der bekann­tes­ten und am wei­tes­ten ver­brei­te­ten Tria­ge-Sys­te­me sind START und SALT, die jeweils eige­ne Ansät­ze zur schnel­len Klas­si­fi­zie­rung von Pati­en­ten ver­fol­gen.

START-Triage (Simple Triage and Rapid Treatment)

Das START-Tria­ge-Sys­tem wur­de in den frü­hen 1980er Jah­ren in Kali­for­ni­en ent­wi­ckelt und ist für sei­ne Schnel­lig­keit und Ein­fach­heit bekannt. Es ermög­licht Erst­hel­fern, auch nicht-medi­zi­ni­schem Per­so­nal, in 30 bis 60 Sekun­den pro Pati­ent eine ers­te Ein­schät­zung vor­zu­neh­men. START basiert auf drei grund­le­gen­den phy­sio­lo­gi­schen Para­me­tern, die oft unter dem Akro­nym RPM zusam­men­ge­fasst wer­den:

  1. Respi­ra­ti­on (Atmung): Zuerst wer­den geh­fä­hi­ge Pati­en­ten auf­ge­for­dert, sich zu einem Sam­mel­punkt zu bege­ben (Kate­go­rie Grün). Nicht geh­fä­hi­ge Pati­en­ten wer­den auf Spon­tan­at­mung geprüft. Wenn kei­ne Atmung vor­han­den ist, wird der Atem­weg frei­ge­macht. Bleibt die Atmung aus, wird der Pati­ent als Schwarz ein­ge­stuft. Setzt die Atmung ein, wird er Rot ein­ge­stuft. Bei vor­han­de­ner Atmung wird die Atem­fre­quenz bewer­tet.
  2. Per­fu­si­on (Durch­blu­tung): Hier wird der Kapil­lar­fül­lungs­zu­stand (z.B. Fin­ger­na­gel­bett) beur­teilt. Ein ver­zö­ger­ter Kapil­lar­fül­lungs­zu­stand deu­tet auf eine schlech­te Durch­blu­tung hin.
  3. Men­tal Sta­tus (Bewusst­seins­zu­stand): Die Fähig­keit, ein­fa­chen Befeh­len zu fol­gen, gibt Auf­schluss über den men­ta­len Sta­tus.

Anhand die­ser Kri­te­ri­en wer­den die Pati­en­ten in die vier Stan­dard­ka­te­go­rien Rot, Gelb, Grün oder Schwarz ein­ge­teilt. Für Kin­der gibt es eine ange­pass­te Ver­si­on, das Jump­START-Sys­tem. Ein Vor­teil von START ist, dass es auch von nur leicht aus­ge­bil­de­tem Per­so­nal effek­tiv ange­wen­det wer­den kann, was zu einer deut­lich bes­se­ren Tria­ge-Genau­ig­keit führt und poten­zi­ell ver­meid­ba­re Todes­fäl­le redu­ziert.

SALT-Triage (Sort, Assess, Lifesaving Interventions, Treatment/Transport)

Das SALT-Tria­ge-Sys­tem wur­de 2008 von einem Exper­ten­gre­mi­um ent­wi­ckelt und gilt als umfas­sen­de­rer und evi­denz­ba­sier­ter Ansatz, der für alle Pati­en­ten­grup­pen (Erwach­se­ne, Kin­der, spe­zi­el­le Popu­la­tio­nen) und alle Arten von Gefah­ren­la­gen kon­zi­piert ist. SALT unter­schei­det sich von START durch sei­nen mehr­stu­fi­gen Pro­zess:

  1. Sort (Sich­ten): Eine glo­ba­le Sich­tung, bei der Pati­en­ten zuerst in Grup­pen ein­ge­teilt wer­den: Geh­fä­hi­ge, Winkende/willkürlich Bewe­gen­de, Stille/offensichtlich lebens­be­droh­lich Ver­letz­te.
  2. Assess (Beur­tei­len): Eine indi­vi­du­el­le Ein­schät­zung der Pati­en­ten, begin­nend mit den­je­ni­gen, die am drin­gends­ten Hil­fe benö­ti­gen.
  3. Lifes­aving Inter­ven­ti­ons (Lebens­ret­ten­de Maß­nah­men): Im Gegen­satz zu START, das nur zwei Inter­ven­tio­nen zulässt, inte­griert SALT expli­zit begrenz­te lebens­ret­ten­de Maß­nah­men direkt in den Tria­ge-Pro­zess, wie das Stil­len schwe­rer Blu­tun­gen (z.B. mit Tour­ni­quets), Atem­wegs­si­che­rung (inkl. zwei Ret­tungs­atem­zü­ge bei Kin­dern) und Tho­rax­de­kom­pres­si­on.
  4. Treatment/Transport (Behandlung/Transport): Nach der Ein­schät­zung und den Initi­al­maß­nah­men erfolgt die Zuwei­sung zu den Behand­lungs- und Trans­port­prio­ri­tä­ten.

SALT ver­wen­det oft fünf Kate­go­rien: Tot, Erwar­tet (Grau, d.h. nicht über­le­bens­fä­hig trotz aller Maß­nah­men), Sofort (Rot), Ver­zö­gert (Gelb), Mini­mal (Grün). Stu­di­en deu­ten dar­auf hin, dass SALT im Ver­gleich zu START eine höhe­re Genau­ig­keit bei der Klas­si­fi­zie­rung von Pati­en­ten, ins­be­son­de­re in den Kate­go­rien „auf­ge­scho­ben“ und „sofort“, auf­wei­sen kann.

Massenunfall-Management (MANV)

Ein Mas­sen­an­fall von Ver­letz­ten (MANV) liegt vor, wenn eine Situa­ti­on die loka­len medi­zi­ni­schen Res­sour­cen und das Per­so­nal erheb­lich über­for­dert. Dies kann bei Ver­kehrs­un­fäl­len mit vie­len Betei­lig­ten, Ter­ror­an­schlä­gen oder Natur­ka­ta­stro­phen der Fall sein. Das Manage­ment eines MANV erfor­dert eine prä­zi­se Koor­di­na­ti­on aller betei­lig­ten Kräf­te, dar­un­ter Ret­tungs­dienst, Feu­er­wehr, Poli­zei und Kata­stro­phen­schutz.

Die Kern­prin­zi­pi­en des MANV-Manage­ments umfas­sen:

  • Schnel­le Lage­be­ur­tei­lung und Alar­mie­rung: Eine rasche und qua­li­fi­zier­te Beschrei­bung der Situa­ti­on an die Ret­tungs­leit­stel­le ist ent­schei­dend, um ange­mes­se­ne Res­sour­cen zu mobi­li­sie­ren.
  • Sich­tung (Tria­ge): Wie bereits beschrie­ben, ist die Tria­ge der ers­te und wich­tigs­te Schritt zur Prio­ri­sie­rung der Pati­en­ten.
  • Ein­rich­tung von Behand­lungs­plät­zen: Orga­ni­sier­te Berei­che, in denen Ver­letz­te ent­spre­chend ihrer Tria­ge-Kate­go­rie wei­ter ver­sorgt wer­den kön­nen.
  • Trans­port­ma­nage­ment: Effi­zi­en­te Nut­zung von Trans­port­mit­teln, um Pati­en­ten in geeig­ne­te Kli­ni­ken zu brin­gen. Dabei kön­nen auch Pati­en­ten unter­schied­li­cher Kate­go­rien gemischt trans­por­tiert oder alter­na­ti­ve Trans­port­for­men genutzt wer­den.
  • Psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung: Neben der phy­si­schen Ver­sor­gung ist die Betreu­ung der psy­chi­schen Bedürf­nis­se von Betrof­fe­nen und Ein­satz­kräf­ten von Anfang an ein inte­gra­ler Bestand­teil.

Die Her­aus­for­de­rung bei MANV liegt in der Sel­ten­heit sol­cher Ereig­nis­se und der Not­wen­dig­keit, in kür­zes­ter Zeit weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen zur Umstruk­tu­rie­rung von Not­auf­nah­men und zur Koor­di­na­ti­on im Cha­os zu tref­fen.

Mentale Gesundheits-Triage und Psychische Notfallversorgung

Die Psy­cho­so­zia­le Not­fall­ver­sor­gung (PSNV) ist die Gesamt­heit aller Maß­nah­men und Vor­keh­run­gen zur Hil­fe für Ein­satz­kräf­te und not­fall­be­trof­fe­ne Per­so­nen im Bereich der psy­cho­so­zia­len Ver­ar­bei­tung von Not­fäl­len und Kata­stro­phen. Sie ist ein unver­zicht­ba­rer Bestand­teil der Not­fall­hil­fe, da die men­ta­len Fol­gen von Kata­stro­phen oft weni­ger sicht­bar, aber den­noch tief­grei­fend sind. PSNV zielt dar­auf ab, psy­cho­so­zia­len Belas­tungs­fol­gen vor­zu­beu­gen, sie früh­zei­tig zu erken­nen und adäqua­te Unter­stüt­zung zur Erfah­rungs­ver­ar­bei­tung sowie zur Behand­lung von Trau­ma­fol­ge­stö­run­gen anzu­bie­ten.

Die men­ta­le Gesund­heits-Tria­ge ist eine kli­ni­sche Funk­ti­on am Zugangs­punkt zu Gesund­heits­diens­ten, die dar­auf abzielt, die Dring­lich­keit und Prio­ri­tät von Maß­nah­men bei psy­chi­schen Pro­ble­men zu bewer­ten und zu klas­si­fi­zie­ren. Dies geschieht oft in Not­auf­nah­men, Gemein­de­ein­rich­tun­gen oder über Tele­fon­hot­lines. Kern­zie­le sind die schnel­le Iden­ti­fi­zie­rung von Per­so­nen mit unmit­tel­ba­rem Selbst- oder Fremd­ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al, die Bestim­mung des Dring­lich­keits­gra­des und die Initi­ie­rung geeig­ne­ter Inter­ven­tio­nen.

Die PSNV glie­dert sich in Deutsch­land in zwei Haupt­ziel­grup­pen:

  • PSNV‑B (Betrof­fe­ne): Maß­nah­men für Über­le­ben­de, Ange­hö­ri­ge, Hin­ter­blie­be­ne, Augen­zeu­gen und Erst­hel­fer. Dies umfasst psy­chi­sche Ers­te Hil­fe durch Erst­hel­fer, psy­cho­so­zia­le Akut­hil­fe durch Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons- und Not­fall­seel­sor­ge­teams sowie heil­kund­li­che Inter­ven­tio­nen durch Psy­cho­lo­gen und Psy­cho­the­ra­peu­ten.
  • PSNV‑E (Ein­satz­kräf­te): Unter­stüt­zung für Rettungsdienst‑, Feuerwehr‑, Poli­zei- und Kata­stro­phen­schutz­kräf­te zur Bewäl­ti­gung belas­ten­der Ein­satz­si­tua­tio­nen. Dies beinhal­tet prä­ven­ti­ve Maß­nah­men, Ein­satz­be­glei­tung und Ein­satz­nach­sor­ge durch Peers und psy­cho­so­zia­le Fach­kräf­te.

Das Bewusst­sein für men­ta­le Gesund­heit nach Kata­stro­phen hat in den letz­ten Jah­ren zuge­nom­men, auch wenn es welt­weit immer noch ein Tabu­the­ma ist. Es wird zuneh­mend erkannt, dass men­ta­le Gesund­heit von Anfang an ganz­heit­lich im Kata­stro­phen­fall mit­ge­dacht wer­den muss.

Kriseninterventionszentren: Anker in der Not

Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­zen­tren (KIZ) spie­len eine zen­tra­le Rol­le in der psy­chi­schen Not­fall­ver­sor­gung. Sie bie­ten kos­ten­freie Kri­sen­in­ter­ven­ti­on und Sui­zid­prä­ven­ti­on für Men­schen in aku­ten psy­chi­schen Kri­sen und schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tio­nen an. Die­se Zen­tren sind oft mul­ti­dis­zi­pli­när besetzt mit erfah­re­nen Pfle­ge­kräf­ten, Ärz­ten, Psy­cho­lo­gen und Sozi­al­ar­bei­tern.

Die Leis­tun­gen von Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­zen­tren umfas­sen:

  • Aku­te Hil­fe: Schnel­le psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung, oft inner­halb weni­ger Tage nach Kon­takt­auf­nah­me.
  • Sta­bi­li­sie­rung: Ange­bo­te zur Ent­las­tung durch Ein­zel- und Grup­pen­ge­sprä­che, Ver­mitt­lung von Skills und Ent­span­nungs­tech­ni­ken.
  • Räum­li­cher und per­sön­li­cher Abstand: Die Mög­lich­keit einer Auf­nah­me auf einer offe­nen Sta­ti­on kann hel­fen, Abstand von der belas­ten­den Situa­ti­on zu gewin­nen.
  • Wei­ter­ver­mitt­lung: Unter­stüt­zung bei der Ver­mitt­lung in wei­ter­füh­ren­de psych­ia­tri­sche und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen oder Selbst­hil­fe­grup­pen.
  • Spe­zia­li­sier­te Ange­bo­te: Eini­ge Zen­tren bie­ten spe­zia­li­sier­te Hil­fe an, wie Mut­ter-Kind-Behand­lun­gen oder geschlos­se­ne Wohn­grup­pen für Jugend­li­che mit mas­si­ven Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten oder psych­ia­tri­schen Stö­rungs­bil­dern, die Sicher­heit und Halt ver­mit­teln sol­len.

Neben spe­zia­li­sier­ten KIZ gibt es in vie­len Gemein­den auch Sozi­al­psych­ia­tri­sche Diens­te, die Bera­tung und wei­te­re Hil­fen ver­mit­teln, sowie Bera­tungs­stel­len der Jugend­äm­ter für Kin­der, Jugend­li­che und Eltern. Die Tele­fon­seel­sor­ge ist eine wei­te­re wich­ti­ge, rund um die Uhr erreich­ba­re Anlauf­stel­le in aku­ten Kri­sen.

Zivile Katastrophenvorsorge: Gemeinschaftliche Resilienz

Zivi­le Kata­stro­phen­vor­sor­ge umfasst alle Maß­nah­men, die ergrif­fen wer­den, um Men­schen, Umwelt und Sach­wer­te in oder vor der Ent­ste­hung einer Kata­stro­phe zu schüt­zen und die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung zu gewähr­leis­ten. Dies ist eine gemein­sa­me Auf­ga­be von Bund, Län­dern, Kom­mu­nen und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Wich­ti­ge Säu­len der zivi­len Kata­stro­phen­vor­sor­ge sind:

  • Prä­ven­ti­ve und vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men: Dazu gehö­ren die Auf­stel­lung von Hilfs­ein­rich­tun­gen und ‑plä­nen, das Fest­le­gen von Stan­dard-Ein­satz-Regeln und die Abwehr von Schä­den im Kata­stro­phen­fall. Das Kata­stro­phen­ma­nage­ment umfasst dabei Kata­stro­phen­ver­mei­dung, ‑vor­sor­ge, ‑bewäl­ti­gung und Wie­der­her­stel­lung.
  • Infra­struk­tur und Logis­tik: Vor­hal­tung von Kata­stro­phen­schutz­la­gern, Not­un­ter­künf­ten und Logis­tik zur Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung.
  • Warn­sys­te­me und Infor­ma­ti­on: Aus­bau moder­ner Warn­sys­te­me wie Sire­nen und Warn-Apps (z.B. NINA, KATWARN) zur schnel­len und effek­ti­ven Infor­ma­ti­on der Bevöl­ke­rung.
  • Stär­kung der Selbst­hil­fe: Die Bevöl­ke­rung wird ange­hal­ten, sich auf Not­fäl­le vor­zu­be­rei­ten und die eige­ne Selbst­hil­fe­fä­hig­keit zu stär­ken. Das Bun­des­amt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hil­fe (BBK) emp­fiehlt, sich für min­des­tens drei bis idea­ler­wei­se zehn bis vier­zehn Tage aut­ark ver­sor­gen zu kön­nen, inklu­si­ve Vor­rats­hal­tung für Was­ser, Lebens­mit­tel, Not­fall­apo­the­ke, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel und wich­ti­ge Doku­men­te.
  • Aus- und Wei­ter­bil­dung: Früh­zei­ti­ge Schu­lung der Bevöl­ke­rung in Selbst­schutz und Ers­ter Hil­fe. Auch der Ret­tungs­dienst und ande­re Ein­satz­kräf­te erhal­ten psy­cho­so­zia­le Grund­aus­bil­dun­gen und regel­mä­ßi­ge Fort­bil­dun­gen.

Die zivi­le Kata­stro­phen­vor­sor­ge ist dyna­misch und muss sich stän­dig an neue Risi­ken anpas­sen, die durch Kli­ma­wan­del, tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen oder geo­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen ent­ste­hen.

Fazit

Die Bewäl­ti­gung von Kata­stro­phen und Mas­sen­un­fäl­len erfor­dert ein inte­grier­tes und mehr­schich­ti­ges Vor­ge­hen. Tria­ge-Sys­te­me wie START und SALT bil­den das Rück­grat der medi­zi­ni­schen Erst­ver­sor­gung, indem sie eine schnel­le und effek­ti­ve Prio­ri­sie­rung von Ver­letz­ten ermög­li­chen und somit die begrenz­ten Res­sour­cen opti­mal ein­set­zen. Par­al­lel dazu ist die psy­cho­so­zia­le Not­fall­ver­sor­gung (PSNV) unver­zicht­bar, um die men­ta­len Fol­gen trau­ma­ti­scher Ereig­nis­se für Betrof­fe­ne und Ein­satz­kräf­te zu min­dern. Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­zen­tren bie­ten hier­für essen­zi­el­le Anlauf­stel­len für aku­te psy­chi­sche Unter­stüt­zung und Wei­ter­ver­mitt­lung. All die­se Ele­men­te wer­den durch eine robus­te zivi­le Kata­stro­phen­vor­sor­ge gestützt, die prä­ven­ti­ve Maß­nah­men, eine star­ke Infra­struk­tur und die För­de­rung der Selbst­hil­fe­fä­hig­keit der Bevöl­ke­rung umfasst. Eine gut infor­mier­te und vor­be­rei­te­te Gesell­schaft ist die bes­te Ver­tei­di­gung gegen die Unwäg­bar­kei­ten zukünf­ti­ger Kri­sen.

Weiterführende Quellen

https://flexikon.doccheck.com/de/Triage

https://de.wikipedia.org/wiki/Triage

https://www.crisis-medicine.com/start-salt-and-ramp-triage-in-a-mass-casualty-event/

https://www.cambridge.org/core/journals/prehospital-and-disaster-medicine/article/abs/start-versus-salt-triage-which-is-preferred-by-the-21st-century-health-care-student/3193A74548F4E84C68D284FD00FAA3C1

https://www.forum-verlag.com/fachwissen/arbeitsschutz/manv/