Zukunftskompetenzen: Definition, Beispiele und die wichtigsten Future Skills für die Arbeitswelt von morgen

Zukunftskompetenzen: Definition, Beispiele und die wichtigsten Future Skills für die Arbeitswelt von morgen

Die Arbeits­welt befin­det sich im per­ma­nen­ten Wan­del, getrie­ben durch Digi­ta­li­sie­rung, Auto­ma­ti­sie­rung und glo­ba­le Ver­net­zung. Die­ses dyna­mi­sche Umfeld stellt Orga­ni­sa­tio­nen und Mit­ar­bei­ter vor die Her­aus­for­de­rung, sich kon­ti­nu­ier­lich anzu­pas­sen. Klas­si­sches Fach­wis­sen ver­al­tet schnel­ler als je zuvor. Die Fähig­keit zur Bewäl­ti­gung von Kom­ple­xi­tät, Unsi­cher­heit und Ver­än­de­rung wird zur zen­tra­len Anfor­de­rung. Der Fokus ver­schiebt sich hin zu uni­ver­sell anwend­ba­ren Zukunfts­kom­pe­ten­zen – auch Future Skills genannt. Die­ser Arti­kel lie­fert eine fun­dier­te Defi­ni­ti­on, kate­go­ri­siert die wich­tigs­ten Future Skills und zeigt auf, wel­che stra­te­gi­schen Schrit­te Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che unter­neh­men müs­sen, um die Beleg­schaft zukunfts­si­cher auf­zu­stel­len.

Was Future Skills und Zukunftskompetenzen definieren

Der Begriff der Zukunfts­kom­pe­ten­zen oder Future Skills beschreibt jene über­grei­fen­den Fähig­kei­ten, die not­wen­dig sind, um in einer sich rasant ver­än­dern­den Arbeits­welt erfolg­reich zu agie­ren. Sie unter­schei­den sich grund­le­gend von tra­di­tio­nel­len Kom­pe­tenz­mo­del­len. Sie sind nicht iden­tisch mit Hard Skills, die spe­zi­fi­sches, mess­ba­res Fach­wis­sen dar­stel­len. Auch Soft Skills, die pri­mär Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten wie Team­fä­hig­keit oder Pünkt­lich­keit umfas­sen, rei­chen allein nicht mehr aus.

Future Skills sind viel­mehr Meta-Fähig­kei­ten. Sie ermög­li­chen es dem Ein­zel­nen, sich schnell neu­es Wis­sen anzu­eig­nen, kri­tisch zu reflek­tie­ren und effek­tiv mit neu­en Tech­no­lo­gien zu inter­agie­ren. Im Zen­trum steht die Bewäl­ti­gung von Kom­ple­xi­tät und die Reak­ti­on auf die soge­nann­te VUCA-Welt (Vola­ti­li­tät, Unsi­cher­heit, Kom­ple­xi­tät, Ambi­gui­tät).

Die Not­wen­dig­keit die­ser Kom­pe­ten­zen lei­tet sich direkt aus der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung ab, die Pro­zes­se, Geschäfts­mo­del­le und Arbeits­in­hal­te fun­da­men­tal ver­än­dert. Ziel ist es, die Fähig­keit zur Lösung unstruk­tu­rier­ter, neu­ar­ti­ger Pro­ble­me zu gewähr­leis­ten und somit die indi­vi­du­el­le Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit lang­fris­tig zu sichern. Für Arbeit­ge­ber ergibt sich die Pflicht zur Siche­rung und Anpas­sung der Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten der Arbeit­neh­mer aus den gesetz­li­chen Rege­lun­gen zur Qua­li­fi­zie­rung gemäß § 96 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG).

Die drei Dimensionen der Future Skills: Eine Kategorisierung

Um die Viel­zahl der Future Skills über­sicht­lich zu struk­tu­rie­ren, erfolgt die Ein­tei­lung häu­fig in drei Kern­be­rei­che. Die­se Kate­go­rien bil­den die Inter­ak­ti­on des Men­schen mit Tech­no­lo­gie, Infor­ma­ti­on und ande­ren Men­schen ab.

1. Digitale und Technologische Kompetenz

Die­ser Bereich umfasst alle Fähig­kei­ten, die zur sou­ve­rä­nen und siche­ren Anwen­dung digi­ta­ler Werk­zeu­ge und zur Inter­ak­ti­on mit neu­en Tech­no­lo­gien not­wen­dig sind. Dazu gehö­ren nicht nur grund­le­gen­de IT-Kennt­nis­se, son­dern auch ein Ver­ständ­nis für Daten­ver­ar­bei­tung, Algo­rith­men und Cyber-Sicher­heit.

Ent­schei­dend ist die Fähig­keit, tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen kri­tisch zu bewer­ten und neue Tools effi­zi­ent in Arbeits­pro­zes­se zu inte­grie­ren. Ein zen­tra­les Bei­spiel ist die Data Liter­acy (Daten­kom­pe­tenz). Sie beschreibt die Fähig­keit, gro­ße Daten­men­gen zu lesen, zu inter­pre­tie­ren, deren Aus­sa­ge­kraft zu bewer­ten und dar­aus fun­dier­te Ent­schei­dun­gen abzu­lei­ten.

2. Kognitive Kompetenz

Kogni­ti­ve Kom­pe­ten­zen bezie­hen sich auf die geis­ti­gen Fähig­kei­ten zur Pro­blem­lö­sung, Ent­schei­dungs­fin­dung und zur effek­ti­ven Ver­ar­bei­tung von Infor­ma­tio­nen. In einer Welt des Infor­ma­ti­ons­über­flus­ses ist das Kri­ti­sche Den­ken die Schlüs­sel­kom­pe­tenz. Sie erlaubt es, Argu­men­te, Quel­len und Sach­ver­hal­te objek­tiv zu ana­ly­sie­ren und Fehl­in­for­ma­tio­nen zu erken­nen, anstatt die­se unre­flek­tiert zu über­neh­men.

Eben­falls zen­tral sind Krea­ti­vi­tät und die Fähig­keit zum kom­ple­xen Pro­blem­lö­sen. Die­se Fähig­kei­ten sind oft nicht auto­ma­ti­sier­bar und sichern die mensch­li­che Wert­schöp­fung gegen­über maschi­nel­len oder KI-gestütz­ten Pro­zes­sen. Kogni­ti­ve Fle­xi­bi­li­tät ermög­licht es, Denk­struk­tu­ren schnell zu wech­seln und sich neu­en Auf­ga­ben­stel­lun­gen anzu­pas­sen.

3. Sozio-emotionale und Soziale Kompetenz

Die­se Dimen­si­on fokus­siert auf die Inter­ak­ti­on mit ande­ren Men­schen und die Steue­rung der eige­nen Emo­tio­nen und Reak­tio­nen in kom­ple­xen Situa­tio­nen. Ange­sichts fla­cher Hier­ar­chien und inter­na­tio­na­ler, vir­tu­el­ler Teams gewin­nen Kol­la­bo­ra­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit und Empa­thie stark an Bedeu­tung.

Wich­ti­ge indi­vi­du­el­le Fähig­kei­ten in die­sem Clus­ter sind die Anpas­sungs­fä­hig­keit und die Resi­li­enz. Sie ermög­li­chen es Mit­ar­bei­tern, mit Rück­schlä­gen und dau­er­haf­tem Wan­del umzu­ge­hen, ohne die Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­lie­ren. Die Fähig­keit zur Ambi­gui­täts­to­le­ranz – das Aus­hal­ten von wider­sprüch­li­chen Infor­ma­tio­nen, unkla­ren Zustän­den und feh­len­der Ein­deu­tig­keit – ist hier­bei essen­zi­ell. Die­se Kom­pe­ten­zen sichern die psy­chi­sche Sta­bi­li­tät in hoch­dy­na­mi­schen Arbeits­um­fel­dern.

Die wichtigsten Future Skills im Detail: Beispiele für die Praxis

Die Trans­for­ma­ti­on der Arbeits­welt erfor­dert spe­zi­fi­sche Fähig­kei­ten, die weit über tra­di­tio­nel­le Fach­kennt­nis­se hin­aus­ge­hen. Im Bereich der tech­no­lo­gi­schen Kom­pe­tenz ist die Data Liter­acy (Daten­kom­pe­tenz) essen­zi­ell. Die­se Fähig­keit umfasst das Ver­ständ­nis von Daten­quel­len, die Bewer­tung ihrer Qua­li­tät und die Ablei­tung belast­ba­rer Schluss­fol­ge­run­gen. Sie ist not­wen­dig, um daten­ge­stütz­te Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen und Pro­zes­se nicht nur digi­tal abzu­wi­ckeln, son­dern kri­tisch zu steu­ern.

Beson­ders kri­tisch für die Ent­schei­dungs­fin­dung in kom­ple­xen Umge­bun­gen ist das Kri­ti­sche Den­ken. Es ermög­licht, Infor­ma­tio­nen – unab­hän­gig von ihrer digi­ta­len Quel­le – zu hin­ter­fra­gen, Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten logisch zu prü­fen und kogni­ti­ve Ver­zer­run­gen (Bias) zu erken­nen. Kri­ti­sches Den­ken ist eine zen­tra­le Schutz­funk­ti­on gegen Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen und inad­äqua­te Reak­tio­nen auf Markt­ver­än­de­run­gen.

Auf der sozia­len und emo­tio­na­len Ebe­ne gewinnt die Ambi­gui­täts­to­le­ranz zuneh­mend an Bedeu­tung. Sie beschreibt die Fähig­keit, wider­sprüch­li­che, mehr­deu­ti­ge oder unkla­re Situa­tio­nen aus­zu­hal­ten, ohne in Panik oder Ent­schei­dungs­star­re zu ver­fal­len. Da agi­le Pro­zes­se und dyna­mi­sche Teams oft ohne kla­re Vor­ga­ben arbei­ten, ist die­se Tole­ranz zur Auf­recht­erhal­tung der Hand­lungs­fä­hig­keit uner­läss­lich. Eng damit ver­bun­den ist die Anpas­sungs­fä­hig­keit und Resi­li­enz, also die psy­chi­sche Wider­stands­fä­hig­keit, um auf uner­war­te­te Rück­schlä­ge schnell und kon­struk­tiv zu reagie­ren.

Die mensch­li­che Krea­ti­vi­tät bleibt eine ent­schei­den­de Future Skill. Wäh­rend auto­ma­ti­sier­te Sys­te­me Mus­ter erken­nen und opti­mie­ren kön­nen, ist die Ent­wick­lung radi­kal neu­er Ideen, Pro­duk­te oder Geschäfts­mo­del­le wei­ter­hin an mensch­li­ches, krea­ti­ves Den­ken gebun­den. Sie sichert die Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit von Orga­ni­sa­tio­nen im glo­ba­len Wett­be­werb.

Strategische Personalentwicklung: Die Verantwortung von Organisationen

Die Ent­wick­lung von Zukunfts­kom­pe­ten­zen ist eine stra­te­gi­sche Auf­ga­be, die nicht aus­schließ­lich der Eigen­in­itia­ti­ve der Beschäf­tig­ten über­las­sen wer­den darf. Unter­neh­men tra­gen die Ver­ant­wor­tung, die Rah­men­be­din­gun­gen für lebens­lan­ges Ler­nen sys­te­ma­tisch zu schaf­fen und zu för­dern.

Dies beginnt mit der Eta­blie­rung einer funk­tio­nie­ren­den, feh­ler­freund­li­chen Lern­kul­tur. Mit­ar­bei­ter benö­ti­gen Zeit, Res­sour­cen und psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit, um neue Fähig­kei­ten zu erwer­ben und im Arbeits­all­tag zu erpro­ben. Die blo­ße Bereit­stel­lung von Lern­in­hal­ten reicht hier­für nicht aus. Ent­schei­dend ist der sys­te­ma­ti­sche Kom­pe­tenz­trans­fer in die Anwen­dung.

Die Per­so­nal­ent­wick­lung muss ihre Qua­li­fi­zie­rungs­stra­te­gie neu aus­rich­ten. Sie muss den künf­ti­gen Kom­pe­tenz­be­darf des Unter­neh­mens, der sich aus der Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie ergibt, fun­diert ana­ly­sie­ren. Talent­ma­nage­ment bedeu­tet in die­sem Zusam­men­hang, Poten­zia­le zur Ent­wick­lung von Future Skills früh­zei­tig zu erken­nen und geziel­te, indi­vi­du­el­le Ent­wick­lungs­pfa­de zu defi­nie­ren.

Die Inves­ti­ti­on in Schu­lun­gen muss dabei über rein fach­li­che (Hard Skill) Inhal­te hin­aus­ge­hen. Sie muss expli­zit kogni­ti­ve (z. B. Kom­ple­xi­täts­ma­nage­ment) und sozio-emo­tio­na­le Kom­pe­ten­zen (z. B. Kol­la­bo­ra­ti­on) adres­sie­ren. Dies erfor­dert oft neue Lern­for­ma­te wie Men­to­ring-Pro­gram­me, inter­ne Com­mu­ni­ties of Prac­ti­ce oder die Ein­bin­dung in agi­le Pro­jekt­ar­beit. Die stra­te­gi­sche Ver­an­ke­rung die­ser Maß­nah­men ist ein zen­tra­ler Fak­tor zur Siche­rung der Zukunfts­fä­hig­keit und zur Redu­zie­rung des Risi­kos eines inter­nen Fach­kräf­te­man­gels.

Handlungsempfehlungen für Betriebsräte und Personalverantwortliche

Betriebs­rä­te ver­fü­gen über star­ke Mit­be­stim­mungs­rech­te und sind essen­zi­ell für die Gestal­tung einer zukunfts­ori­en­tier­ten Qua­li­fi­zie­rungs­land­schaft. Nach § 96 Absatz 1 BetrVG ist der Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, die beruf­li­che Bil­dung der Arbeit­neh­mer zu för­dern. Bei der Ein­füh­rung und Durch­füh­rung von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men hat der Betriebs­rat ein erzwing­ba­res Mit­be­stim­mungs­recht (§ 97 Abs. 1 BetrVG).

Kon­kre­te Hand­lungs­schrit­te für Betriebs­rä­te:

  1. Bedarfs­ana­ly­se ein­for­dern: Der Betriebs­rat soll­te auf einer trans­pa­ren­ten und fun­dier­ten Ana­ly­se des künf­ti­gen Kom­pe­tenz­be­darfs bestehen. Die­se Ana­ly­se muss die iden­ti­fi­zier­ten Future Skills expli­zit in die Per­so­nal­pla­nung ein­be­zie­hen.
  2. Qua­li­fi­zie­rungs­richt­li­ni­en fest­le­gen: Durch den Abschluss von Betriebs­ver­ein­ba­run­gen kön­nen fai­re und nach­voll­zieh­ba­re Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der Teil­neh­mer an Wei­ter­bil­dun­gen sowie kla­re Rege­lun­gen zu Frei­stel­lung und Kos­ten­über­nah­me gesi­chert wer­den.
  3. Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit sichern: Es muss ver­trag­lich gewähr­leis­tet wer­den, dass die im Rah­men der Qua­li­fi­zie­rung erwor­be­nen Kom­pe­ten­zen auch tat­säch­lich im Betrieb ange­wen­det wer­den kön­nen. Dies dient der lang­fris­ti­gen Siche­rung der Arbeits­platz­si­cher­heit und beugt dem Ver­lust von Wis­sen vor.
  4. Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on beglei­ten: Bei der Ein­füh­rung neu­er digi­ta­ler Tech­no­lo­gien muss der Betriebs­rat prü­fen, ob die not­wen­di­ge Digi­ta­le Kom­pe­tenz der Beleg­schaft durch aus­rei­chen­de Schu­lun­gen auf­ge­baut wird, bevor die Sys­te­me pro­duk­tiv geschal­tet wer­den (§ 90 BetrVG).

Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che müs­sen die­se Anfor­de­run­gen pro­ak­tiv in das jähr­li­che Qua­li­fi­zie­rungs­bud­get inte­grie­ren. Sie soll­ten Füh­rungs­kräf­te schu­len, um Future Skills nicht nur in Semi­na­ren, son­dern auch im Füh­rungs­all­tag zu för­dern. Eine offe­ne und trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on über die Not­wen­dig­keit des Wan­dels schafft die not­wen­di­ge Akzep­tanz in der Beleg­schaft.


Fazit

Die Bewäl­ti­gung des kon­ti­nu­ier­li­chen Wan­dels erfor­dert eine geziel­te und stra­te­gi­sche Inves­ti­ti­on in Zukunfts­kom­pe­ten­zen. Die zen­tra­len Future Skills, von digi­ta­ler Kom­pe­tenz bis hin zu kri­ti­schem Den­ken, sind der Schlüs­sel, um Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit zu sichern und inno­va­ti­ve Arbeits­struk­tu­ren zu ermög­li­chen. Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che bedeu­tet dies die akti­ve Gestal­tung von Wei­ter­bil­dungs­pro­zes­sen und die Eta­blie­rung einer Unter­neh­mens­kul­tur, die lebens­lan­ges Ler­nen för­dert. Die stra­te­gi­sche För­de­rung die­ser Kom­pe­ten­zen sichert die Zukunfts­fä­hig­keit der Beleg­schaft und stärkt die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Orga­ni­sa­ti­on.

Handlungsempfehlungen für Betriebsräte und Personalverantwortliche

Die Ent­wick­lung von Future Skills ist eine stra­te­gi­sche Auf­ga­be, die eine enge und früh­zei­ti­ge Abstim­mung zwi­schen Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat erfor­dert. Die gesetz­li­chen Grund­la­gen für die Gestal­tung der Qua­li­fi­zie­rungs­land­schaft fin­den sich pri­mär im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG).

Betriebs­rä­te nut­zen das umfas­sen­de Infor­ma­ti­ons- und Bera­tungs­recht nach § 92 BetrVG bei der Per­so­nal­pla­nung, um den zukünf­ti­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­darf trans­pa­rent zu machen. Bei der Ein­füh­rung oder grund­le­gen­den Ände­rung von Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men greift das Mit­be­stim­mungs­recht gemäß § 97 und § 98 BetrVG.

Kon­kre­te Schrit­te zur Gestal­tung:

  1. Stra­te­gi­sche Qua­li­fi­zie­rungs­richt­li­ni­en: Schlie­ßen Sie Betriebs­ver­ein­ba­run­gen ab, die die För­de­rung von Zukunfts­kom­pe­ten­zen sys­te­ma­tisch regeln. Sol­che Ver­ein­ba­run­gen müs­sen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der Teil­neh­mer, den Umfang der Frei­stel­lung, die Kos­ten­über­nah­me und die Sicher­stel­lung der Anwen­dung im Arbeits­all­tag fest­le­gen. Dies sichert eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie und gerech­te För­de­rung der Beleg­schaft.
  2. Ver­mei­dung von Qua­li­fi­zie­rungs­zwän­gen: Bei der Ein­füh­rung neu­er digi­ta­ler Tech­no­lo­gien muss der Betriebs­rat nach § 90 BetrVG früh­zei­tig über die Kon­se­quen­zen für die Arbeits­plät­ze und die dar­aus resul­tie­ren­den Qua­li­fi­zie­rungs­not­wen­dig­kei­ten infor­miert wer­den. Ziel ist, durch vor­aus­schau­en­de Qua­li­fi­zie­rung betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen abzu­wen­den und die Arbeits­platz­si­cher­heit zu erhö­hen (Vgl. § 97 Abs. 1 BetrVG).
  3. Defi­ni­ti­on des Bedarfs: HR-Abtei­lun­gen müs­sen sys­te­ma­ti­sche Skill-Gap-Ana­ly­sen durch­füh­ren, die über tra­di­tio­nel­les Fach­wis­sen hin­aus­ge­hen und die not­wen­di­gen kogni­ti­ven und sozia­len Future Skills klar defi­nie­ren.
  4. Inte­gra­ti­ve Per­so­nal­pla­nung: Ver­an­kern Sie die Ent­wick­lung von Zukunfts­kom­pe­ten­zen nicht als ein­ma­li­ge Maß­nah­me, son­dern als fes­ten Bestand­teil des jähr­li­chen Mit­ar­bei­ter­ge­sprächs und der stra­te­gi­schen Per­so­nal­pla­nung.

Nur durch die sys­te­ma­ti­sche Inte­gra­ti­on von Future Skills in die Per­so­nal­ent­wick­lung kann die Orga­ni­sa­ti­on ihre Zukunfts­fä­hig­keit sichern und die Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit der Mit­ar­bei­ter nach­hal­tig gewähr­leis­ten.

Fazit

Die Trans­for­ma­ti­on der Arbeits­welt, ange­trie­ben durch Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung, hat die Bedeu­tung von Zukunfts­kom­pe­ten­zen fun­da­men­tal ver­än­dert. Klas­si­sches Fach­wis­sen bil­det heu­te nur noch die Basis; ent­schei­dend ist die Fähig­keit zur schnel­len Anpas­sung und zur Bewäl­ti­gung von Kom­ple­xi­tät. Die zen­tra­len Future Skills, von Data Liter­acy und digi­ta­ler Kom­pe­tenz über Kri­ti­sches Den­ken bis hin zu Ambi­gui­täts­to­le­ranz, sind der Schlüs­sel zur Siche­rung der indi­vi­du­el­len Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit.

Für Orga­ni­sa­tio­nen stellt die stra­te­gi­sche För­de­rung die­ser Kom­pe­ten­zen eine not­wen­di­ge Inves­ti­ti­on in die Wett­be­werbs­fä­hig­keit dar. Die Ver­ant­wor­tung liegt nicht allein beim Indi­vi­du­um. Unter­neh­mens­lei­tun­gen, Per­so­nal­ab­tei­lun­gen und Betriebs­rä­te müs­sen gemein­sam eine lern­för­dern­de Kul­tur eta­blie­ren, die lebens­lan­ges Ler­nen sys­te­ma­tisch unter­stützt.

Betriebs­rä­te spie­len eine akti­ve Rol­le, indem sie über das Mit­be­stim­mungs­recht die fai­re und bedarfs­ge­rech­te Gestal­tung von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men sicher­stel­len. Die geziel­te Ent­wick­lung von Future Skills ist damit nicht nur ein Per­so­nal­the­ma, son­dern ein zen­tra­ler Fak­tor für eine erfolg­rei­che und sozi­al ver­ant­wort­li­che Trans­for­ma­ti­on der Arbeits­welt.


Weiterführende Quellen

Zukunfts­kom­pe­ten­zen • Defi­ni­ti­on | Gab­ler Wirt­schafts­le­xi­kon
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/zukunftskompetenzen-121646
Defi­ni­ti­on von Zukunfts­kom­pe­ten­zen als Schlüs­sel­fä­hig­kei­ten zur Bewäl­ti­gung der stei­gen­den Kom­ple­xi­tät durch Digi­ta­li­sie­rung.

Zukunfts­kom­pe­ten­zen: Skills für die Arbeits­welt von mor­gen | Hau­fe-Aka­de­mie
https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/change-management-digital-transformation/zukunftskompetenzen/
Über­blick über wich­ti­ge Zukunfts­kom­pe­ten­zen, ein­schließ­lich digi­ta­ler Fähig­kei­ten und kogni­ti­ver Skills wie Kri­ti­sches Den­ken.

Was sind Future Skills? | Stif­ter­ver­band
https://www.stifterverband.org/medien/was-sind-future-skills
Beto­nung der stra­te­gi­schen Ver­ant­wor­tung von Orga­ni­sa­tio­nen und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen bei der För­de­rung von Future Skills.