Die positive Wirkung von Tieren auf die mentale Gesundheit von Senioren und älteren Menschen

Die positive Wirkung von Tieren auf die mentale Gesundheit von Senioren und älteren Menschen

Die altern­de Gesell­schaft steht vor der Her­aus­for­de­rung, Iso­la­ti­on und psy­chi­sche Belas­tun­gen im Senio­ren­al­ter effek­tiv zu min­dern. Der Ver­lust sozia­ler Kon­tak­te, der Ruhe­stand und phy­si­sche Ein­schrän­kun­gen kön­nen die men­ta­le Gesund­heit stark beein­träch­ti­gen. For­schungs­er­geb­nis­se deu­ten jedoch dar­auf hin, dass die Mensch-Tier-Bezie­hung ein signi­fi­kan­tes the­ra­peu­ti­sches Poten­zi­al birgt. Ins­be­son­de­re bei älte­ren Men­schen und Senio­ren kann der Kon­takt zu Tie­ren oder die Hal­tung eines Haus­tiers nach­weis­lich posi­ti­ve Effek­te erzie­len. Die­se posi­ti­ven Effek­te rei­chen von der Redu­zie­rung des Stress­le­vels bis hin zur Stei­ge­rung der sozia­len Inter­ak­ti­on und tra­gen somit maß­geb­lich zur Stär­kung der psy­cho­so­zia­len Gesund­heit bei. Die Mensch-Tier-Bin­dung kann die Ein­sam­keit im Alter signi­fi­kant redu­zie­ren. Der fol­gen­de Arti­kel beleuch­tet die wis­sen­schaft­li­chen Mecha­nis­men und prak­ti­schen Ein­satz­mög­lich­kei­ten die­ser wert­vol­len Bezie­hung, die als Tier­ge­stütz­te The­ra­pie zuneh­mend an Bedeu­tung gewinnt.

Psychophysiologische Mechanismen der Mensch-Tier-Interaktion

Die posi­ti­ve Wir­kung von Tie­ren auf den Men­schen ist nicht nur sub­jek­tiv, son­dern auch phy­sio­lo­gisch mess­bar. Die Inter­ak­ti­on mit Tie­ren, sei es durch Strei­cheln, Beob­ach­ten oder Spie­len, löst eine Kas­ka­de neu­ro­bio­lo­gi­scher Reak­tio­nen aus, die direkt zur Stress­re­duk­ti­on bei­tra­gen.

Ein zen­tra­ler Befund der Neu­ro­bio­lo­gie ist die Ver­än­de­rung der Hor­mon­spie­gel wäh­rend des Kon­takts. Stu­di­en bele­gen, dass bei Men­schen, die mit Tie­ren inter­agie­ren, der Spie­gel des Stress­hor­mons Cor­ti­sol signi­fi­kant sinkt. Cor­ti­sol ist eng mit chro­ni­schem Stress, Blut­hoch­druck und Immun­schwä­che ver­bun­den. Par­al­lel zur Cor­ti­sol-Sen­kung steigt die Pro­duk­ti­on von Hor­mo­nen, die Wohl­be­fin­den för­dern. Dazu gehört ins­be­son­de­re Oxy­to­cin, oft als „Kuschel­hor­mon“ oder „Bin­dungs­hor­mon“ bezeich­net. Oxy­to­cin spielt eine Schlüs­sel­rol­le bei der För­de­rung von Ver­trau­en, Gebor­gen­heit und der Reduk­ti­on von Angst­zu­stän­den. Die­se hor­mo­nel­le Ver­schie­bung wirkt direkt beru­hi­gend auf den Orga­nis­mus.

Neben die­sen bio­che­mi­schen Effek­ten wird auch das auto­no­me Ner­ven­sys­tem posi­tiv beein­flusst. Die Inter­ak­ti­on mit einem ruhi­gen Tier akti­viert den Para­sym­pa­thi­kus, den Teil des Ner­ven­sys­tems, der für Ruhe und Rege­ne­ra­ti­on zustän­dig ist. Dies führt zu einer mess­ba­ren Blut­druck­sen­kung und einer Ver­lang­sa­mung der Herz­fre­quenz. Bei älte­ren Men­schen, die häu­fig unter kar­dio­vas­ku­lä­ren Pro­ble­men lei­den, kann die­ser Effekt prä­ven­tiv und unter­stüt­zend wir­ken.

Die ein­fa­che, non­ver­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­on, die beim Strei­cheln oder Beob­ach­ten eines Tie­res statt­fin­det, erfor­dert kei­ne kom­ple­xe kogni­ti­ve Ver­ar­bei­tung. Dies ent­las­tet die Psy­che und ermög­licht eine Fokus­sie­rung auf den gegen­wär­ti­gen, posi­ti­ven Moment. Die unbe­ding­te Akzep­tanz, die Tie­re oft ver­mit­teln, wirkt sich sta­bi­li­sie­rend auf das emo­tio­na­le Gleich­ge­wicht aus. Die Neu­ro­bio­lo­gie lie­fert somit die Erklä­rung dafür, war­um Tie­re einen nach­weis­bar posi­ti­ven Ein­fluss auf die kör­per­li­che und psy­chi­sche Ver­fas­sung von Senio­ren haben.

Reduktion von Isolation und Förderung sozialer Interaktion

Ein zen­tra­ler und lebens­wich­ti­ger Nut­zen der Tier­prä­senz bei älte­ren Men­schen ist die Über­win­dung von Ein­sam­keit und Sozia­ler Iso­la­ti­on. Die­se sind im Alter häu­fi­ge Risi­ko­fak­to­ren für Depres­sio­nen und kogni­ti­ven Ver­fall. Haus­tie­re wir­ken hier­bei in mehr­fa­cher Hin­sicht als emo­tio­na­le und sozia­le Anker­punk­te.

Ers­tens bie­ten Tie­re eine kon­stan­te Quel­le der Zunei­gung und Gebor­gen­heit. Die emo­tio­na­le Bin­dung zu einem Haus­tier ist oft unkom­pli­ziert und frei von den kom­ple­xen Kon­flik­ten mensch­li­cher Bezie­hun­gen. Die­se non­ver­ba­le Bezie­hung füllt eine emo­tio­na­le Lücke, die durch den Ver­lust von Part­nern, Freun­den oder durch räum­li­che Tren­nung von der Fami­lie ent­stan­den ist. Das Gefühl, gebraucht und geliebt zu wer­den, stärkt das Selbst­wert­ge­fühl und das Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl der Senio­ren.

Zwei­tens agie­ren Tie­re als soge­nann­te Sozia­le Kata­ly­sa­to­ren. Ein Hund, der Gas­si geführt wer­den muss, zwingt den Hal­ter zum Ver­las­sen der Woh­nung. Dies schafft zwangs­läu­fig Kon­takt­punk­te: Gesprä­che über die Ras­se, das Alter oder das Ver­hal­ten des Tie­res ent­ste­hen leicht mit Nach­barn, ande­ren Hun­de­be­sit­zern oder Pas­san­ten. In Pfle­ge­hei­men oder Tages­stät­ten kön­nen The­ra­pie­hun­de als neu­tra­ler Mit­tel­punkt die­nen, um den Aus­tausch zwi­schen Bewoh­nern oder zwi­schen Bewoh­nern und Pfle­ge­kräf­ten anzu­re­gen. Tie­re erleich­tern somit den Gesprächs­ein­stieg und för­dern die Reinte­gra­ti­on in sozia­le Netz­wer­ke.

Dar­über hin­aus ver­leiht die Pfle­ge eines Tie­res dem All­tag eine drin­gend benö­tig­te Struk­tur. Fes­te Füt­te­rungs­zei­ten, Spa­zier­gän­ge oder Tier­arzt­be­su­che geben älte­ren Men­schen einen kla­ren Tages­ab­lauf und ein Ziel. Die­se Auf­ga­ben kön­nen der Lethar­gie ent­ge­gen­wir­ken, die oft mit dem Ruhe­stand oder dem Gefühl der Nutz­lo­sig­keit ein­her­geht. Die Not­wen­dig­keit, sich um ein ande­res Lebe­we­sen zu küm­mern, lenkt den Fokus von eige­nen Beschwer­den ab und stärkt die men­ta­le Gesund­heit durch Akti­vi­tät und Sinn­haf­tig­keit.

Die­ser Nut­zen ist beson­ders rele­vant in Miet­woh­nun­gen oder Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, wo die Tier­hal­tung teil­wei­se ein­ge­schränkt ist. Das Recht auf Tier­hal­tung kann in Miet­ver­trä­gen limi­tiert sein; jedoch hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) mehr­fach ent­schie­den, dass ein gene­rel­les Tier­hal­tungs­ver­bot in For­mu­lar­miet­ver­trä­gen unwirk­sam ist (z. B. BGH, Urteil vom 20.03.2013, Az.: VIII ZR 168/12). Bei Senio­ren soll­te die Ent­schei­dung über die Hal­tung eines Haus­tie­res stets unter Abwä­gung von Tier­wohl und den indi­vi­du­el­len Mög­lich­kei­ten des Hal­ters getrof­fen wer­den. Ist eine pri­va­te Hal­tung nicht mög­lich, gewin­nen Tier­ge­stütz­te Inter­ven­tio­nen im insti­tu­tio­nel­len Rah­men an Bedeu­tung.

Tiergestützte Interventionen (TGI) im professionellen und institutionellen Kontext

Die posi­ti­ve Wir­kung von Tie­ren auf die men­ta­le Gesund­heit von Senio­ren lässt sich durch struk­tu­rier­te Pro­gram­me gezielt nut­zen. Tier­ge­stütz­te Inter­ven­tio­nen (TGI) stel­len den pro­fes­sio­nel­len, inten­tio­na­len und geplan­ten Ein­satz von Tie­ren dar, um spe­zi­fi­sche phy­si­sche, psy­chi­sche oder kogni­ti­ve Zie­le zu errei­chen. Die­se Inter­ven­tio­nen sind nicht zufäl­lig, son­dern basie­ren auf doku­men­tier­ten Behand­lungs­plä­nen und wer­den von geschul­ten Fach­kräf­ten in Zusam­men­ar­beit mit spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Tie­ren (meist The­ra­pie­hun­den) durch­ge­führt.

Inner­halb der TGI wird in der Regel zwi­schen drei Haupt­for­men unter­schie­den:

  1. Tier­ge­stütz­te Akti­vi­tä­ten (TGA): Locke­re Inter­ak­tio­nen, wie Besuchs­diens­te in Pfle­ge­hei­men, die der Akti­vie­rung, Unter­hal­tung und der Stei­ge­rung des all­ge­mei­nen Wohl­be­fin­dens die­nen.
  2. Tier­ge­stütz­te Päd­ago­gik (TGP): Nut­zung der Tier­prä­senz zur Ver­mitt­lung von Lern­in­hal­ten, bei­spiels­wei­se das Trai­ning sozia­ler Kom­pe­ten­zen.
  3. Tier­ge­stütz­te The­ra­pie (TGT): Geziel­te, auf Dia­gno­sen basie­ren­de Behand­lungs­pro­zes­se, die von qua­li­fi­zier­ten The­ra­peu­ten (z. B. Psy­cho­the­ra­peu­ten oder Ergo­the­ra­peu­ten) gelei­tet wer­den.

In der Alten­pfle­ge und Ger­ia­trie ist die TGT von beson­de­rer Bedeu­tung. Der Ein­satz von The­ra­pie­hun­den bei Demenz­pa­ti­en­ten zielt oft auf die Reduk­ti­on von Agi­ta­ti­on, die Ver­bes­se­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit und die Sti­mu­la­ti­on sen­so­ri­scher und moto­ri­scher Fähig­kei­ten ab. Das Strei­cheln eines Tie­res för­dert die Fein­mo­to­rik; die Anspra­che des Tie­res regt die sprach­li­che Akti­vie­rung an. Auch die För­de­rung der kogni­ti­ven Gesund­heit ist ein wich­ti­ges Ziel: Der Umgang mit dem Tier erfor­dert Kon­zen­tra­ti­on und die Erin­ne­rung an ver­gan­ge­ne Haus­tie­re kann bio­gra­fi­sche Arbeit unter­stüt­zen.

Für Insti­tu­tio­nen, in denen TGI durch­ge­führt wird, ist die Qua­li­täts­si­che­rung essen­zi­ell. Die Teams (Mensch-Tier-Ein­heit) müs­sen stren­ge Prü­fun­gen durch­lau­fen, die sowohl die Sach­kennt­nis des Men­schen als auch die Eig­nung und Belast­bar­keit des Tie­res bestä­ti­gen. Orga­ni­sa­tio­nen wie der VdTT (Ver­band der Tier­ge­stütz­ten The­ra­pie) legen hier­für kla­re Prü­fungs­ord­nun­gen fest. Dies dient dem Tier­wohl und schützt gleich­zei­tig die betreu­ten Senio­ren. Die Imple­men­tie­rung von TGI in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen setzt daher eine kla­re Risi­ko­ana­ly­se, hygie­ni­sche Rah­men­be­din­gun­gen und geschul­tes Per­so­nal vor­aus, was auch für den Betriebs­rat bei der Über­wa­chung der Gesund­heits­stan­dards rele­vant ist.

Ganzheitliche positive Wirkung auf die kognitive und mentale Gesundheit von Senioren

Die Prä­senz von Tie­ren ent­fal­tet bei älte­ren Men­schen eine umfas­sen­de, ganz­heit­li­che Wir­kung, die weit über kurz­fris­ti­ge Stim­mungs­auf­hel­lung hin­aus­geht. Zahl­rei­che Stu­di­en bele­gen, dass die Mensch-Tier-Bin­dung signi­fi­kan­te Aus­wir­kun­gen auf die kogni­ti­ve Gesund­heit und die psy­chi­sche Wider­stands­fä­hig­keit hat.

Die regel­mä­ßi­ge Inter­ak­ti­on mit einem Tier kann die kogni­ti­ven Funk­tio­nen sta­bi­li­sie­ren und ver­bes­sern. Dies geschieht durch die Not­wen­dig­keit, sich zu kon­zen­trie­ren, Rou­ti­nen ein­zu­hal­ten (Füt­te­rungs­zei­ten, Spa­zier­gän­ge) und non­ver­ba­le Signa­le zu deu­ten. Die­se akti­ve Betei­li­gung wirkt der kogni­ti­ven Sta­gna­ti­on ent­ge­gen.

Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die Min­de­rung von Sym­pto­men psy­chi­scher Erkran­kun­gen. Tie­re bie­ten eine Quel­le der emo­tio­na­len Sicher­heit und der non­ver­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­on, was die Hemm­schwel­le senkt. Stu­di­en bele­gen eine signi­fi­kan­te Reduk­ti­on von Anzei­chen der Depres­si­on und von Angst­zu­stän­den bei Senio­ren mit regel­mä­ßi­gem Tier­kon­takt oder eige­ner Tier­hal­tung. Die bedin­gungs­lo­se Akzep­tanz, die ein Tier bie­tet, kann das oft im Alter durch Ver­lus­te geschwäch­te Selbst­wert­ge­fühl stär­ken.

Die Tie­re fun­gie­ren als akti­ve Stress­ma­na­ger. Durch die in Abschnitt 2 beschrie­be­ne Frei­set­zung von Oxy­to­cin wäh­rend der Inter­ak­ti­on wird eine tief­grei­fen­de Ent­span­nung indu­ziert, die zur Sen­kung des chro­ni­schen Stress­le­vels bei­trägt. Dies beein­flusst indi­rekt auch die phy­si­sche Gesund­heit.

Dar­über hin­aus wird die all­ge­mei­ne Lebens­qua­li­tät nach­hal­tig gestei­gert. Ein Tier im Haus schafft einen Sinn und gibt dem Tag Struk­tur. Das Gefühl der Ver­ant­wor­tung für ein Lebe­we­sen för­dert die Selbst­wirk­sam­keit und Moti­va­ti­on. Bei älte­ren Men­schen, die mit dem Ruhe­stand oder dem Ver­lust von Ange­hö­ri­gen kon­fron­tiert sind, füllt das Tier eine zen­tra­le emo­tio­na­le Lücke und beugt der Pas­si­vi­tät vor. Ein akti­ves Stress­ma­nage­ment durch die Nähe zum Tier trägt somit maß­geb­lich zur psy­cho­so­zia­len Gesund­heit bei und wirkt prä­ven­tiv gegen Alters­lei­den.

Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Tierhaltung im Alter

Trotz der nach­weis­lich posi­ti­ven Effek­te erfor­dert die Ent­schei­dung für die Tier­hal­tung oder die Imple­men­tie­rung von TGI eine sorg­fäl­ti­ge Abwä­gung der Her­aus­for­de­run­gen und Rah­men­be­din­gun­gen. Die Ein­hal­tung des Tier­wohls und die Berück­sich­ti­gung der Ein­schrän­kun­gen älte­rer Men­schen ste­hen dabei im Vor­der­grund.

Ein zen­tra­les prak­ti­sches Pro­blem ist die Sicher­stel­lung der Ver­sor­gung. Mit zuneh­men­dem Alter kön­nen Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen, chro­ni­sche Krank­hei­ten oder Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te die Fähig­keit zur adäqua­ten Pfle­ge des Tie­res stark beein­träch­ti­gen. Hier sind Risi­ko­ma­nage­ment-Stra­te­gien not­wen­dig, die Vor­sor­ge­plä­ne für Not­fäl­le umfas­sen, bei­spiels­wei­se durch ehren­amt­li­che Hel­fer oder tier­ge­stütz­te Diens­te, die die Betreu­ung über­neh­men. Die finan­zi­el­le Belas­tung durch Fut­ter- und Tier­arzt­kos­ten ist eben­falls ein kri­ti­scher Fak­tor, der die Lebens­si­tua­ti­on von Rent­nern nicht zusätz­lich stra­pa­zie­ren darf.

In insti­tu­tio­nel­len Kon­tex­ten und Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern müs­sen recht­li­che und gesund­heit­li­che Aspek­te beach­tet wer­den:

  1. Recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen (Miet­recht): Die Hal­tung von Haus­tie­ren in Miet­woh­nun­gen ist in Deutsch­land grund­sätz­lich erlaubt, solan­ge kei­ne Beein­träch­ti­gung ande­rer Mie­ter vor­liegt. Eine Klau­sel im Miet­ver­trag, die die Tier­hal­tung gene­rell ver­bie­tet, ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs unwirk­sam (BGH, Urteil vom 20.03.2013, Az. VIII ZR 168/12). Die Ent­schei­dung erfor­dert stets eine Inter­es­sen­ab­wä­gung im Ein­zel­fall. Klein­tie­re (wie Zier­vö­gel oder Zier­fi­sche) sind in der Regel zustim­mungs­frei.
  2. Gesund­heits­schutz und All­er­gien: In Wohn­ge­mein­schaf­ten oder Pfle­ge­hei­men muss die Tier­hal­tung mit den Gesund­heits­an­for­de­run­gen ande­rer Bewoh­ner ver­ein­bar sein. Das Risi­ko­ma­nage­ment muss Aspek­te wie Hygie­ne, Impf­schutz des Tie­res und die Ver­mei­dung von All­er­gie­aus­lö­sern abde­cken.

Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che in Unter­neh­men, die betrieb­li­che Alters­vor­sor­ge oder eige­ne Senio­ren­ein­rich­tun­gen anbie­ten, bedeu­tet dies, kla­re Haus­ord­nun­gen oder Betriebs­ver­ein­ba­run­gen zu schaf­fen. Die­se Regel­wer­ke müs­sen die Vor­tei­le der Mensch-Tier-Bin­dung unter­stüt­zen, gleich­zei­tig aber kon­kre­te Vor­keh­run­gen für den Pfle­ge­auf­wand, die Hygie­ne und das Tier­wohl defi­nie­ren. Nur durch prä­zi­se Rah­men­be­din­gun­gen kann die posi­ti­ve Wir­kung der Tie­re auf die men­ta­le Gesund­heit gesi­chert und Kon­flik­te ver­mie­den wer­den.

Der Bedarf an gut geplan­ten tier­ge­stütz­ten Kon­zep­ten wird ange­sichts der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung wei­ter stei­gen. Die Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, die ethi­sche Ver­ant­wor­tung gegen­über den Tie­ren und die Bedürf­nis­se der älte­ren Men­schen in Ein­klang zu brin­gen.

Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Tierhaltung im Alter

Die posi­ti­ven Effek­te der Mensch-Tier-Bezie­hung erfor­dern kla­re Rah­men­be­din­gun­gen und eine kri­ti­sche Abwä­gung der Risi­ken. Bei älte­ren Men­schen muss sicher­ge­stellt wer­den, dass die Tier­hal­tung das Wohl von Mensch und Tier nicht gefähr­det. Die Ver­ant­wor­tung für ein Tier, ins­be­son­de­re für Hun­de oder Kat­zen, kann schnell zur phy­si­schen oder finan­zi­el­len Über­for­de­rung füh­ren, beson­ders wenn der Seni­or bereits unter kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen lei­det.

Ein zen­tra­ler Aspekt ist das Tier­wohl. Ist der Seni­or phy­sisch noch in der Lage, das Tier adäquat zu ver­sor­gen, zu bewe­gen und ihm die nöti­ge Zuwen­dung zu geben? Kann die Betreu­ung bei Krank­heit oder Hos­pi­ta­li­sie­rung gewähr­leis­tet wer­den? Wenn die unein­ge­schränk­te Hal­tung nicht mehr mög­lich ist, soll­ten Alter­na­ti­ven wie Tier­pa­ten­schaf­ten oder Besuchs­mo­del­le (z. B. durch tier­ge­stütz­te Besuchs­diens­te) geprüft wer­den. Die finan­zi­el­len Belas­tun­gen durch Fut­ter, Pfle­ge und ins­be­son­de­re unvor­her­ge­se­he­ne Tier­arzt­kos­ten stel­len oft eine erheb­li­che Hür­de dar.

Recht­lich sind die Bedin­gun­gen für die Tier­hal­tung im Alter oft kom­plex. Im Miet­recht ist ein gene­rel­les Ver­bot der Tier­hal­tung in Woh­nun­gen durch den Bun­des­ge­richts­hof (BGH, Urteil vom 20.03.2013, Az. VIII ZR 168/12) für unwirk­sam erklärt wor­den. Jedoch sind Rege­lun­gen in Miet­ver­trä­gen, die das Recht der Tier­hal­tung unter Erlaub­nis­vor­be­halt stel­len, zuläs­sig. Ent­schei­dend ist stets die Abwä­gung der Inter­es­sen im Ein­zel­fall und die Rück­sicht­nah­me auf Nach­barn.

In Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und Senio­ren­hei­men müs­sen strik­te Hygie­ne­stan­dards (basie­rend auf Infek­ti­ons­schutz) und das Risi­ko­ma­nage­ment beach­tet wer­den. Dies schließt die Gefahr von Stür­zen, die durch Tie­re aus­ge­löst wer­den kön­nen, sowie die Berück­sich­ti­gung von All­er­gien ande­rer Bewoh­ner und des Per­so­nals ein. Die Inte­gra­ti­on von Tie­ren erfor­dert daher detail­lier­te inter­ne Kon­zep­te. Die­se Kon­zep­te müs­sen sowohl das Wohl­be­fin­den der Senio­ren maxi­mie­ren als auch recht­li­che, hygie­ni­sche und ethi­sche Anfor­de­run­gen hin­sicht­lich des Tier­wohls zuver­läs­sig erfül­len.

Fazit

Die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz belegt die signi­fi­kan­te the­ra­peu­ti­sche Rol­le von Tie­ren im Leben älte­rer Men­schen. Die Mensch-Tier-Bin­dung dient als effek­ti­ver Mecha­nis­mus zur Stress­re­duk­ti­on, zur Min­de­rung von Iso­la­ti­on und zur Stei­ge­rung der all­ge­mei­nen Lebens­qua­li­tät. Die phy­sio­lo­gi­schen Reak­tio­nen – von der Sen­kung des Cor­ti­sol­spie­gels bis zur Aus­schüt­tung von Oxy­to­cin – lie­fern mess­ba­re Bewei­se für die beru­hi­gen­de Wir­kung der Tier­prä­senz.

Für die moder­ne Gesell­schaft und ins­be­son­de­re für das Gesund­heits­we­sen ergibt sich die kla­re Schluss­fol­ge­rung, tier­ge­stütz­te Kon­zep­te struk­tu­rell zu ver­an­kern. Die pro­fes­sio­nel­le Anwen­dung der Tier­ge­stütz­ten Inter­ven­tio­nen (TGI) in Pfle­ge und The­ra­pie muss wei­ter aus­ge­baut, in Cur­ri­cu­la inte­griert und stan­dar­di­siert wer­den. Hier­bei ist die Qua­li­fi­ka­ti­on der Teams (Mensch und Tier) essen­zi­ell.

Auch wenn die pri­va­te Tier­hal­tung im fort­ge­schrit­te­nen Alter nicht immer mög­lich oder rat­sam ist, zeigt der Aus­blick, dass Kon­zep­te wie die tier­ge­stütz­te Akti­vie­rung in der Alten­pfle­ge zur prä­ven­ti­ven Stär­kung der men­ta­len Gesund­heit bei­tra­gen kön­nen. Eine geziel­te Inte­gra­ti­on in das Betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM) von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen kann zudem die Arbeits­zu­frie­den­heit der Beschäf­tig­ten stei­gern, indem sie ein posi­ti­ves und för­dern­des Umfeld schaf­fen. Die posi­ti­ven Effek­te über­wie­gen die logis­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen, vor­aus­ge­setzt, das Tier­wohl und kla­re hygie­ni­sche Richt­li­ni­en wer­den gewähr­leis­tet.

Weiterführende Quellen

EINFLUSS VON TIEREN AUF DIE MENSCHLICHE PHYSIS UND …
https://online.medunigraz.at/mug_online/wbabs.getDocument?pThesisNr=19640&pAutorNr=&pOrgNR=1
Die­se Arbeit the­ma­ti­siert den Ein­fluss von Tie­ren auf die mensch­li­che Gesund­heit und ver­weist auf das wach­sen­de Inter­es­se von Senio­ren an Haus­tie­ren.

Untit­led
https://www.greencare.at/wp-content/uploads/sites/6/2020/06/abschlussbericht_wirkung_nutzen_def.pdf
Die Stu­die unter­such­te Ver­än­de­run­gen von Para­me­tern, die die psy­chi­sche Gesund­heit betref­fen, sowie die posi­ti­ven Effek­te in die­sem Bereich.