OSTPARK Bochum erhält Preis für Grün-Blaue Infrastruktur: Auszeichnung für klimaresilientes Wohnquartier

OSTPARK Bochum erhält Preis für Grün-Blaue Infrastruktur: Auszeichnung für klimaresilientes Wohnquartier

Die Fol­gen des fort­schrei­ten­den Kli­ma­wan­dels stel­len moder­ne Städ­te vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen. Zuneh­men­de Hit­ze­wel­len und Stark­re­gen­er­eig­nis­se erfor­dern ein radi­ka­les Umden­ken in der urba­nen Pla­nung, um die Lebens­qua­li­tät in Bal­lungs­räu­men lang­fris­tig zu sichern. Das Pro­jekt OSTPARK in Bochum zeigt nun weg­wei­send auf, wie kli­ma­re­si­li­en­tes Woh­nen in der Pra­xis erfolg­reich umge­setzt wer­den kann. Auf der Fach­mes­se Infra­Tech 2026 in Essen wur­de das Quar­tier mit dem renom­mier­ten Preis für „Grün-Blaue Infra­struk­tur“ aus­ge­zeich­net. Die­se Ehrung unter­streicht die Bedeu­tung inno­va­ti­ver Kon­zep­te, die Was­ser- und Grün­flä­chen­ma­nage­ment syn­er­ge­tisch ver­knüp­fen. Der OSTPARK gilt damit als bedeu­ten­des Vor­zei­ge­pro­jekt für eine zukunfts­fä­hi­ge Stadt­ent­wick­lung im Ruhr­ge­biet. Der Arti­kel beleuch­tet die tech­ni­schen Inno­va­tio­nen des Pro­jekts, die Bedeu­tung der Schwamm­stadt-Prin­zi­pi­en und geht der zen­tra­len Fra­ge nach: Wie kön­nen der­ar­ti­ge Infra­struk­tu­ren zum flä­chen­de­cken­den Stan­dard im deut­schen Städ­te­bau wer­den, um Städ­te nach­hal­tig gegen Kli­ma­fol­gen zu wapp­nen?

Die Auszeichnung auf der InfraTech 2026: Ein Meilenstein für Bochum

Die Ver­lei­hung des Prei­ses für Grün-Blaue Infra­struk­tur auf der Infra­Tech 2026 mar­kiert einen bedeu­ten­den Erfolg für die Stadt Bochum. Die Fach­mes­se in Essen gilt als einer der wich­tigs­ten Bran­chen­treffs für den Bereich Tief­bau, Stra­ßen­bau und Abwas­ser­wirt­schaft. Dass ein Wohn­bau­pro­jekt wie der OSTPARK hier eine zen­tra­le Aus­zeich­nung erhält, ver­deut­licht den hohen Stel­len­wert tech­ni­scher und öko­lo­gi­scher Inno­va­tio­nen in der moder­nen Infra­struk­tur­pla­nung.

Die Jury begrün­de­te ihre Ent­schei­dung ins­be­son­de­re mit der kon­se­quen­ten Inte­gra­ti­on von Natur und Tech­nik. Der OSTPARK wur­de als her­aus­ra­gen­des Bei­spiel gewür­digt, da er zeigt, dass groß­flä­chi­ger Woh­nungs­bau und öko­lo­gi­sche Ver­ant­wor­tung kei­ne Gegen­sät­ze sein müs­sen. Für die Stadt­ver­wal­tung Bochum stellt die­ser Preis eine Bestä­ti­gung ihrer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie dar, die indus­tri­el­le Ver­gan­gen­heit der Regi­on durch nach­hal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on abzu­lö­sen. Die Aus­zeich­nung hebt das Pro­jekt zudem auf eine natio­na­le Ebe­ne und posi­tio­niert Bochum als Vor­rei­ter für zukunfts­ge­rich­te­te Stadt­ent­wick­lung. In einer Zeit, in der Kom­mu­nen unter dem Druck ste­hen, sowohl Wohn­raum zu schaf­fen als auch Kli­ma­zie­le zu errei­chen, lie­fert der OSTPARK ein pra­xis­taug­li­ches Modell für die Bau­wirt­schaft.

Das Konzept der grün-blauen Infrastruktur im OSTPARK

Das fach­li­che Fun­da­ment des Pro­jekts bil­det die syn­er­ge­ti­sche Ver­knüp­fung von Vege­ta­ti­ons­flä­chen (grün) und Was­ser­ma­nage­ment (blau). Wäh­rend klas­si­sche Stadt­pla­nung die­se Ele­men­te oft iso­liert betrach­tet, setzt der OSTPARK auf ein inte­grier­tes Sys­tem. Die­ses zielt dar­auf ab, das Mikro­kli­ma im Quar­tier aktiv zu regu­lie­ren und gleich­zei­tig die Auf­ent­halts­qua­li­tät für die Bewoh­ner signi­fi­kant zu stei­gern.

Recht­lich stützt sich eine sol­che Pla­nung auf das Bau­ge­setz­buch (BauGB), ins­be­son­de­re auf den Grund­satz der nach­hal­ti­gen städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lung gemäß § 1 Abs. 5 BauGB. Hier­nach sol­len Bau­leit­plä­ne dazu bei­tra­gen, den Kli­ma­schutz und die Kli­ma­an­pas­sung zu för­dern. Die Grün-Blaue Infra­struk­tur im OSTPARK setzt die­se Vor­ga­ben kon­kret um:

  1. Urba­nes Grün: Umfang­rei­che Baum­be­stän­de und Parks die­nen als natür­li­che Schat­ten­spen­der und wir­ken dem Urban Heat Island-Effekt ent­ge­gen. Durch Evapo­tran­spi­ra­ti­on (Ver­duns­tung) wird die Umge­bungs­luft spür­bar gekühlt.
  2. Öko­sys­tem­dienst­leis­tun­gen: Die Flä­chen die­nen nicht nur der Erho­lung, son­dern för­dern die loka­le Bio­di­ver­si­tät und ver­bes­sern die Luft­qua­li­tät.
  3. Was­ser­ele­men­te: Offen geführ­te Was­ser­läu­fe und Rück­hal­te­be­cken sind inte­gra­ler Bestand­teil der Land­schafts­ar­chi­tek­tur. Sie fun­gie­ren als gestal­te­ri­sche Ele­men­te, wäh­rend sie gleich­zei­tig tech­ni­sche Funk­tio­nen über­neh­men.

Die Ver­bin­dung die­ser Kom­po­nen­ten schafft ein resi­li­en­tes Öko­sys­tem, das Belas­tungs­spit­zen durch Hit­ze oder Nie­der­schlag abfe­dert. Damit reagiert die Pla­nung direkt auf die Anfor­de­run­gen moder­ner Kli­ma­an­pas­sungs­stra­te­gien, die eine Abkehr von rein ver­sie­gel­ten Flä­chen for­dern. Das Pro­jekt demons­triert, dass eine hohe Bebau­ungs­dich­te mit hoch­wer­ti­gen Natur­räu­men ver­ein­bar ist, sofern die Infra­struk­tur bereits in der frü­hen Pla­nungs­pha­se ganz­heit­lich gedacht wird.

Schwammstadt-Prinzip und Regenwassermanagement: Technisches Herzstück

Das tech­ni­sche Fun­da­ment des OST­PARKs basiert auf dem kon­se­quen­ten Ein­satz des Schwamm­stadt-Prin­zips. In den Teil­quar­tie­ren Feld­mark und Hav­ken­schei­der Höhe wur­de ein inno­va­ti­ves Regen­was­ser­kon­zept rea­li­siert, das her­kömm­li­che Ent­wäs­se­rungs­sys­te­me ablöst. Anstatt Nie­der­schlags­was­ser unmit­tel­bar in die Kana­li­sa­ti­on abzu­lei­ten, fun­giert das gesam­te Are­al als natür­li­cher Puf­fer. Dies ist eine zen­tra­le Maß­nah­me zur Stark­re­gen­vor­sor­ge, die ange­sichts zuneh­men­der Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se für die urba­ne Sicher­heit uner­läss­lich ist.

In der Feld­mark erfolgt die Ent­wäs­se­rung über ein offe­nes Sys­tem aus Mul­den und Grä­ben, das eine direk­te Ver­si­cke­rung und Ver­duns­tung vor Ort ermög­licht. Die Hav­ken­schei­der Höhe ergänzt die­ses Sys­tem durch geziel­te Rück­hal­te­be­cken, die als Reten­ti­ons­flä­chen die­nen. Die­ses Kas­ka­den­sys­tem ver­hin­dert bei Stark­re­gen die Über­las­tung der städ­ti­schen Infra­struk­tur und schützt angren­zen­de Stadt­tei­le vor Über­flu­tun­gen.

Ein wesent­li­cher Vor­teil die­ses Kon­zepts liegt in der Nutz­bar­ma­chung des Was­sers für Tro­cken­pe­ri­oden. Durch die Spei­che­rung im Boden und in offe­nen Was­ser­flä­chen wird die Grund­was­ser­neu­bil­dung geför­dert und die Vege­ta­ti­on auch bei lang­an­hal­ten­der Hit­ze ohne exter­ne Bewäs­se­rung ver­sorgt. Für die Pla­nung von Gewer­be- und Wohn­ge­bie­ten bedeu­tet dies eine Abkehr von der Voll­ver­sie­ge­lung hin zu einer mul­ti­funk­tio­na­len Flä­chen­nut­zung, die öko­lo­gi­sche Schutz­zie­le mit tech­ni­scher Effi­zi­enz ver­bin­det.

Soziale Relevanz und innovative Mobilität im Wohnquartier

Über die öko­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen hin­aus setzt der OSTPARK neue Maß­stä­be für das sozia­le Mit­ein­an­der und die urba­ne Fort­be­we­gung. Mit rund 1.300 Wohn­ein­hei­ten ent­steht ein durch­misch­tes Quar­tier, das einen hohen Anteil an sozia­lem Woh­nungs­bau inte­griert. Damit adres­siert das Pro­jekt den drin­gen­den Bedarf an bezahl­ba­rem Wohn­raum in Bal­lungs­ge­bie­ten und för­dert eine sta­bi­le sozia­le Struk­tur.

Das Mobi­li­täts­kon­zept des Quar­tiers ist kon­se­quent auf die Redu­zie­rung des moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs aus­ge­rich­tet. Zen­tra­les Ele­ment ist ein leis­tungs­fä­hi­ges Rad­tras­sen­sys­tem, das den OSTPARK direkt an das regio­na­le Rad­we­ge­netz und die Bochu­mer Innen­stadt anbin­det. Dies för­dert nicht nur die Gesund­heit der Bewoh­ner, son­dern trägt auch zur Reduk­ti­on von CO2-Emis­sio­nen und Lärm­be­las­tun­gen bei.

Für Unter­neh­men und Arbeit­ge­ber in der Regi­on bie­tet die­se Infra­struk­tur einen kla­ren Stand­ort­vor­teil: Die attrak­ti­ve Anbin­dung ver­bes­sert die Erreich­bar­keit für Beschäf­tig­te und unter­stützt moder­ne For­men des Pen­delns. Im Hin­blick auf die IGA 2027 wird das Quar­tier zudem als Modell für urba­nes Leben prä­sen­tiert, das zeigt, wie Mobi­li­täts­wen­de und Wohn­qua­li­tät Hand in Hand gehen. Die Ver­knüp­fung von Woh­nen, Arbei­ten und Erho­lung in einem grü­nen Umfeld stei­gert die Attrak­ti­vi­tät des Stand­orts nach­hal­tig und setzt Impul­se für eine moder­ne Per­so­nal­po­li­tik und regio­na­le Mit­ar­bei­ter­bin­dung.

Vorbildfunktion für die klimaresiliente Stadtplanung der Zukunft

Der OSTPARK Bochum über­nimmt eine wesent­li­che Vor­bild­funk­ti­on für die deut­sche Stadt­ent­wick­lung. Das Pro­jekt ver­deut­licht, dass Kli­ma­re­si­li­enz kein optio­na­les Zusatz­merk­mal, son­dern eine Grund­vor­aus­set­zung für zukunfts­fä­hi­ges Bau­en ist. Die erfolg­rei­che Trans­for­ma­ti­on einer ehe­mals land­wirt­schaft­lich und indus­tri­ell gepräg­ten Flä­che in ein hoch­mo­der­nes Wohn­quar­tier dient als Blau­pau­se für Kom­mu­nen bun­des­weit.

Die Bau­wirt­schaft steht vor der Her­aus­for­de­rung, öko­lo­gi­sche Stan­dards wie das DGNB-Zer­ti­fi­kat oder die Anfor­de­run­gen des Kli­ma­an­pas­sungs­ge­set­zes (KAnG) wirt­schaft­lich umzu­set­zen. Der OSTPARK zeigt hier­bei, dass inves­ti­ve Mehr­kos­ten für grü­ne Infra­struk­tu­ren durch lang­fris­ti­ge Ein­spa­run­gen bei der Scha­dens­prä­ven­ti­on (z. B. Hoch­was­ser­schutz) und eine gestei­ger­te Immo­bi­li­en­wert­sta­bi­li­tät kom­pen­siert wer­den.

Für Betriebs­rä­te und Fach­pla­ner lie­fert das Pro­jekt wich­ti­ge Argu­men­te für die Gestal­tung von Betriebs­ge­län­den. Die Inte­gra­ti­on von Kühl­ele­men­ten und Ent­sie­ge­lungs­maß­nah­men ist gemäß § 3 der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (Arb­StättV) auch im Kon­text des Arbeits­schut­zes rele­vant, um die Belas­tung der Beschäf­tig­ten durch som­mer­li­che Hit­ze zu mini­mie­ren. Die Über­trag­bar­keit des Bochu­mer Modells auf ande­re urba­ne Räu­me unter­streicht die Not­wen­dig­keit einer sys­te­mi­schen Pla­nung, die öko­lo­gi­sche, sozia­le und öko­no­mi­sche Nach­hal­tig­keit als Ein­heit betrach­tet. Damit wird der OSTPARK zu einem ent­schei­den­den Trei­ber der Bau­wen­de in Deutsch­land.

Fazit

Der OSTPARK in Bochum mar­kiert einen ent­schei­den­den Wen­de­punkt in der regio­na­len Stadt­ent­wick­lung und fun­giert als maß­geb­li­cher Impuls­ge­ber für die drin­gend not­wen­di­ge Bau­wen­de. Die Aus­zeich­nung auf der Fach­mes­se Infra­Tech 2026 ver­deut­licht, dass die Inte­gra­ti­on von Grün-Blau­er Infra­struk­tur kein optio­na­les Extra, son­dern eine fun­da­men­ta­le Vor­aus­set­zung für die Zukunfts­fä­hig­keit urba­ner Räu­me ist. Durch die erfolg­rei­che Ver­knüp­fung von tech­ni­schem Regen­was­ser­ma­nage­ment und hoher Auf­ent­halts­qua­li­tät wird ein Stan­dard gesetzt, der weit über das Ruhr­ge­biet hin­aus Strahl­kraft besitzt. Mit der geplan­ten Ein­bin­dung in die Inter­na­tio­na­le Gar­ten­aus­stel­lung (IGA) 2027 erhält das Pro­jekt eine zusätz­li­che Büh­ne, um die Poten­zia­le einer kon­se­quen­ten Kli­ma­an­pas­sung einem brei­ten Fach­pu­bli­kum zu prä­sen­tie­ren. Letzt­lich zeigt der OSTPARK, dass öko­lo­gi­sche Resi­li­enz und sozia­le Attrak­ti­vi­tät im moder­nen Woh­nungs­bau untrenn­bar zusam­men­ge­hö­ren.

Weiterführende Quellen