Arbeits­sucht: Wenn Arbeit zur Dro­ge wird

Arbeits­sucht: Wenn Arbeit zur Dro­ge wird

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Die moder­ne Arbeits­welt ist oft geprägt von Leis­tungs­druck und dem Wunsch nach Erfolg. Doch wann wird Enga­ge­ment zur Sucht? Arbeits­sucht, auch Work­aho­lis­mus genannt, ist ein Phä­no­men, bei dem die Arbeit zur zen­tra­len Lebens­do­mä­ne wird und ande­re wich­ti­ge Berei­che ver­nach­läs­sigt wer­den. Die­ser Arti­kel beleuch­tet die Ursa­chen, Sym­pto­me und Fol­gen von Arbeits­sucht und zeigt Wege auf, wie Betrof­fe­ne und ihr Umfeld damit umge­hen kön­nen. Wir wer­fen einen Blick auf die psy­cho­lo­gi­schen Mecha­nis­men, die hin­ter der Sucht ste­cken, und dis­ku­tie­ren Stra­te­gien zur Prä­ven­ti­on und Behand­lung, um Burn­out zu ver­mei­den und den wach­sen­den Leis­tungs­druck zu bewäl­ti­gen.

Was ist Arbeits­sucht? Defi­ni­ti­on und Abgren­zung

Arbeits­sucht, oft auch als Work­aho­lis­mus bezeich­net, ist eine Ver­hal­tens­sucht, bei der sich Betrof­fe­ne zwang­haft der Arbeit wid­men und ande­re Lebens­be­rei­che ver­nach­läs­si­gen. Es han­delt sich um eine stoff­un­ge­bun­de­ne Sucht, die durch ein über­mä­ßi­ges Ver­lan­gen nach Arbeit und eine stän­di­ge Beschäf­ti­gung damit gekenn­zeich­net ist. Im Gegen­satz zu nor­ma­lem Enga­ge­ment oder Fleiß ist Arbeits­sucht durch Kon­troll­ver­lust und nega­ti­ve Kon­se­quen­zen für die Gesund­heit, Bezie­hun­gen und das sozia­le Leben der Betrof­fe­nen gekenn­zeich­net.

Die Abgren­zung von nor­ma­lem Enga­ge­ment ist oft schwie­rig. Ein enga­gier­ter Mit­ar­bei­ter ist moti­viert und leis­tet ger­ne viel, kann aber den­noch abschal­ten und sei­ne Frei­zeit genie­ßen. Ein Work­aho­lic hin­ge­gen erlebt inne­re Unru­he und Schuld­ge­füh­le, wenn er nicht arbei­tet. Er defi­niert sich stark über sei­ne Leis­tung und hat Schwie­rig­kei­ten, Auf­ga­ben zu dele­gie­ren oder Pau­sen ein­zu­le­gen.

Wesent­li­che Merk­ma­le und Kri­te­ri­en zur Erken­nung von Arbeits­sucht sind:

  • Über­mä­ßi­ges Arbei­ten: Deut­lich mehr Stun­den als üblich oder erfor­der­lich.
  • Kon­troll­ver­lust: Unfä­hig­keit, die Arbeits­zeit zu redu­zie­ren oder zu stop­pen.
  • Ver­nach­läs­si­gung ande­rer Lebens­be­rei­che: Bezie­hun­gen, Hob­bys und Gesund­heit lei­den.
  • Psy­chi­sche Sym­pto­me: Angst, Schuld­ge­füh­le, inne­re Unru­he, Erschöp­fung.
  • Nega­ti­ve Kon­se­quen­zen: Gesund­heit­li­che Pro­ble­me, Bezie­hungs­kon­flik­te, sozia­le Iso­la­ti­on.

Es ist wich­tig zu beto­nen, dass Arbeits­sucht nicht ein­fach nur “viel arbei­ten” bedeu­tet. Es geht um eine Zwang­haf­tig­keit und einen Kon­troll­ver­lust, der zu erheb­li­chen Pro­ble­men führt. Eine kla­re Defi­ni­ti­on und Abgren­zung ist ent­schei­dend, um Betrof­fe­nen früh­zei­tig hel­fen zu kön­nen.

(Quel­le: Arbeits­sucht – Wiki­pe­dia)

Ursa­chen von Arbeits­sucht: War­um wird Arbeit zur Dro­ge?

Die Ursa­chen für die Ent­wick­lung von Arbeits­sucht sind viel­fäl­tig und kom­plex. Sie kön­nen in per­sön­li­chen Moti­ven, gesell­schaft­li­chen Erwar­tun­gen und betrieb­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen lie­gen.

Per­sön­li­che Moti­ve:

  • Per­fek­tio­nis­mus: Der Drang, alles per­fekt machen zu wol­len, führt zu einem unauf­hör­li­chen Arbeits­drang.
  • Gerin­ges Selbst­wert­ge­fühl: Arbeit wird als Mit­tel zur Kom­pen­sa­ti­on von Unsi­cher­hei­ten und zur Stei­ge­rung des Selbst­wert­ge­fühls genutzt.
  • Kon­troll­be­dürf­nis: Der Wunsch, alles unter Kon­trol­le zu haben, führt zu einer Über­nah­me von immer mehr Auf­ga­ben.
  • Angst vor Ver­sa­gen: Die Furcht, den Erwar­tun­gen nicht gerecht zu wer­den, treibt zur per­ma­nen­ten Leis­tung an.
  • Sucht­ver­an­la­gung: Eine gene­rel­le Anfäl­lig­keit für Sucht­ver­hal­ten kann auch die Ent­wick­lung von Arbeits­sucht begüns­ti­gen.

Gesell­schaft­li­che Erwar­tun­gen:

  • Leis­tungs­ge­sell­schaft: Der gesell­schaft­li­che Druck, erfolg­reich und leis­tungs­fä­hig zu sein, kann zu einem über­mä­ßi­gen Arbeits­drang füh­ren.
  • Ver­füg­bar­keits­kul­tur: Die stän­di­ge Erreich­bar­keit durch digi­ta­le Medi­en ver­stärkt den Druck, immer und über­all arbei­ten zu müs­sen.
  • Idea­li­sie­rung von Arbeit: Arbeit wird oft als Sinn­stif­ter und Quel­le von Aner­ken­nung dar­ge­stellt.

Betrieb­li­che Rah­men­be­din­gun­gen:

  • Hoher Leis­tungs­druck: Ein star­ker Wett­be­werb und hohe Ziel­vor­ga­ben kön­nen Mit­ar­bei­ter über­for­dern.
  • Schlech­tes Arbeits­kli­ma: Kon­flik­te, feh­len­de Wert­schät­zung und man­geln­de Unter­stüt­zung kön­nen zu Frus­tra­ti­on und Über­las­tung füh­ren.
  • Unkla­re Auf­ga­ben­ver­tei­lung: Wenn Ver­ant­wort­lich­kei­ten nicht klar gere­gelt sind, kann dies zu einem Gefühl der Über­for­de­rung und zu Mehr­ar­beit füh­ren.
  • Feh­len­de Work-Life-Balan­ce: Wenn Unter­neh­men kei­ne Maß­nah­men zur För­de­rung der Work-Life-Balan­ce anbie­ten, kön­nen Mit­ar­bei­ter leich­ter in die Arbeits­sucht abrut­schen.

Die Doku­men­ta­ti­on “Erst tüch­tig, dann süch­tig — Die Dro­ge Arbeit” des BR beleuch­tet die­se Ursa­chen und zeigt, wie Unter­neh­men durch eine gesun­de Arbeits­kul­tur prä­ven­tiv wir­ken kön­nen. Es ist wich­tig zu ver­ste­hen, dass Arbeits­sucht sel­ten eine iso­lier­te Ent­schei­dung des Ein­zel­nen ist, son­dern oft das Ergeb­nis eines Zusam­men­spiels ver­schie­de­ner Fak­to­ren.

Sym­pto­me und Fol­gen von Arbeits­sucht

Arbeits­sucht mani­fes­tiert sich durch eine Viel­zahl von Sym­pto­men, die sich auf kör­per­li­cher, psy­chi­scher und sozia­ler Ebe­ne zei­gen. Die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen betref­fen die Gesund­heit, Bezie­hun­gen und die gesam­te Lebens­qua­li­tät der Betrof­fe­nen.

Kör­per­li­che Sym­pto­me:

  • Erschöp­fung und Müdig­keit: Chro­ni­scher Schlaf­man­gel und stän­di­ge Über­las­tung füh­ren zu anhal­ten­der Müdig­keit und Erschöp­fung.
  • Kör­per­li­che Beschwer­den: Häu­fi­ge Kopf­schmer­zen, Magen-Darm-Pro­ble­me, Mus­kel­ver­span­nun­gen und Rücken­schmer­zen sind typi­sche Begleit­erschei­nun­gen.
  • Herz-Kreis­lauf-Pro­ble­me: Erhöh­ter Blut­druck, Herz­ra­sen und ein erhöh­tes Risi­ko für Herz­in­farkt und Schlag­an­fall kön­nen auf­tre­ten.
  • Geschwäch­tes Immun­sys­tem: Die stän­di­ge Belas­tung schwächt das Immun­sys­tem und macht anfäl­li­ger für Infek­tio­nen.

Psy­chi­sche Sym­pto­me:

  • Inne­re Unru­he und Ner­vo­si­tät: Stän­di­ge Gedan­ken an die Arbeit und die Unfä­hig­keit, abzu­schal­ten, füh­ren zu inne­rer Unru­he und Ner­vo­si­tät.
  • Angst­zu­stän­de und Panik­at­ta­cken: Die Furcht, den Anfor­de­run­gen nicht gerecht zu wer­den oder Feh­ler zu machen, kann zu Angst­zu­stän­den und Panik­at­ta­cken füh­ren.
  • Depres­si­ve Ver­stim­mun­gen: Gefüh­le der Hoff­nungs­lo­sig­keit, Trau­rig­keit und Inter­es­sen­ver­lust kön­nen auf­tre­ten.
  • Burn­out: Lang anhal­ten­de Über­las­tung und Erschöp­fung füh­ren zu einem Zustand emo­tio­na­ler, kör­per­li­cher und geis­ti­ger Erschöp­fung, der als Burn­out bezeich­net wird.
  • Gerin­ges Selbst­wert­ge­fühl: Die Abhän­gig­keit von der Arbeit zur Defi­ni­ti­on des Selbst­wert­ge­fühls führt zu einem Gefühl der Wert­lo­sig­keit, wenn die Leis­tung nach­lässt.

Sozia­le Sym­pto­me:

  • Ver­nach­läs­si­gung von Bezie­hun­gen: Freun­de und Fami­lie wer­den ver­nach­läs­sigt, sozia­le Kon­tak­te redu­ziert.
  • Iso­la­ti­on: Der Rück­zug von sozia­len Akti­vi­tä­ten führt zu Iso­la­ti­on und Ein­sam­keit.
  • Kon­flik­te in Bezie­hun­gen: Der stän­di­ge Fokus auf die Arbeit führt zu Kon­flik­ten mit Part­nern, Fami­lie und Freun­den.
  • Ver­lust von Hob­bys und Inter­es­sen: Akti­vi­tä­ten, die frü­her Freu­de berei­tet haben, wer­den auf­ge­ge­ben.

Die Quel­le “Arbeits­sucht: Wenn Arbeit zur Dro­ge wird” lis­tet psy­chi­sche Fol­gen von Arbeits­sucht auf, wie Erschöp­fung und Burn­out, und unter­streicht die Not­wen­dig­keit, früh­zei­tig gegen­zu­steu­ern.

Dia­gno­se: Wie erkennt man Arbeits­sucht?

Die Dia­gno­se von Arbeits­sucht ist nicht immer ein­fach, da die Gren­zen zu hohem Enga­ge­ment flie­ßend sein kön­nen. Es gibt jedoch bestimm­te Kri­te­ri­en und Instru­men­te, die zur Erken­nung von Arbeits­sucht her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen.

Kri­te­ri­en zur Selbst­dia­gno­se:

  • Arbei­ten Sie deut­lich mehr Stun­den als Ihre Kol­le­gen oder als üblich?
  • Füh­len Sie sich schul­dig oder unru­hig, wenn Sie nicht arbei­ten?
  • Ver­nach­läs­si­gen Sie Ihre Bezie­hun­gen, Hob­bys oder Ihre Gesund­heit auf­grund Ihrer Arbeit?
  • Haben Sie Schwie­rig­kei­ten, abzu­schal­ten und sich zu ent­span­nen?
  • Defi­nie­ren Sie sich stark über Ihre Arbeit und Ihre Leis­tun­gen?
  • Arbei­ten Sie, um nega­ti­ven Gefüh­len wie Angst oder Schuld zu ent­kom­men?
  • Haben Sie das Gefühl, die Kon­trol­le über Ihre Arbeits­zeit ver­lo­ren zu haben?
  • Haben Sie kör­per­li­che oder psy­chi­sche Beschwer­den, die mit Ihrer Arbeit in Zusam­men­hang ste­hen?

Wenn Sie meh­re­re die­ser Fra­gen mit “Ja” beant­wor­ten, könn­te dies ein Hin­weis auf Arbeits­sucht sein.

Dia­gnos­ti­sche Instru­men­te:

  • Work Addic­tion Risk Test (WART): Ein Fra­ge­bo­gen, der das Risi­ko für Arbeits­sucht ein­schätzt.
  • Dutch Work Addic­tion Sca­le (DUWAS): Ein wei­te­res Instru­ment zur Mes­sung von Arbeits­sucht, das sowohl die Arbeits­men­gen als auch die Arbeits­an­triebs­kom­po­nen­te berück­sich­tigt.
  • Beob­ach­tung durch Ange­hö­ri­ge: Part­ner, Fami­lie und Freun­de kön­nen wich­ti­ge Hin­wei­se auf ein pro­ble­ma­ti­sches Arbeits­ver­hal­ten geben.

Hin­wei­se für Ange­hö­ri­ge:

Wenn Sie bei einem Fami­li­en­mit­glied, Freund oder Kol­le­gen Anzei­chen von Arbeits­sucht bemer­ken, ist es wich­tig, das The­ma sen­si­bel anzu­spre­chen. Ach­ten Sie auf fol­gen­de Ver­hal­tens­wei­sen:

  • Stän­di­ge Beschäf­ti­gung mit der Arbeit, auch in der Frei­zeit
  • Ver­nach­läs­si­gung von Bezie­hun­gen und Hob­bys
  • Erschöp­fung und Reiz­bar­keit
  • Leug­nung des Pro­blems
  • Sozia­ler Rück­zug

Bie­ten Sie Ihre Unter­stüt­zung an und ermu­ti­gen Sie die Per­son, pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in Anspruch zu neh­men.

Wege aus der Arbeits­sucht: The­ra­pie und Prä­ven­ti­on

Der Weg aus der Arbeits­sucht erfor­dert oft pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung und eine bewuss­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den zugrun­de lie­gen­den Ursa­chen. Es gibt ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze und Stra­te­gien zur Prä­ven­ti­on, die Betrof­fe­nen hel­fen kön­nen, ein gesün­de­res Ver­hält­nis zur Arbeit zu ent­wi­ckeln.

The­ra­pie­an­sät­ze:

  • Ver­hal­tens­the­ra­pie: Ziel ist es, schäd­li­che Ver­hal­tens­mus­ter zu erken­nen und zu ver­än­dern. Es wer­den Stra­te­gien zur Stress­be­wäl­ti­gung, Zeit­ma­nage­ment und Selbst­für­sor­ge erlernt.
  • Kogni­ti­ve The­ra­pie: Die­se The­ra­pie­form kon­zen­triert sich auf die Ver­än­de­rung nega­ti­ver Denk­mus­ter und Über­zeu­gun­gen, die zur Arbeits­sucht bei­tra­gen.
  • Tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie: Hier wer­den die tie­fer­lie­gen­den Ursa­chen der Sucht erforscht, wie z.B. ein gerin­ges Selbst­wert­ge­fühl oder ein unge­lös­tes Trau­ma.
  • Grup­pen­the­ra­pie: Der Aus­tausch mit ande­ren Betrof­fe­nen kann sehr hilf­reich sein, um sich ver­stan­den zu füh­len und von den Erfah­run­gen ande­rer zu ler­nen.

Stra­te­gien zur Prä­ven­ti­on und Work-Life-Balan­ce:

  • Rea­lis­ti­sche Zie­le set­zen: Ver­mei­den Sie unrea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen an sich selbst und set­zen Sie sich erreich­ba­re Zie­le.
  • Arbeits­zei­ten begren­zen: Legen Sie kla­re Arbeits­zei­ten fest und hal­ten Sie die­se ein.
  • Pau­sen machen: Neh­men Sie sich regel­mä­ßi­ge Pau­sen, um sich zu ent­span­nen und neue Ener­gie zu tan­ken.
  • Auf­ga­ben dele­gie­ren: Ler­nen Sie, Auf­ga­ben abzu­ge­ben und sich nicht zu über­las­ten.
  • Nein sagen ler­nen: Set­zen Sie Gren­zen und sagen Sie “Nein” zu zusätz­li­chen Auf­ga­ben, wenn Sie bereits über­las­tet sind.
  • Acht­sam­keit üben: Ach­ten Sie auf Ihre Bedürf­nis­se und neh­men Sie sich Zeit für sich selbst.
  • Hob­bys pfle­gen: Wid­men Sie sich Akti­vi­tä­ten, die Ihnen Freu­de berei­ten und Ihnen hel­fen, abzu­schal­ten.
  • Sozia­le Kon­tak­te pfle­gen: Ver­brin­gen Sie Zeit mit Freun­den und Fami­lie und bau­en Sie ein unter­stüt­zen­des Netz­werk auf.
  • Stress­be­wäl­ti­gungs­tech­ni­ken: Erler­nen Sie Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie Yoga, Medi­ta­ti­on oder pro­gres­si­ve Mus­kel­ent­span­nung.

Es ist wich­tig zu erken­nen, dass die Über­win­dung von Arbeits­sucht ein Pro­zess ist, der Zeit und Geduld erfor­dert. Mit pro­fes­sio­nel­ler Unter­stüt­zung und den rich­ti­gen Stra­te­gien ist es jedoch mög­lich, ein gesün­de­res und erfüll­te­res Leben zu füh­ren.

Sym­pto­me und Fol­gen von Arbeits­sucht

Die Sym­pto­me von Arbeits­sucht mani­fes­tie­ren sich auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und kön­nen sowohl kör­per­li­che als auch psy­chi­sche und sozia­le Aus­wir­kun­gen haben. Es ist wich­tig, die­se Anzei­chen früh­zei­tig zu erken­nen, um recht­zei­tig gegen­steu­ern zu kön­nen.

Kör­per­li­che Sym­pto­me:

  • Erschöp­fung und Müdig­keit: Chro­ni­sche Müdig­keit, Schlaf­stö­run­gen und ein all­ge­mei­nes Gefühl der Erschöp­fung sind häu­fi­ge Beglei­ter von Arbeits­sucht.
  • Kör­per­li­che Beschwer­den: Kopf­schmer­zen, Magen-Darm-Pro­ble­me, Mus­kel­ver­span­nun­gen und Rücken­schmer­zen kön­nen durch Stress und Über­las­tung ver­ur­sacht wer­den.
  • Geschwäch­tes Immun­sys­tem: Stän­di­ger Stress schwächt das Immun­sys­tem und macht anfäl­li­ger für Infek­tio­nen.
  • Herz-Kreis­lauf-Pro­ble­me: Erhöh­ter Blut­druck, Herz­ra­sen und ein erhöh­tes Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen kön­nen die Fol­ge sein.

Psy­chi­sche Sym­pto­me:

  • Inne­re Unru­he und Ner­vo­si­tät: Betrof­fe­ne füh­len sich inner­lich getrie­ben und kön­nen nur schwer abschal­ten.
  • Angst­zu­stän­de und Depres­sio­nen: Arbeits­sucht kann zu Angst­zu­stän­den, Panik­at­ta­cken und depres­si­ven Ver­stim­mun­gen füh­ren.
  • Schuld­ge­füh­le: Wenn Betrof­fe­ne nicht arbei­ten, quä­len sie Schuld­ge­füh­le und das Gefühl, etwas ver­säumt zu haben.
  • Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten: Die stän­di­ge Über­las­tung kann die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit beein­träch­ti­gen.
  • Burn­out: Lang­fris­ti­ge Arbeits­sucht kann in einem Burn­out mün­den, einem Zustand tie­fer Erschöp­fung und Sinn­ent­lee­rung.

Sozia­le Fol­gen:

  • Bezie­hungs­pro­ble­me: Die Ver­nach­läs­si­gung von Fami­lie und Freun­den führt oft zu Kon­flik­ten und Ent­frem­dung.
  • Sozia­le Iso­la­ti­on: Betrof­fe­ne zie­hen sich zurück und ver­nach­läs­si­gen sozia­le Kon­tak­te.
  • Ver­lust von Hob­bys und Inter­es­sen: Die Arbeit nimmt den gesam­ten Raum ein, sodass kei­ne Zeit mehr für ande­re Akti­vi­tä­ten bleibt.

Die Web­site Arbeit und Gesund­heit bie­tet einen guten Über­blick über die ver­schie­de­nen Sym­pto­me und Fol­gen von Arbeits­sucht.

Dia­gno­se: Wie erkennt man Arbeits­sucht?

Die Dia­gno­se von Arbeits­sucht ist nicht immer ein­fach, da es kei­ne kla­ren, all­ge­mein­gül­ti­gen Kri­te­ri­en gibt. Oft ist es ein Zusam­men­spiel ver­schie­de­ner Fak­to­ren, das auf eine Sucht hin­deu­tet. Es gibt jedoch eini­ge Instru­men­te und Kri­te­ri­en, die bei der Dia­gno­se hel­fen kön­nen.

Dia­gnos­ti­sche Instru­men­te:

  • Work­aho­lism Bat­tery (Work­Bat): Ein Fra­ge­bo­gen, der das Aus­maß der Arbeits­be­ses­sen­heit und des Arbeits­en­ga­ge­ments misst.
  • Dutch Work Addic­tion Sca­le (DUWAS): Ein wei­te­res Instru­ment zur Erfas­sung von Arbeits­sucht, das die Dimen­sio­nen “exzes­si­ves Arbei­ten” und “zwang­haf­tes Arbei­ten” berück­sich­tigt.
  • Selbst­tests: Online gibt es ver­schie­de­ne Selbst­tests, die eine ers­te Ein­schät­zung ermög­li­chen kön­nen. Die­se Tests sind jedoch nicht als allei­ni­ge Grund­la­ge für eine Dia­gno­se geeig­net.

Kri­te­ri­en zur Selbst­dia­gno­se:

  • Arbei­ten Sie deut­lich mehr als die übli­che Arbeits­zeit?
  • Füh­len Sie sich gezwun­gen zu arbei­ten, auch wenn Sie krank oder erschöpft sind?
  • Ver­nach­läs­si­gen Sie Ihre Fami­lie, Freun­de und Hob­bys auf­grund der Arbeit?
  • Haben Sie Schuld­ge­füh­le, wenn Sie nicht arbei­ten?
  • Benut­zen Sie Arbeit, um vor Pro­ble­men oder nega­ti­ven Gefüh­len zu flie­hen?
  • Haben Sie bereits nega­ti­ve Kon­se­quen­zen auf­grund Ihrer Arbeit erlebt (z.B. gesund­heit­li­che Pro­ble­me, Bezie­hungs­kon­flik­te)?

Wenn Sie meh­re­re die­ser Fra­gen mit “Ja” beant­wor­ten, könn­te dies ein Hin­weis auf Arbeits­sucht sein. Es ist rat­sam, sich pro­fes­sio­nel­le Hil­fe zu suchen, um eine fun­dier­te Dia­gno­se zu erhal­ten.

Hin­wei­se für Ange­hö­ri­ge:

Ange­hö­ri­ge spie­len eine wich­ti­ge Rol­le bei der Erken­nung von Arbeits­sucht. Ach­ten Sie auf fol­gen­de Anzei­chen bei Ihrem Part­ner, Fami­li­en­mit­glied oder Freund:

  • Stän­di­ge Beschäf­ti­gung mit der Arbeit, auch in der Frei­zeit.
  • Ver­nach­läs­si­gung von gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten und Ver­pflich­tun­gen.
  • Reiz­bar­keit und Aggres­si­vi­tät, wenn die Arbeit unter­bro­chen wird.
  • Rück­zug von sozia­len Kon­tak­ten.
  • Gesund­heit­li­che Pro­ble­me, die mit Stress in Ver­bin­dung ste­hen könn­ten.

Spre­chen Sie Ihre Beden­ken offen an und bie­ten Sie Ihre Unter­stüt­zung an. Moti­vie­ren Sie den Betrof­fe­nen, pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in Anspruch zu neh­men.

Wege aus der Arbeits­sucht: The­ra­pie und Prä­ven­ti­on

Arbeits­sucht ist eine ernst­zu­neh­men­de Sucht­er­kran­kung, die pro­fes­sio­nel­le Hil­fe erfor­dert. Es gibt ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze, die Betrof­fe­nen hel­fen kön­nen, ihr Arbeits­ver­hal­ten zu ver­än­dern und ein gesün­de­res Leben zu füh­ren.

The­ra­pie­an­sät­ze:

  • Ver­hal­tens­the­ra­pie: Ziel ist es, das zwang­haf­te Arbeits­ver­hal­ten zu erken­nen und zu ver­än­dern. Betrof­fe­ne ler­nen, ihre Arbeits­zeit zu redu­zie­ren, Auf­ga­ben zu dele­gie­ren und Pau­sen ein­zu­le­gen.
  • Kogni­ti­ve The­ra­pie: Hier wer­den die nega­ti­ven Gedan­ken und Über­zeu­gun­gen hin­ter der Arbeits­sucht hin­ter­fragt und ver­än­dert. Betrof­fe­ne ler­nen, sich nicht mehr über ihre Leis­tung zu defi­nie­ren und ihren Selbst­wert unab­hän­gig von der Arbeit zu stär­ken.
  • Tie­fen­psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie: Die­se The­ra­pie­form unter­sucht die unbe­wuss­ten Moti­ve und Kon­flik­te, die zur Ent­wick­lung der Arbeits­sucht bei­getra­gen haben.
  • Grup­pen­the­ra­pie: Der Aus­tausch mit ande­ren Betrof­fe­nen kann sehr hilf­reich sein. In der Grup­pe kön­nen Erfah­run­gen geteilt, Unter­stüt­zung gefun­den und neue Stra­te­gien erlernt wer­den.

Tipps zur Prä­ven­ti­on:

  • Work-Life-Balan­ce: Ach­ten Sie auf ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen Arbeit und Frei­zeit. Pla­nen Sie fes­te Zei­ten für Fami­lie, Freun­de, Hob­bys und Ent­span­nung ein.
  • Stress­be­wäl­ti­gung: Erler­nen Sie Ent­span­nungs­tech­ni­ken wie Yoga, Medi­ta­ti­on oder pro­gres­si­ve Mus­kel­ent­span­nung.
  • Selbst­für­sor­ge: Neh­men Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Din­ge, die Ihnen gut­tun. Ach­ten Sie auf eine gesun­de Ernäh­rung und aus­rei­chend Schlaf.
  • Gren­zen set­zen: Ler­nen Sie, “Nein” zu sagen und Auf­ga­ben zu dele­gie­ren.
  • Pro­fes­sio­nel­le Hil­fe: Scheu­en Sie sich nicht, pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in Anspruch zu neh­men, wenn Sie mer­ken, dass Sie die Kon­trol­le über Ihr Arbeits­ver­hal­ten ver­lie­ren.

Die Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) bie­tet Infor­ma­tio­nen und Bera­tung zum The­ma Stress und psy­chi­sche Belas­tung am Arbeits­platz.

Arbeits­sucht im Unter­neh­men: Ver­ant­wor­tung der Arbeit­ge­ber

Auch Arbeit­ge­ber tra­gen eine Ver­ant­wor­tung bei der Ent­ste­hung und Bekämp­fung von Arbeits­sucht. Durch eine gesun­de Arbeits­kul­tur und geziel­te Maß­nah­men kön­nen sie dazu bei­tra­gen, dass Mit­ar­bei­ter nicht in die Sucht abrut­schen.

Maß­nah­men zur För­de­rung einer gesun­den Arbeits­kul­tur:

  • Offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on: För­dern Sie eine offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on über Stress und Belas­tung am Arbeits­platz.
  • Kla­re Auf­ga­ben­ver­tei­lung: Stel­len Sie sicher, dass Ver­ant­wort­lich­kei­ten klar gere­gelt sind und Mit­ar­bei­ter nicht über­for­dert wer­den.
  • Fle­xi­ble Arbeits­zei­ten: Bie­ten Sie fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­del­le an, die es Mit­ar­bei­tern ermög­li­chen, ihre Arbeit bes­ser mit ihrem Pri­vat­le­ben zu ver­ein­ba­ren.
  • Unter­stüt­zung bei der Work-Life-Balan­ce: Bie­ten Sie Pro­gram­me zur För­de­rung der Work-Life-Balan­ce an, wie z.B. Kin­der­be­treu­ung, Sport­an­ge­bo­te oder Bera­tungs­leis­tun­gen.
  • Schu­lun­gen und Semi­na­re: Bie­ten Sie Schu­lun­gen und Semi­na­re zum The­ma Stress­be­wäl­ti­gung und Selbst­für­sor­ge an.
  • Füh­rungs­kräf­te-Schu­lun­gen: Schu­len Sie Füh­rungs­kräf­te dar­in, Anzei­chen von Arbeits­sucht bei ihren Mit­ar­bei­tern zu erken­nen und früh­zei­tig zu inter­ve­nie­ren.

Unter­stüt­zung von Mit­ar­bei­tern:

  • Bera­tungs­an­ge­bo­te: Bie­ten Sie Mit­ar­bei­tern anony­me Bera­tungs­an­ge­bo­te an, bei denen sie sich über ihre Pro­ble­me aus­tau­schen kön­nen.
  • Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment: Inte­grie­ren Sie das The­ma Arbeits­sucht in das betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment.
  • Gesprä­che mit Betrof­fe­nen: Suchen Sie das Gespräch mit Mit­ar­bei­tern, bei denen Sie Anzei­chen von Arbeits­sucht bemer­ken. Bie­ten Sie Ihre Unter­stüt­zung an und ver­mit­teln Sie pro­fes­sio­nel­le Hil­fe.

Fazit

Arbeits­sucht ist ein kom­ple­xes Pro­blem, das sowohl indi­vi­du­el­le als auch gesell­schaft­li­che Ursa­chen hat. Es ist wich­tig, die Sym­pto­me früh­zei­tig zu erken­nen und pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in Anspruch zu neh­men. Arbeit­ge­ber tra­gen eine Ver­ant­wor­tung, eine gesun­de Arbeits­kul­tur zu för­dern und ihre Mit­ar­bei­ter zu unter­stüt­zen. Nur so kann es gelin­gen, Arbeits­sucht vor­zu­beu­gen und Betrof­fe­nen zu hel­fen, ein erfüll­tes und gesun­des Leben zu füh­ren. Die Balan­ce zwi­schen Enga­ge­ment und Selbst­auf­ga­be ist der Schlüs­sel.

Wei­ter­füh­ren­de Quel­len