Neue Personalverordnung für Kitas in NRW 2025: Alle Änderungen und Qualifikationen im Überblick

Neue Personalverordnung für Kitas in NRW 2025: Alle Änderungen und Qualifikationen im Überblick

Der ekla­tan­te Fach­kräf­te­man­gel in der früh­kind­li­chen Bil­dung hat den Gesetz­ge­ber in Nord­rhein-West­fa­len zu einer grund­le­gen­den Neu­aus­rich­tung der Per­so­nal­struk­tur in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen bewo­gen. Mit der neu­en Per­so­nal­ver­ord­nung (Pers­VO), die Ende 2024 in Kraft trat und deren Aus­wir­kun­gen die Pra­xis im Jahr 2025 maß­geb­lich bestim­men, ver­folgt das Land das Ziel, das Sys­tem durch mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Teams zu sta­bi­li­sie­ren und die Trä­ger bei der Per­so­nal­ak­qui­se zu ent­las­ten. Doch wäh­rend das Minis­te­ri­um für Kin­der, Jugend, Fami­lie, Gleich­stel­lung, Flucht und Inte­gra­ti­on (MKJFGFI) von Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung und Fle­xi­bi­li­tät spricht, war­nen Gewerk­schaf­ten vor einer dro­hen­den Depro­fes­sio­na­li­sie­rung und einer stei­gen­den Belas­tung für das Stamm­per­so­nal. Die­ser Arti­kel ana­ly­siert die zen­tra­len Neu­re­ge­lun­gen, defi­niert die geän­der­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen und beleuch­tet die kri­ti­schen Stim­men aus der Pra­xis. Ziel ist es, Betriebs­rä­ten und Trä­gern eine fun­dier­te Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Umset­zung der Per­so­nal­ver­ord­nung NRW 2025 zu bie­ten und die Fra­ge zu klä­ren, ob die Reform die erhoff­te Ent­las­tung bringt.

Die Kernelemente der Personalverordnung NRW 2025

Die recht­li­che Grund­la­ge für die per­so­nel­le Aus­stat­tung von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen in Nord­rhein-West­fa­len bil­det das Kin­der­bil­dungs­ge­setz (KiBiz) in Ver­bin­dung mit der dar­auf basie­ren­den Per­so­nal­ver­ord­nung (Pers­VO). Ange­sichts der pre­kä­ren Per­so­nal­si­tua­ti­on war eine Über­ar­bei­tung unum­gäng­lich, um den Betrieb vie­ler Ein­rich­tun­gen über­haupt auf­recht­zu­er­hal­ten. Das vor­ran­gi­ge Ziel der Reform ist die Sta­bi­li­sie­rung des Kita-Sys­tems durch eine Aus­wei­tung des Per­so­nal­pools.

Ein wesent­li­cher Aspekt der Neu­re­ge­lung ist der Abbau büro­kra­ti­scher Hür­den bei der Per­so­nal­ein­stel­lung. Die Trä­ger erhal­ten mehr Eigen­ver­ant­wor­tung bei der Prü­fung der Qua­li­fi­ka­tio­nen, was die Pro­zes­se beschleu­ni­gen soll. Laut Minis­te­ri­um für Kin­der, Jugend, Fami­lie, Gleich­stel­lung, Flucht und Inte­gra­ti­on (MKJFGFI NRW) wur­de die Ver­ord­nung in enger Abstim­mung mit den Spit­zen­ver­bän­den der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den erar­bei­tet.

Die Reform setzt auf eine höhe­re Fle­xi­bi­li­tät im Per­so­nal­ein­satz, um Schlie­ßun­gen von Grup­pen auf­grund von Per­so­nal­un­ter­schrei­tun­gen zu ver­mei­den. Damit ein­her geht eine Ver­schie­bung der Ver­ant­wort­lich­keit: Wäh­rend frü­her Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren durch das Lan­des­ju­gend­amt domi­nier­ten, liegt die Ent­schei­dung über die Eig­nung bestimm­ter Pro­fi­le nun ver­stärkt in der Hand der Trä­ger. Für Betriebs­rä­te bedeu­tet dies eine ver­stärk­te Wach­sam­keit bei der Mit­be­stim­mung nach § 99 BetrVG (Ein­grup­pie­rung und Ein­stel­lung), da die neu­en Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fi­le kor­rekt bewer­tet wer­den müs­sen.

Erweiterte Qualifikationen: Wer darf als Fachkraft arbeiten?

Eine der signi­fi­kan­tes­ten Ände­run­gen betrifft die Defi­ni­ti­on und Aner­ken­nung von Fach­kraft­stun­den. Um dem Man­gel an staat­lich aner­kann­ten Erzie­hern ent­ge­gen­zu­wir­ken, hat das Land NRW den Zugang für alter­na­ti­ve Berufs­grup­pen und Quer­ein­stei­ger mas­siv erwei­tert.

Seit Dezem­ber 2024 regelt das KiTa-Por­tal NRW detail­liert, wel­che Qua­li­fi­ka­tio­nen für den Per­so­nal­schlüs­sel anre­chen­bar sind. Hier­bei wird strikt zwi­schen Fach­kräf­ten und Ergän­zungs­kräf­ten unter­schie­den:

  1. Erwei­ter­te Fach­kraft-Defi­ni­ti­on: Neben den klas­si­schen Abschlüs­sen (z. B. staat­lich aner­kann­te Erzie­her, Heil­päd­ago­gen oder Absol­ven­ten ein­schlä­gi­ger päd­ago­gi­scher Stu­di­en­gän­ge) kön­nen nun auch Per­so­nen mit aus­län­di­schen Berufs­ab­schlüs­sen schnel­ler inte­griert wer­den. Sofern eine grund­sätz­li­che päd­ago­gi­sche Qua­li­fi­ka­ti­on vor­liegt, ist der Ein­satz als Fach­kraft unter bestimm­ten Auf­la­gen bereits wäh­rend des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens mög­lich.
  2. Die 160-Stun­den-Qua­li­fi­zie­rung: Per­so­nen mit einer päd­ago­gi­schen Basis­kom­pe­tenz – etwa Absol­ven­ten von Stu­di­en­gän­gen mit päd­ago­gi­schen Antei­len oder ver­wand­ten Berufs­fel­dern – kön­nen durch eine nach­ge­wie­se­ne Nach­qua­li­fi­zie­rung von min­des­tens 160 Stun­den als Fach­kraft aner­kannt wer­den. Dies gilt auch für Ergän­zungs­kräf­te, die über lang­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung ver­fü­gen und sich ent­spre­chend wei­ter­bil­den.
  3. Ein­satz von Ergän­zungs­kräf­ten: Der Spiel­raum für den Ein­satz von Ergän­zungs­kräf­ten wur­de ver­grö­ßert. So kön­nen nun ver­mehrt Per­so­nen mit einer abge­schlos­se­nen Aus­bil­dung als Kin­der­pfle­ger oder Sozi­al­as­sis­ten­ten in den Grup­pen ein­ge­setzt wer­den, um die Fach­kräf­te bei der täg­li­chen Arbeit zu unter­stüt­zen.

Ein detail­lier­ter FAQ-Kata­log des LVR stellt klar, dass der Ein­satz die­ser Pro­fi­le immer im Kon­text der Gesamt­ver­ant­wor­tung der Fach­kräf­te ste­hen muss. In der Pra­xis bedeu­tet dies: Eine Grup­pe darf nicht aus­schließ­lich mit Ergän­zungs­kräf­ten oder Quer­ein­stei­gern besetzt sein; die päd­ago­gi­sche Lei­tung und Pla­nung muss in der Hand einer voll­qua­li­fi­zier­ten Fach­kraft ver­blei­ben.

Die­se Öff­nung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­we­ge birgt Chan­cen für eine schnel­le­re Beset­zung offe­ner Stel­len, stellt jedoch gleich­zei­tig hohe Anfor­de­run­gen an die Ein­ar­bei­tungs­kon­zep­te und die Qua­li­täts­si­che­rung inner­halb der Ein­rich­tun­gen. Der Fokus rückt damit weg von rein for­ma­len Abschlüs­sen hin zu einer kom­pe­tenz­ori­en­tier­ten Per­so­nal­ent­wick­lung.

Multiprofessionelle Teams als Antwort auf den Fachkräftemangel

Die Per­so­nal­ver­ord­nung (Pers­VO) NRW 2025 eta­bliert das Kon­zept der mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams als zen­tra­les Instru­ment gegen den Per­so­nal­not­stand. Durch die Öff­nung für fach­frem­de Berufs­grup­pen kön­nen Trä­ger nun Per­so­nen in den Per­so­nal­schlüs­sel inte­grie­ren, die über wert­vol­le Kom­pe­ten­zen aus angren­zen­den Fach­be­rei­chen ver­fü­gen. Hier­zu zäh­len ins­be­son­de­re Heil­päd­ago­gen, The­ra­peu­ten (Logo­pä­die, Ergo­the­ra­pie, Phy­sio­the­ra­pie) sowie Gesund­heits- und Kin­der­kran­ken­pfle­ger.

Der Ein­satz die­ser Pro­fi­le zielt dar­auf ab, die päd­ago­gi­sche Arbeit durch spe­zi­fi­sches Fach­wis­sen zu berei­chern, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Inklu­si­on und die För­de­rung von Kin­dern mit beson­de­rem Unter­stüt­zungs­be­darf. Recht­li­che Vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung als Ergän­zungs­kraft ist in der Regel eine päd­ago­gi­sche Basis­qua­li­fi­zie­rung von min­des­tens 160 Stun­den, sofern nicht bereits eine ein­schlä­gi­ge Vor­bil­dung vor­liegt.

Für die Team­struk­tur bedeu­tet dies einen erheb­li­chen Wan­del. Wäh­rend frü­her der Fokus fast aus­schließ­lich auf staat­lich aner­kann­ten Erzie­hern lag, rückt nun der Per­so­nal­mix in den Vor­der­grund. Für Betriebs­rä­te ergibt sich hier ein wich­ti­ges Mit­be­stim­mungs­feld bei der Gestal­tung von Ein­ar­bei­tungs­kon­zep­ten. Die Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, die unter­schied­li­chen Fach­lo­gi­ken so zu ver­zah­nen, dass der päd­ago­gi­sche All­tag sta­bil bleibt und die neu­en Team­mit­glie­der ihre spe­zi­fi­schen Stär­ken ein­brin­gen kön­nen, ohne die Kern­auf­ga­ben der früh­kind­li­chen Bil­dung zu ver­nach­läs­si­gen.

Kritische Perspektive: Belastungsproben und Qualitätsfragen

Trotz der ange­streb­ten Fle­xi­bi­li­sie­rung stößt die Reform auf deut­li­che Kri­tik sei­tens der Fach­ver­bän­de und Gewerk­schaf­ten. Die GEW NRW warnt ein­dring­lich vor einer schlei­chen­den Depro­fes­sio­na­li­sie­rung der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung. Die Befürch­tung: Durch die ver­stärk­te Inte­gra­ti­on von Per­so­nal mit gerin­ge­ren päd­ago­gi­schen Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­tei­len sinkt das all­ge­mei­ne Niveau der päd­ago­gi­schen Arbeit.

Ein zen­tra­les Pro­blem stellt die zusätz­li­che Arbeits­be­las­tung für das päd­ago­gi­sche Stamm­per­so­nal dar. Staat­lich aner­kann­te Fach­kräf­te müs­sen ver­mehrt Anlei­tungs­tä­tig­kei­ten und die fach­li­che Ver­ant­wor­tung für fach­frem­de Kol­le­gen über­neh­men. Die­se Men­to­ren­funk­ti­on ist im aktu­el­len Per­so­nal­schlüs­sel nach dem Kin­der­bil­dungs­ge­setz (KiBiz) zeit­lich oft nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt. Wenn erfah­re­ne Kräf­te einen Groß­teil ihrer Arbeits­zeit in die Qua­li­fi­zie­rung und Kon­trol­le von Quer­ein­stei­gern inves­tie­ren müs­sen, bleibt weni­ger Zeit für die direk­te Arbeit am Kind und die päd­ago­gi­sche Doku­men­ta­ti­on.

Kri­ti­ker sehen zudem das Risi­ko einer Abwärts­spi­ra­le: Steigt die Belas­tung für die ver­blei­ben­den Fach­kräf­te wei­ter an, dro­hen ver­mehrt Burn-out-beding­te Aus­fäl­le oder die Abwan­de­rung in ande­re Berufs­fel­der. Die Betreu­ungs­qua­li­tät wird damit zum kri­ti­schen Fak­tor. Wäh­rend die Poli­tik die quan­ti­ta­ti­ve Siche­rung der Betreu­ungs­plät­ze prio­ri­siert, for­dern Prak­ti­ker, dass die struk­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen – wie Vor- und Nach­be­rei­tungs­zei­ten sowie Frei­stel­lun­gen für Lei­tungs­auf­ga­ben – zwin­gend an die neue Per­so­nal­zu­sam­men­set­zung ange­passt wer­den müs­sen.

Fazit: Die Kita-Landschaft im Umbruch

Die Per­so­nal­ver­ord­nung NRW 2025 mar­kiert eine Zäsur in der Per­so­nal­po­li­tik früh­kind­li­cher Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Sie bie­tet Trä­gern die not­wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät, um auf den dras­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel zu reagie­ren und den Betrieb der Ein­rich­tun­gen kurz­fris­tig sicher­zu­stel­len. Die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se und die Öff­nung für mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Pro­fi­le sind not­wen­di­ge Schrit­te in einer diver­si­fi­zier­ten Arbeits­welt.

Den­noch bleibt die Reform ein zwei­schnei­di­ges Schwert. Der Erfolg der neu­en Pers­VO hängt maß­geb­lich davon ab, ob es gelingt, die Fach­kräf­te durch attrak­ti­ve Arbeits­be­din­gun­gen im Sys­tem zu hal­ten. Für die stra­te­gi­sche Per­so­nal­pla­nung bedeu­tet dies: Trä­ger und Betriebs­rä­te müs­sen gemein­sam Kon­zep­te ent­wi­ckeln, die über die rei­ne Stel­len­be­set­zung hin­aus­ge­hen. Inves­ti­tio­nen in Fort­bil­dung, Team­buil­ding und kla­re Ver­ant­wor­tungs­struk­tu­ren inner­halb der mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams sind essen­zi­ell, um die Qua­li­täts­stan­dards lang­fris­tig zu sichern.

Abschlie­ßend lässt sich fest­hal­ten, dass die Ver­ord­nung die Sym­pto­me des Fach­kräf­te­man­gels lin­dern kann, die tie­fer­lie­gen­den struk­tu­rel­len Pro­ble­me jedoch bestehen blei­ben. Die Kita-Land­schaft befin­det sich in einem Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess, der eine kon­ti­nu­ier­li­che Eva­lu­ie­rung der Arbeits­be­las­tung und der päd­ago­gi­schen Ergeb­nis­se erfor­dert. Nur wenn die Ent­las­tung auch tat­säch­lich bei den Beschäf­tig­ten ankommt, kann die Reform zur lang­fris­ti­gen Sta­bi­li­sie­rung der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung in Nord­rhein-West­fa­len bei­tra­gen.

Weiterführende Quellen