Reemtsma Langenhagen: Werksschließung bedroht 640 Jobs und erschüttert regionale Wirtschaft

Reemtsma Langenhagen: Werksschließung bedroht 640 Jobs und erschüttert regionale Wirtschaft

Die Nach­richt über die geplan­te Schlie­ßung des Reemts­ma-Werks in Lan­gen­ha­gen hat am 1. Okto­ber 2025 die Regi­on Han­no­ver erschüt­tert und die Zukunft von 640 Mit­ar­bei­ten­den in Unge­wiss­heit gestürzt. Impe­ri­al Brands, der bri­ti­sche Mut­ter­kon­zern von Reemts­ma, beab­sich­tigt, die Ziga­ret­ten­pro­duk­ti­on an die­sem tra­di­ti­ons­rei­chen Stand­ort ein­zu­stel­len. Die Optio­nen rei­chen von einem Ver­kauf des Werks bis hin zur voll­stän­di­gen Schlie­ßung, was weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für die Beleg­schaft und die regio­na­le Wirt­schaft in Nie­der­sach­sen nach sich zie­hen wür­de.

Gründe für die geplante Werksschließung

Die Ent­schei­dung von Impe­ri­al Brands ist viel­schich­tig und wird mit hohen Pro­duk­ti­ons­kos­ten und einer unzu­rei­chen­den Aus­las­tung des Lan­gen­ha­ge­ner Stand­orts begrün­det. Rémi Guil­lon, Direc­tor Sup­p­ly Chain Euro­pe von Impe­ri­al Brands und Mit­glied des Reemts­ma-Vor­stands, bezeich­ne­te die Ent­schei­dung als „alter­na­tiv­los“ und ver­wies auf lang­fris­tig rück­läu­fi­ge Pro­duk­ti­ons­men­gen im klas­si­schen Tabak­seg­ment sowie her­aus­for­dern­de regu­la­to­ri­sche Hür­den.

Die­se Maß­nah­me ist Teil einer umfas­sen­den stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung und Über­prü­fung des glo­ba­len Fer­ti­gungs­netz­werks von Impe­ri­al Brands, die bis 2030 abge­schlos­sen sein soll, um die Effi­zi­enz zu stei­gern und die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten an die aktu­el­len Markt­an­for­de­run­gen anzu­pas­sen. Dies zeigt einen bran­chen­wei­ten Trend zur Kon­so­li­die­rung, bei dem Tabak­kon­zer­ne zuneh­mend auf effi­zi­en­te­re und kos­ten­güns­ti­ge­re Pro­duk­ti­ons­stand­or­te set­zen.

Ein Blick auf frühere Umstrukturierungen

Es ist nicht das ers­te Mal, dass der Stand­ort Lan­gen­ha­gen von Stel­len­strei­chun­gen betrof­fen ist. Bereits zwi­schen 2018 und 2019 wur­den 159 Arbeits­plät­ze abge­baut, eine Reak­ti­on auf die neue EU-Regu­lie­rung „Track&Trace“ zur Ein­däm­mung des Ziga­ret­ten­schmug­gels. Im Jahr 2021 folg­ten wei­te­re Plä­ne zum Abbau von 250 Stel­len in Ham­burg und Lan­gen­ha­gen, bedingt durch den all­ge­mei­nen Rück­gang des Tabak­kon­sums. Die­se kon­ti­nu­ier­li­chen Anpas­sun­gen ver­deut­li­chen den struk­tu­rel­len Wan­del und den Druck, unter dem die Tabak­in­dus­trie seit Jah­ren steht.

Soziale und wirtschaftliche Folgen für Langenhagen und Niedersachsen

Die unmit­tel­bar betrof­fe­nen 640 Mit­ar­bei­ter ste­hen vor einer exis­ten­zi­el­len Bedro­hung. Vie­le von ihnen haben einen Groß­teil ihres Berufs­le­bens bei Reemts­ma ver­bracht, teil­wei­se arbei­ten gan­ze Fami­li­en­ge­ne­ra­tio­nen in dem Werk. Der Ver­lust die­ser Arbeits­plät­ze wür­de nicht nur indi­vi­du­el­le Schick­sa­le prä­gen, son­dern auch erheb­li­che sozia­le Fol­gen für die betrof­fe­nen Fami­li­en und die Gemein­schaft in Lan­gen­ha­gen haben. Älte­re Mit­ar­bei­ter befürch­ten beson­ders, nach einer Ent­las­sung kei­ne neue Anstel­lung mehr zu fin­den.

Für die regio­na­le Wirt­schaft Lan­gen­ha­gens könn­te die Schlie­ßung des Reemts­ma-Werks weit­rei­chen­de nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen haben. Reemts­ma war nicht nur ein bedeu­ten­der Arbeit­ge­ber, son­dern auch ein wich­ti­ger Gewer­be­steu­er­zah­ler für die Stadt. Ein Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit und ein Rück­gang der Kauf­kraft in der Regi­on wären mög­li­che direk­te Kon­se­quen­zen. Die Wirt­schafts­för­de­rung in Lan­gen­ha­gen hat­te in der Ver­gan­gen­heit die Siche­rung des Reemts­ma-Stand­orts als „immens wich­tig“ für die Stadt bezeich­net.

Die Rolle der Gewerkschaft NGG

Die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) hat sich mit Nach­druck gegen die Schlie­ßungs­plä­ne aus­ge­spro­chen und schar­fe Kri­tik am Vor­ge­hen von Impe­ri­al Brands geäu­ßert. Lena Lan­ge, Geschäfts­füh­re­rin der NGG in der Regi­on Han­no­ver, kün­dig­te an, dass die Gewerk­schaft nicht zulas­sen wer­de, dass der tra­di­ti­ons­rei­che Stand­ort ein­fach abge­wi­ckelt wird. Die NGG for­dert von Impe­ri­al Brands die Ent­wick­lung einer trag­fä­hi­gen Zukunfts­per­spek­ti­ve für die Beschäf­tig­ten, die deren Exis­tenz sichert.

Die Gewerk­schaft steht in engem Aus­tausch mit dem Betriebs­rat und dem Gesamt­be­triebs­rat, um die anste­hen­den Ver­hand­lun­gen zu beglei­ten und „Sei­te an Sei­te mit der Beleg­schaft für den Erhalt von Arbeits­plät­zen und Per­spek­ti­ven zu kämp­fen“. Finn Peter­sen, Lan­des­be­zirks­vor­sit­zen­der der NGG, zeig­te sich über­rascht von der Kom­plett­schlie­ßung und wies dar­auf hin, dass Impe­ri­al Brands offen­bar eine Ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on ins Aus­land plant. Dies bedeu­tet, dass für vie­le Mit­ar­bei­ter anschei­nend kei­ne Zukunft in dem Unter­neh­men besteht.

Zukunft der Mitarbeiter und des Standorts

Impe­ri­al Brands hat ange­kün­digt, den Pro­zess für die 640 betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ten­den „so fair und trans­pa­rent wie mög­lich“ zu gestal­ten. Gesprä­che mit dem Betriebs­rat sol­len zeit­nah begin­nen, um über das wei­te­re Vor­ge­hen zu bera­ten und inner­halb der nächs­ten Mona­te zum Abschluss zu kom­men. Doch selbst im Fal­le eines Ver­kaufs des Stand­orts ist es nach Ein­schät­zung der NGG unwahr­schein­lich, dass alle Arbeits­plät­ze erhal­ten blei­ben kön­nen.

Das Reemts­ma-Werk in Lan­gen­ha­gen, das seit 1971 in Betrieb ist und neben klas­si­schen Ziga­ret­ten auch Fein­schnitt­ta­bak sowie Tabak­sticks für Tabak­er­hit­zer pro­du­ziert, war einst einer der wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­stand­or­te von Impe­ri­al Brands welt­weit. Sein dro­hen­des Ende sym­bo­li­siert einen tief­grei­fen­den Wan­del in der Tabak­in­dus­trie und stellt eine immense Her­aus­for­de­rung für die Men­schen und die Regi­on Lan­gen­ha­gen dar.

Fazit

Die geplan­te Schlie­ßung des Reemts­ma-Werks in Lan­gen­ha­gen ist ein signi­fi­kan­ter Schlag für die Regi­on Han­no­ver und die 640 betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten. Hohe Kos­ten, sin­ken­de Nach­fra­ge nach tra­di­tio­nel­len Tabak­pro­duk­ten und ver­schärf­te Regu­lie­run­gen haben Impe­ri­al Brands zu die­ser weit­rei­chen­den Ent­schei­dung bewo­gen, die Teil einer glo­ba­len Neu­aus­rich­tung des Kon­zerns ist. Wäh­rend die Gewerk­schaft NGG vehe­ment für den Erhalt der Arbeits­plät­ze und die Siche­rung der Zukunfts­per­spek­ti­ven der Mit­ar­bei­ter kämpft, ste­hen die sozia­len und wirt­schaft­li­chen Fol­gen für Lan­gen­ha­gen noch aus. Der dro­hen­de Ver­lust eines der letz­ten gro­ßen deut­schen Tabak­pro­duk­ti­ons­stand­or­te ver­deut­licht den fun­da­men­ta­len Wan­del einer gesam­ten Bran­che und die Not­wen­dig­keit, trag­fä­hi­ge Lösun­gen für die betrof­fe­nen Men­schen zu fin­den.

Weiterführende Quellen

Reemts­ma stellt Pro­duk­ti­on in Lan­gen­ha­gen ein: Hohe Kos­ten und sin­ken­de Nach­fra­ge
https://www.it-boltwise.de/reemtsma-stellt-produktion-in-langenhagen-ein-hohe-kosten-und-sinkende-nachfrage.html
Die­ser Arti­kel von IT BOLTWISE vom 1. Okto­ber 2025 ist eine zen­tra­le Quel­le, die die Schlie­ßungs­plä­ne von Reemts­ma in Lan­gen­ha­gen, die betrof­fe­ne Mit­ar­bei­ter­zahl (640), die Grün­de (hohe Kos­ten, sin­ken­de Nach­fra­ge) und die Posi­ti­on der Gewerk­schaft NGG zusam­men­fasst.

Impe­ri­al Brands plant Schlie­ßung des Reemts­ma-Werks in Lan­gen­ha­gen: Mit­ar­bei­ter in Sor­ge – klamm.de
https://www.klamm.de/news/imperial-brands-plant-schliessung-des-reemtsma-werks-in-langenhagen-mitarbeiter-in-sorge-64N20251001184039.html
Die­ser klamm.de-Artikel vom 1. Okto­ber 2025 lie­fert zusätz­li­che Details zu den Grün­den der Schlie­ßung (hohe Pro­duk­ti­ons­kos­ten, gerin­ge Aus­las­tung, regu­la­to­ri­sche Bedin­gun­gen) und die Sor­ge der Mit­ar­bei­ter, sowie die ers­te Reak­ti­on der NGG.

NGG-Stel­lung­nah­me zu Reemts­ma-Werk Lan­gen­ha­gen: Gewerk­schaft kri­ti­siert Werk­schlie­ßungs­plan scharf
https://www.ngg.net/presse/pressemitteilungen/gewerkschaft-kritisiert-werkschliessungsplan-scharf
Die Pres­se­mit­tei­lung der Gewerk­schaft NGG vom 1. Okto­ber 2025 ist ent­schei­dend, um die Hal­tung und For­de­run­gen der Gewerk­schaft dar­zu­stel­len, ins­be­son­de­re ihre Kri­tik an Impe­ri­al Brands und den Kampf für Arbeits­platz­erhalt.

Wirt­schaft – HAZ
https://www.haz.de/wirtschaft/regional/reemtsma-stellt-zigarettenproduktion-in-langenhagen-ein-640-beschaeftigte-betroffen-CAHOPE4LJVEEHBPOS6ZHAOS5E4.html
Die­ser HAZ-Arti­kel bestä­tigt die Schlie­ßungs­plä­ne und die betrof­fe­ne Mit­ar­bei­ter­zahl. Er lie­fert auch wich­ti­ge Details zu frü­he­ren Stel­len­ab­bau-Maß­nah­men und die all­ge­mei­ne Situa­ti­on der Tabak­in­dus­trie im Wan­del.