Sachsen-Anhalt Wahl 2026 — Was bedeutet das für Betriebsräte?

Am kom­men­den Sonn­tag, 06. Sep­tem­ber 2026, wählt Sach­sen-Anhalt einen neu­en Land­tag. Die Unter­su­chungs­la­ge ist gespannt: Die AfD führt mit 40–42 Pro­zent deut­lich, wäh­rend die regie­ren­de CDU auf einen his­to­ri­schen Tief­stand von 21–23 Pro­zent gefal­len ist. Eine Regie­rungs­for­mie­rung ohne die AfD erscheint schwie­rig, doch alle ande­ren Par­tei­en schlie­ßen eine Koali­ti­on mit der AfD aus.

Für Betriebs­rä­te in Sach­sen-Anhalt hat die Wahl unmit­tel­ba­re Bedeu­tung — denn der Land­tag ent­schei­det über Tarif­ver­trags­schutz, Arbeits­be­din­gun­gen, und die Unter­stüt­zung von Betriebs­rats­ar­beit. Die­ser Arti­kel gibt einen Über­blick über die aktu­el­le Lage und was Beschäf­tig­te und ihre Ver­tre­ter erwar­ten kön­nen.


Aktuelle Umfragelage

Die letz­te ARD-Umfra­ge von Infra­test dimap (25./26. August 2026) zeigt fol­gen­des Bild:

Par­tei Umfra­ge­wert Ten­denz
AfD 42% +1%
CDU 22% -2%
Die Lin­ke 11% -2%
SPD 8% +1%
Grü­ne 6% +1%
BSW 4% =
FDP 3% =

Die CDU ist damit auf einem his­to­ri­schen Tief­stand in Sach­sen-Anhalt. Im Ver­gleich zur letz­ten Land­tags­wahl 2021 ver­liert die Par­tei sechs Pro­zent­punk­te. Die AfD hin­ge­gen ver­dop­pelt nahe­zu ihr Ergeb­nis von 21 Pro­zent und wür­de bei einer Wahl am heu­ti­gen Tag die weit­aus stärks­te Kraft im Land­tag sein.

Inter­es­sant ist auch die Minis­ter­prä­si­den­ten­fra­ge: Wäh­rend 41 Pro­zent der Befrag­ten CDU-Kan­di­da­ten Sven Schul­ze bevor­zu­gen, wün­schen sich 39 Pro­zent den AfD-Kan­di­da­ten Ulrich Sieg­mund als Minis­ter­prä­si­dent. Damit liegt die Fra­ge prak­tisch Patt.


Die Themen: Was steht zur Debatte?

Jede Par­tei hat eige­ne Schwer­punk­te im Wahl­kampf gesetzt, die für Betriebs­rä­te rele­vant sind:

AfD

Die AfD setzt auf restrik­ti­ve Migra­ti­ons­po­li­tik und eine „Abschie­be­of­fen­si­ve“. Im Arbeits­markt steht ins­be­son­de­re die Unter­stüt­zung tra­di­tio­nel­ler Indus­trie­bran­chen im Fokus — ein The­ma, das für den Struk­tur­wan­del in Sach­sen-Anhalt rele­vant ist.

CDU

Minis­ter­prä­si­dent­schaft Sven Schul­ze wirbt mit mehr Poli­zei und Büro­kra­tie­ab­bau zur Stär­kung der Wirt­schaft. Für Betrie­be bedeu­tet dies poten­zi­ell weni­ger Ver­wal­tungs­auf­wand, aber auch gerin­ge­re öffent­li­che Inves­ti­tio­nen.

Die Linke

Eva von Angern for­dert Inves­ti­tio­nen in Gesund­heits­ver­sor­gung und Bil­dung sowie den Erhalt ost­deut­scher Indus­trie­ar­beits­plät­ze. Das ist direkt rele­vant für den öffent­li­chen Dienst und indus­tri­el­le Betrie­be im Land.

SPD

Armin Wil­ling­mann betont sozia­le Sicher­heit und einen gerech­ten Struk­tur­wan­del. Tarif­ver­trags­schutz und Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit ste­hen im Mit­tel­punkt.

Bündnis 90/Die Grünen

Sus­an Szi­bor­ra-Seid­litz wirbt für Kli­ma­schutz und Chan­cen­ge­rech­tig­keit. The­men wie Qua­li­fi­zie­rung und digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on sind hier zen­tral.

BSW

Tho­mas Schul­ze und Clau­dia Wit­tig for­dern Frie­den, sozia­le Gerech­tig­keit und kri­ti­sie­ren die „Brand­mau­er-Idio­tie“. Ein unge­wöhn­li­ches Ange­bot, das auch Arbeits­markt­po­li­tik betrifft.

FDP

Lydia Hüs­kens setzt auf indi­vi­du­el­le Frei­heit und Büro­kra­tie­ab­bau. Weni­ger Regu­la­ti­on, mehr Markt­frei­heit — das ist sowohl Chan­ce als auch Risi­ko für Beschäf­tig­te.


Was bedeutet die Wahl für Betriebsräte?

Tarifvertragsschutz

Der Land­tag hat Ein­fluss auf die Rah­men­be­din­gun­gen für Tarif­ver­trä­ge. Bei einer mög­li­chen AfD-Mehr­heit oder einer Koali­ti­on mit der Lin­ken könn­ten sich die Bedin­gun­gen für tarif­ge­bun­de­ne Betrie­be ändern. Betriebs­rä­te soll­ten beob­ach­ten, wie sich die Par­tei­en posi­tio­nie­ren.

Arbeitsrecht in Sachsen-Anhalt

Sach­sen-Anhalt hat beson­de­re struk­tu­rel­le Her­aus­for­de­run­gen: Abwan­de­rung, Über­al­te­rung, indus­tri­el­ler Struk­tur­wan­del. Die gewähl­te Regie­rung wird ent­schei­den, wie stark der Staat in die­sen Pro­zess ein­greift — und damit auch, wel­che Unter­stüt­zung Betriebs­rä­te und Beschäf­tig­te erwar­ten kön­nen.

Öffentlicher Dienst

Ein erheb­li­cher Teil der Beschäf­tig­ten in Sach­sen-Anhalt arbei­tet im öffent­li­chen Dienst. Die Wahl beein­flusst dire­ta die Bedin­gun­gen in Schu­len, Kran­ken­häu­sern und Ver­wal­tung — und damit auch die Arbeit von Betriebs­rä­ten in die­sen Berei­chen.

Betriebsratswahlen 2026

Neben der Land­tags­wahl steht auch das Betriebs­rats­wahl­jahr 2026 an. Die IG Metall ruft dazu auf, in Betrie­ben ohne Betriebs­rat eine Wahl vor­zu­be­rei­ten: „Schon ab fünf wahl­be­rech­tig­ten Beschäf­tig­ten ist eine Wahl mög­lich.“ Dies ist beson­ders rele­vant in klei­ne­ren Unter­neh­men und Zulie­fer­be­trie­ben, wo Betriebs­rä­te oft noch feh­len.


Szenarien für die Regierungsformierung

Szenario 1: AfD führt eine Minderheitsregierung an

Dies wäre neu in der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te auf Lan­des­ebe­ne. Alle ande­ren Par­tei­en haben aus­ge­schlos­sen, mit der AfD zu koalie­ren. Eine Regie­rung müss­te dann auf Dul­dung ande­rer Par­tei­en set­zen — was poli­tisch insta­bil wäre.

Szenario 2: CDU bildet eine„Mehrheit der Ablehnung“

Die CDU könn­te mit SPD, Grü­nen und Lin­ken eine Koali­ti­on bil­den — gegen die AfD. Dies erfor­dert jedoch, dass die Lin­ke mit ein­ge­bun­den wird, was in der CDU auf Wider­stand stößt. Nur 32 Pro­zent der Befrag­ten befür­wor­ten eine sol­che Kon­stel­la­ti­on.

Szenario 3: Zwischenlösung mit wechselnden Mehrheiten

Das BSW schlägt einen „Mag­de­bur­ger Weg“ vor: Ein über­par­tei­li­cher Minis­ter­prä­si­dent mit wech­seln­den Mehr­hei­ten für ein­zel­ne Geset­ze. Dies wäre ein expe­ri­men­tel­ler Ansatz, der noch nie in die­ser Form prak­ti­ziert wur­de.


Was sollten Betriebsräte jetzt tun?

  1. Wahl­in­ter­es­se wecken — Betriebs­rä­te soll­ten ihre Mit­glie­der über die Bedeu­tung der Wahl infor­mie­ren. Hohe Wahl­be­tei­li­gung kann ent­schei­dend sein — aktu­ell ten­die­ren 19 Pro­zent zur Nicht­wahl.
  2. The­men im Betrieb dis­ku­tie­ren — Die genann­ten The­men (Migra­ti­on, Wirt­schaft, Bil­dung, Kli­ma­schutz) betref­fen auch den All­tag im Betrieb. Betriebs­rä­te kön­nen die­se Dis­kus­sio­nen struk­tu­rie­ren und die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten ver­tre­ten.
  3. Betriebs­rats­wah­len vor­be­rei­ten — Wo noch kein Betriebs­rat exis­tiert, soll­te die Zeit bis zur Wahl genutzt wer­den, um die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen und die Wahl vor­zu­be­rei­ten. Die Rechts­la­ge ist klar: Ab fünf wahl­be­rech­tig­ten Beschäf­tig­ten ist eine Wahl mög­lich.
  4. Inter­es­sen ver­tre­ten — Unab­hän­gig vom Wahl­er­geb­nis bleibt die Kern­auf­ga­be von Betriebs­rä­ten: Die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten gegen­über dem Arbeit­ge­ber ver­tre­ten. Die poli­ti­sche Land­schaft ver­än­dert sich, aber die betrieb­li­che Mit­be­stim­mung bleibt bestehen.

Fazit: Eine wichtige Wahl mit Folgen

Die Land­tags­wahl in Sach­sen-Anhalt ist mehr als eine regio­na­le Abstim­mung — sie hat Aus­wir­kun­gen auf die Arbeits­welt im gesam­ten Land. Für Betriebs­rä­te bedeu­tet dies: Beob­ach­ten, infor­mie­ren, mit­be­stim­men.

Wer sich jetzt vor­be­rei­tet, kann die Wei­chen für die kom­men­de Legis­la­tur­pe­ri­ode stel­len. Und unab­hän­gig vom Ergeb­nis bleibt die Auf­ga­be von Betriebs­rä­ten, die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten zu wah­ren — ob im öffent­li­chen Dienst oder in der Pri­vat­wirt­schaft.


Hin­weis: Die­ser Arti­kel basiert auf Umfra­gen vom August 2026. Die tat­säch­li­chen Wahl­er­geb­nis­se kön­nen abwei­chen. Für aktu­el­le Infor­ma­tio­nen emp­feh­len wir die offi­zi­el­len Quel­len des Lan­des Sach­sen-Anhalt.

Die­ser Arti­kel dient der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­on und ersetzt kei­ne indi­vi­du­el­le Rechts­be­ra­tung. Bei kon­kre­ten Fra­gen wen­den Sie sich bit­te an eine Betriebs­rats­be­ra­tung oder Gewerk­schaft.