UNiTE Kampagne: Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden bis 2030 | UN Women

UNiTE Kampagne: Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden bis 2030 | UN Women

Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen ist eines der schwer­wie­gends­ten glo­ba­len Men­schen­rechts­pro­ble­me. Es betrifft alle Regio­nen und sozia­len Schich­ten. Sta­tis­ti­ken bele­gen, dass etwa jede drit­te Frau im Lau­fe ihres Lebens Opfer von phy­si­scher oder sexu­el­ler Gewalt wird. Die­ses struk­tu­rel­le Pro­blem ver­ur­sacht erheb­li­che gesell­schaft­li­che und öko­no­mi­sche Kos­ten. Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft hat die Eli­mi­nie­rung die­ser Gewalt als zen­tra­les Ziel der Agen­da 2030 der Ver­ein­ten Natio­nen fest­ge­legt (Ziel für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung – SDG 5.2). Die Kam­pa­gne UNiTE to End Vio­lence against Women dient als glo­ba­ler Akti­ons­plan. Sie wur­de vom UN-Gene­ral­se­kre­tär ins Leben geru­fen und wird maß­geb­lich von UN Women getra­gen. Ihr Ziel ist es, die Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen bis 2030 zu been­den. Der fol­gen­de Fach­ar­ti­kel beleuch­tet die stra­te­gi­schen Säu­len die­ser Kam­pa­gne und die not­wen­di­gen Schrit­te zur Ziel­er­rei­chung.

Die UNiTE Kampagne: Ursprung, Mandat und die Agenda 2030

Die UNiTE-Initia­ti­ve ist kei­ne neue Maß­nah­me, son­dern ein eta­blier­tes, mehr­jäh­ri­ges Pro­gramm. Sie wur­de 2008 vom dama­li­gen UN-Gene­ral­se­kre­tär Ban Ki-moon ins Leben geru­fen. Ziel war es von Beginn an, eine sys­tem­wei­te Mobi­li­sie­rung der Ver­ein­ten Natio­nen zu errei­chen, um die Prä­ven­ti­ons­ar­beit und die Eli­mi­nie­rung von Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen zu beschleu­ni­gen. Das Man­dat der Kam­pa­gne ist glo­bal und umfasst alle UN-Mit­glieds­staa­ten.

Die Steue­rung und Koor­di­na­ti­on obliegt der UN-Ein­heit für Gleich­stel­lung und Ermäch­ti­gung der Frau­en, kurz UN Women. Die Kam­pa­gne bil­det heu­te das zen­tra­le Vehi­kel zur Errei­chung des Unter­ziels 5.2 der Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals, SDGs). SDG 5 zielt auf die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter ab. Spe­zi­fisch for­dert SDG 5.2, „jede Form von Gewalt gegen alle Frau­en und Mäd­chen im öffent­li­chen und pri­va­ten Raum zu besei­ti­gen, ein­schließ­lich Men­schen­han­del und sexu­el­ler sowie sons­ti­ger Aus­beu­tung“.

Der Fokus liegt auf der Umset­zung exis­tie­ren­der inter­na­tio­na­ler Rah­men­wer­ke, wie der Erklä­rung von Peking und der Akti­ons­platt­form. Die UNiTE Kam­pa­gne bün­delt die Anstren­gun­gen der ver­schie­de­nen UN-Orga­ni­sa­tio­nen, Regie­run­gen und der Zivil­ge­sell­schaft. Sie dient als Akti­ons­platt­form, um natio­na­le Geset­ze zu stär­ken und Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men flä­chen­de­ckend zu imple­men­tie­ren. Die Eli­mi­nie­rung die­ser Gewalt ist somit nicht nur ein Men­schen­rechts­the­ma, son­dern ein ent­schei­den­der Fak­tor für nach­hal­ti­ge glo­ba­le Ent­wick­lung und die Ver­wirk­li­chung der Agen­da 2030.

Fünf Schlüsselstrategien zur Eliminierung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Um das ambi­tio­nier­te Ziel, die Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen bis 2030 zu been­den, zu errei­chen, iden­ti­fi­ziert die UNiTE Kam­pa­gne fünf stra­te­gi­sche Prio­ri­tä­ten. Die­se Säu­len sol­len Regie­run­gen und rele­van­te Akteu­re welt­weit lei­ten:

  1. Ver­ab­schie­dung und Durch­set­zung natio­na­ler Geset­ze: Fun­da­men­ta­le Vor­aus­set­zung ist die Exis­tenz robus­ter natio­na­ler Rechts­rah­men. Die­se müs­sen alle For­men geschlechts­spe­zi­fi­scher Gewalt, ein­schließ­lich häus­li­cher und digi­ta­ler Gewalt, umfas­send ver­bie­ten, sank­tio­nie­ren und Opfer schüt­zen. Für die Pra­xis bedeu­tet dies, dass Geset­ze, die inter­na­tio­na­le Stan­dards (wie die Istan­bul-Kon­ven­ti­on in Euro­pa) erfül­len, nicht nur ver­ab­schie­det, son­dern auch kon­se­quent von Jus­tiz und Poli­zei ange­wen­det wer­den müs­sen. Recht­li­che Lücken in der Defi­ni­ti­on von Ver­ge­wal­ti­gung oder der Ahn­dung von Stal­king müs­sen geschlos­sen wer­den, um die Rechts­si­cher­heit für Betrof­fe­ne zu gewähr­leis­ten.

  2. Stär­kung von Prä­ven­ti­ons­stra­te­gien: Lang­fris­ti­ge Ver­än­de­rung erfor­dert die Bekämp­fung der Ursa­chen. Pri­mä­re Prä­ven­ti­on umfasst Bil­dungs­ar­beit, die För­de­rung gleich­be­rech­tig­ter sozia­ler Nor­men und die Ein­be­zie­hung von Män­nern und Jun­gen. Ziel ist die Bekämp­fung patri­ar­cha­li­scher Struk­tu­ren und Ste­reo­ty­pen, die Gewalt begüns­ti­gen. Pro­gram­me müs­sen auf allen Ebe­nen, von der Schu­le bis zum Arbeits­platz, imple­men­tiert wer­den.

  3. Ver­bes­se­rung von Dienst­leis­tun­gen für Betrof­fe­ne: Opfer benö­ti­gen sofor­ti­gen und qua­li­fi­zier­ten Zugang zu umfas­sen­den Dienst­leis­tun­gen. Dazu gehö­ren Not­un­ter­künf­te (Frau­en­häu­ser), medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung und Rechts­be­ra­tung. Die­se Diens­te müs­sen aus­rei­chend finan­ziert und geschult sein, um Über­le­ben­den schnell hel­fen zu kön­nen. Es gilt das Prin­zip der Opfer­zen­triert­heit und der umfas­sen­den Unter­stüt­zung.

  4. Erhö­hung der Inves­ti­tio­nen in die Daten­er­fas­sung: Nur prä­zi­se und dis­agg­re­gier­te Daten erlau­ben eine effek­ti­ve Steue­rung der Maß­nah­men. Die sys­te­ma­ti­sche Erhe­bung von Daten über Häu­fig­keit, For­men und Fol­gen von Gewalt ist ent­schei­dend, um den tat­säch­li­chen Inves­ti­ti­ons­be­darf zu ermit­teln und Prä­ven­ti­ons­stra­te­gien evi­denz­ba­siert anzu­pas­sen. Die Erfas­sung muss dabei ethi­schen Grund­sät­zen fol­gen und die Sicher­heit der Befrag­ten gewähr­leis­ten.

  5. Sicher­stel­lung adäqua­ter Finan­zie­rung: Ohne eine dedi­zier­te und nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung blei­ben alle Stra­te­gien wir­kungs­los. Die Kam­pa­gne for­dert Regie­run­gen auf, signi­fi­kan­te Haus­halts­mit­tel für die Gewalt­prä­ven­ti­on bereit­zu­stel­len. Inter­na­tio­na­le Stu­di­en zei­gen, dass die glo­ba­len Inves­ti­tio­nen in die­sen Bereich aktu­ell weit hin­ter dem not­wen­di­gen Bedarf zurück­lie­gen, um das Ziel 2030 zu errei­chen. Die Bereit­stel­lung von Mit­teln muss dabei fle­xi­bel genug sein, um auch der Zivil­ge­sell­schaft und Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen eine sta­bi­le Basis zu bie­ten. Eine adäqua­te Finan­zie­rung ist der Kata­ly­sa­tor für die erfolg­rei­che Umset­zung der ande­ren vier Säu­len.

Globale Mobilisierung: Orange Day und 16 Tage Aktivismus

Die UNiTE Kam­pa­gne nutzt geziel­te glo­ba­le Mobi­li­sie­rungs­maß­nah­men, um das Bewusst­sein zu schär­fen und die poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit hoch­zu­hal­ten. Die­se Advo­ca­cy-Instru­men­te über­set­zen die stra­te­gi­schen Zie­le in sicht­ba­re, öffent­li­che Aktio­nen.

Ein zen­tra­les Ele­ment ist der Oran­ge Day. Im Rah­men der UNiTE-Initia­ti­ve wird der 25. jedes Monats als Akti­ons­tag dekla­riert. Die Far­be Oran­ge sym­bo­li­siert dabei eine hel­le­re Zukunft, frei von Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen. Sie dient als Auf­ruf an Regie­run­gen, UN-Part­ner und die Zivil­ge­sell­schaft, kon­kre­te Schrit­te zur Prä­ven­ti­on und Eli­mi­nie­rung von Gewalt zu unter­neh­men.

Die bedeu­tends­te jähr­li­che Mobi­li­sie­rung sind die 16 Tage des Akti­vis­mus gegen geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt. Die­se Kam­pa­gne beginnt am 25. Novem­ber, dem Inter­na­tio­na­len Tag zur Besei­ti­gung der Gewalt gegen Frau­en, und endet am 10. Dezem­ber, dem Tag der Men­schen­rech­te. Die­se Zeit­span­ne unter­streicht die Tat­sa­che, dass Gewalt gegen Frau­en eine fun­da­men­ta­le Ver­let­zung der Men­schen­rech­te dar­stellt.

Die 16 Tage des Akti­vis­mus the­ma­ti­sie­ren jedes Jahr spe­zi­fi­sche Berei­che. Ein zuneh­men­der Fokus liegt auf der digi­ta­len Gewalt. Ange­sichts der rapi­den Digi­ta­li­sie­rung neh­men For­men geschlechts­spe­zi­fi­scher Gewalt in digi­ta­len Räu­men zu, dar­un­ter Cyber­mob­bing, Online-Beläs­ti­gung und nicht-ein­ver­nehm­li­ches Tei­len inti­mer Bil­der. Die­se Ent­wick­lung erfor­dert drin­gend neue prä­ven­ti­ve und legis­la­ti­ve Ant­wor­ten. Durch die Kam­pa­gne „Say NO – UNiTE“ wird das öffent­li­che Bewusst­sein für die­se neu­en Her­aus­for­de­run­gen geschärft und zum sofor­ti­gen Han­deln auf­ge­ru­fen.

Ziel die­ser glo­ba­len Aktio­nen ist es, die Öffent­lich­keit kon­ti­nu­ier­lich zu infor­mie­ren, Ent­schei­dungs­trä­ger zu ver­ant­wort­li­chem Han­deln zu ver­pflich­ten und loka­le Orga­ni­sa­tio­nen zu stär­ken, die direkt mit Betrof­fe­nen arbei­ten.

Die betrieblichen und gesellschaftlichen Kosten von Gewalt

Gewalt gegen Frau­en ist ein tief­grei­fen­des Men­schen­rechts­pro­blem, des­sen Aus­wir­kun­gen weit über das pri­va­te Leid hin­aus­ge­hen. Es ver­ur­sacht erheb­li­che betrieb­li­che und volks­wirt­schaft­li­che Kos­ten. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) betont, dass geschlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt zu den größ­ten Belas­tun­gen für das glo­ba­le Gesund­heits­sys­tem zählt.

In der Arbeits­welt mani­fes­tie­ren sich die Fol­gen direkt in Form von erhöh­ten Fehl­zei­ten, redu­zier­ter Arbeits­leis­tung und Pro­duk­ti­vi­täts­ver­lus­ten. Betrof­fe­ne lei­den oft unter psy­chi­schem Stress, Angst­zu­stän­den und Trau­ma­ta, was ihre Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und Ent­schei­dungs­fin­dung beein­träch­tigt. Dies kann zu Qua­li­täts­män­geln, erhöh­ten Unfall­ri­si­ken und einem Ver­lust an Human­ka­pi­tal füh­ren. Für Unter­neh­men ent­ste­hen zudem Kos­ten durch erhöh­ten Kran­ken­stand, die not­wen­di­ge Ein­ar­bei­tung von Ver­tre­tun­gen und poten­zi­el­le Repu­ta­ti­ons­schä­den.

Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che ist das The­ma auf­grund der gesetz­li­chen Für­sor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers (§ 618 BGB) hoch­re­le­vant. Der Arbeit­ge­ber muss die Gesund­heit und Sicher­heit der Beschäf­tig­ten gewähr­leis­ten. Dies schließt prä­ven­ti­ve Maß­nah­men gegen psy­cho­so­zia­le Belas­tun­gen ein. Betriebs­rä­te kön­nen im Rah­men ihres Mit­be­stim­mungs­rechts (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 und 7 BetrVG) dar­auf hin­wir­ken, dass kla­re Richt­li­ni­en zur Gewalt­prä­ven­ti­on und zum Umgang mit Betrof­fe­nen eta­bliert wer­den.

Die betrieb­li­che Prä­ven­ti­on umfasst Sen­si­bi­li­sie­rungs­trai­nings für Füh­rungs­kräf­te, um Anzei­chen häus­li­cher oder sexu­el­ler Gewalt zu erken­nen und ange­mes­sen, ver­trau­lich zu reagie­ren. Die Bereit­stel­lung von nied­rig­schwel­li­gen und anony­men Bera­tungs­an­ge­bo­ten ist essen­zi­ell.

Die Ver­ant­wor­tung von Human Resour­ces (HR) und des Betriebs­rats liegt dar­in, einen siche­ren Rah­men zu schaf­fen, in dem Betrof­fe­ne Unter­stüt­zung suchen kön­nen, ohne beruf­li­che oder finan­zi­el­le Nach­tei­le befürch­ten zu müs­sen. Unter­neh­men, die sich aktiv an der Eli­mi­nie­rung von Gewalt betei­li­gen, erfül­len nicht nur ihre sozia­len und recht­li­chen Pflich­ten, son­dern för­dern auch eine leis­tungs­fä­hi­ge und ethisch fun­dier­te Unter­neh­mens­kul­tur.

Fazit: Die Rolle der Zivilgesellschaft und der Zielpfad bis 2030

Die UNiTE Kam­pa­gne von UN Women dient als zen­tra­ler glo­ba­ler Mecha­nis­mus, um die Besei­ti­gung von Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen als prio­ri­tä­res Ziel der Agen­da 2030 (SDG 5.2) zu ver­fol­gen. Obwohl erheb­li­che Fort­schrit­te in der Gesetz­ge­bung vie­ler Staa­ten erzielt wur­den, bleibt die Dis­kre­panz zwi­schen recht­li­chen Rah­men­wer­ken und deren tat­säch­li­cher Durch­set­zung groß.

Das Errei­chen des Ziels 2030 erfor­dert pri­mär eine dras­ti­sche Erhö­hung und Ver­ste­ti­gung der Finan­zie­rung. Prä­ven­ti­ons­ar­beit, die Stär­kung von Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen und die Ver­bes­se­rung von Unter­stüt­zungs­diens­ten benö­ti­gen nach­hal­ti­ge Inves­ti­tio­nen. Poli­ti­sche Füh­rung muss sicher­stel­len, dass natio­na­le Akti­ons­plä­ne kon­se­quent umge­setzt und regel­mä­ßig eva­lu­iert wer­den.

Die Zivil­ge­sell­schaft, ein­schließ­lich Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und die Sozi­al­part­ner (Betriebs­rä­te und Gewerk­schaf­ten), ist unver­zicht­bar. Sie agiert als Kata­ly­sa­tor, treibt Advo­ca­cy-Arbeit vor­an und gewähr­leis­tet die Rechen­schafts­pflicht von Regie­run­gen. Ins­be­son­de­re in der Arbeits­welt kön­nen Betriebs­rä­te durch die Gestal­tung gewalt­frei­er Arbeits­um­fel­der und die Imple­men­tie­rung kon­kre­ter Hilfs­an­ge­bo­te einen sub­stan­zi­el­len Bei­trag zur glo­ba­len Stra­te­gie leis­ten. Nur durch die­se koor­di­nier­te, viel­schich­ti­ge und enga­gier­te Anstren­gung kann die Visi­on einer Welt frei von geschlechts­spe­zi­fi­scher Gewalt bis 2030 erreicht wer­den.

Weiterführende Quellen

UNITE to End Vio­lence against Women Cam­paign | UN Women …
[https://www.unwomen.org/en/what-we-do/ending-violence-against-women/unite]
Die­se Über­sichts­sei­te von UN Women beschreibt die mehr­jäh­ri­ge Initia­ti­ve zur welt­wei­ten Prä­ven­ti­on und Eli­mi­nie­rung von Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen.