Weiterbildungsförderung 2026: Neue Chancen für Betriebs- und Personalräte

Die Bun­des­re­gie­rung will bis 2030 die Wei­ter­bil­dungs­ra­te in Deutsch­land von 54% auf 65% stei­gern. Das Natio­na­le Wei­ter­bil­dungs­stra­te­gie (NWS) Fort­set­zungs­pa­pier 2025 setzt dar­auf – und bie­tet Betriebs- und Per­so­nal­rä­ten neue Hebel, um ihre Mit­glie­der aktiv zu unter­stüt­zen.

Die neuen Förderinstrumente im Überblick

Zwei Para­gra­fen des Sozi­al­ge­setz­bu­ches III sind beson­ders rele­vant:

§ 82 SGB III – Qualifizierungschancengesetz (QCG)

Die­se Rege­lung för­dert die beruf­li­che Wei­ter­bil­dung Beschäf­tig­ter im bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis. Die Agen­tur für Arbeit über­nimmt dabei einen Teil der Kos­ten – je nach Betriebs­grö­ße unter­schied­lich:

  • Betrie­be mit weni­ger als 50 Mit­ar­bei­ten­den: Der Arbeit­ge­ber zahlt in der Regel nichts
  • Betrie­be mit 50 bis unter 500 Mit­ar­bei­ten­den: Der Arbeit­ge­ber trägt 50 Pro­zent der Kos­ten
  • Betrie­be mit 500 oder mehr Mit­ar­bei­ten­den: Der Arbeit­ge­ber trägt 75 Pro­zent der Kos­ten

Der Betriebs­rats-Bonus: Schlie­ßen Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat eine Betriebs­ver­ein­ba­rung über Wei­ter­bil­dung, ver­rin­gert sich der Arbeit­ge­ber­an­teil um fünf Pro­zent­punk­te – unab­hän­gig von der Betriebs­grö­ße. Das ist ein ech­tes Argu­ment für eine sol­che Ver­ein­ba­rung.

§ 82a SGB III – Qualifizierungsgeld (neu seit April 2024)

Die­se Rege­lung rich­tet sich an Betrie­be, die vom Struk­tur­wan­del betrof­fen sind. Hier geht es um mas­si­ve Umstruk­tu­rie­run­gen, Digi­ta­li­sie­rung oder den Wan­del hin zu nach­hal­ti­gen Geschäfts­mo­del­len.

Die ent­schei­den­de Hür­de: Eine Betriebs­ver­ein­ba­rung oder ein Tarif­ver­trag ist zwin­gend erfor­der­lich. Ohne die­se kol­lek­ti­ve Rege­lung kann das Qua­li­fi­zie­rungs­geld nicht bean­sprucht wer­den.

Das bedeu­tet: Der Betriebs­rat hat hier ein ech­tes Mit­be­stim­mungs­recht. Er kann Bedin­gun­gen stel­len – etwa den Aus­schluss betriebs­be­ding­ter Kün­di­gun­gen wäh­rend der För­der­pha­se oder eine Auf­sto­ckung des Qua­li­fi­zie­rungs­gel­des durch den Arbeit­ge­ber.

Was bedeutet das für Personalräte?

Für Per­so­nal­rä­te im öffent­li­chen Dienst gel­ten ähn­li­che Prin­zi­pi­en, jedoch auf einer ande­ren Rechts­grund­la­ge:

  • § 83 BPersVG (Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz): Per­so­nal­rä­te haben Mit­be­stim­mungs­rech­te bei der För­de­rung der Beschäf­tig­ten
  • Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze (LPersVG): In den Lan­des­be­hör­den gel­ten ent­spre­chen­de Lan­des­re­ge­lun­gen
  • Kol­lek­ti­ve Ver­hand­lungs­macht: Wie im Betriebs­rat kann auch der Per­so­nal­rat Bedin­gun­gen an die För­de­rung knüp­fen

Der Unter­schied: Wäh­rend im Betriebs­be­reich § 82a SGB III expli­zit eine BV for­dert, muss der Per­so­nal­rat oft über § 83 BPersVG oder ent­spre­chen­de Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze ver­han­deln. Die Hebel sind ähn­lich – aber die recht­li­chen Grund­la­gen unter­schei­den sich.

Praktische Tipps für die Umsetzung

Wenn Sie als Betriebs- oder Per­so­nal­rat die neu­en För­der­instru­men­te nut­zen möch­ten, emp­feh­le ich fol­gen­de Schrit­te:

  1. Bedarf ermit­teln: Wel­che Qua­li­fi­zie­rungs­lü­cken bestehen? Wel­che Kom­pe­ten­zen wer­den für die Zukunft benö­tigt?
  2. Rechts­la­ge prü­fen: Gehört Ihr Betrieb zu den för­der­fä­hi­gen Unter­neh­men? Gibt es struk­tur­wan­del­be­ding­te Qua­li­fi­zie­rungs­be­dar­fe?
  3. Ver­hand­lungs­vor­be­rei­tung: Wel­che Bedin­gun­gen kön­nen Sie stel­len? Wann lohnt sich ein Ver­weis auf die Eini­gungs­stel­le?
  4. Betriebs­ver­ein­ba­rung aus­ar­bei­ten: Was soll gere­gelt wer­den? Wie sieht der Bonus nach § 82 Abs. 4 SGB III aus?
  5. Antrag­stel­lung: Der Bil­dungs­gut­schein muss VOR Kurs­be­ginn bean­tragt wer­den – die Rei­hen­fol­ge ist wich­tig!

Der strategische Vorteil

Die neu­en Rege­lun­gen geben Betriebs- und Per­so­nal­rä­ten ein star­kes Instru­ment an die Hand. Sie ermög­li­chen nicht nur bes­se­re Fort­bil­dungs­mög­lich­kei­ten für die Mit­glie­der, son­dern stär­ken auch die eige­ne Posi­ti­on im Betrieb.

Die Kom­bi­na­ti­on aus § 37 Abs. 6 BetrVG (Anspruch auf Wei­ter­bil­dung) und den sozi­al­recht­li­chen För­der­instru­men­ten schafft einen moder­nen Rah­men für betrieb­li­che Qua­li­fi­zie­rung – der genau dann rele­vant wird, wenn Digi­ta­li­sie­rung und Struk­tur­wan­del klas­si­sche Schu­lungs­for­ma­te her­aus­for­dern.

Wer hier früh­zei­tig aktiv wird, gewinnt nicht nur bes­se­re Fort­bil­dun­gen für sei­ne Mit­glie­der, son­dern fes­tigt auch die Rol­le des Gre­mi­ums als wich­ti­ger Part­ner im Wan­del.


Andre­as Gala­tas ist Rechts­an­walt und arbei­tet seit über 25 Jah­ren mit Betriebs- und Per­so­nal­rä­ten zusam­men – vor allem im Bereich der Schu­lun­gen und Wei­ter­bil­dun­gen. Hier teilt er sei­ne Erfah­run­gen aus der Pra­xis.