Bundestagswahl 2025: Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung im Fokus der Parteien

Bundestagswahl 2025: Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung im Fokus der Parteien

Die Bun­des­tags­wahl 2025, die am 23. Febru­ar statt­fin­det, nach­dem die vor­he­ri­ge Ampel­ko­ali­ti­on zer­brach, rückt die Zukunft der Arbeit und die Rol­le der Arbeit­neh­mer im deut­schen Wirt­schafts­le­ben in den Fokus. Zen­tral dabei sind die The­men betrieb­li­che Mit­be­stim­mung und Arbeit­neh­mer­rech­te, die von den poli­ti­schen Par­tei­en und den Sozi­al­part­nern mit unter­schied­li­chen Schwer­punk­ten dis­ku­tiert wer­den. Die Mei­nun­gen rei­chen von der Stär­kung und Erwei­te­rung bestehen­der Rech­te bis hin zur For­de­rung nach mehr Fle­xi­bi­li­tät und Dere­gu­lie­rung.

Die Bedeutung von Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft

Die betrieb­li­che Mit­be­stim­mung, das Sys­tem der Sozi­al­part­ner­schaft und die Tarif­au­to­no­mie sind seit Jahr­zehn­ten tra­gen­de Säu­len des deut­schen Arbeits­rechts und Wirt­schafts­sys­tems. Sie sol­len einen fai­ren Aus­gleich zwi­schen den Inter­es­sen von Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern gewähr­leis­ten und gel­ten als wich­ti­ger Fak­tor für den sozia­len Frie­den und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit Deutsch­lands. Ange­sichts des schnel­len Wan­dels durch Digi­ta­li­sie­rung, Künst­li­che Intel­li­genz und Kli­ma­schutz ste­hen die­se Kon­zep­te vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Die Bun­des­tags­wahl 2025 wird somit auch zu einer Rich­tungs­wahl für die Gestal­tung der Arbeits­welt von mor­gen.

Parteipositionen zur Mitbestimmung und zu Arbeitnehmerrechten

Die im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en prä­sen­tie­ren in ihren Wahl­pro­gram­men und öffent­li­chen Äuße­run­gen sehr unter­schied­li­che Ansät­ze zur Wei­ter­ent­wick­lung der Arbeit­neh­mer­rech­te und der Mit­be­stim­mung.

SPD: Stärkung und Ausweitung der Mitbestimmungsrechte

Die SPD posi­tio­niert sich als star­ke Befür­wor­te­rin einer umfas­sen­den Stär­kung der Betriebs­rä­te und der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung. Sie plant eine Reform des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes, um den Betriebs­rä­ten „ech­te Mit­be­stim­mungs­rech­te mit Eini­gungs­er­for­der­nis“ zu gewäh­ren. Dies soll ins­be­son­de­re bei stra­te­gi­scher Per­so­nal­pla­nung und ‑bemes­sung, bei der Ein­füh­rung von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI), im Gesund­heits­schutz und bei Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men gel­ten.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt ist der ver­bes­ser­te Schutz von Initia­to­ren von Betriebs­rats­wah­len. Die Behin­de­rung von Betriebs­rats­tä­tig­kei­ten soll künf­tig als Offi­zi­al­de­likt geahn­det wer­den. Auch auf Unter­neh­mens­ebe­ne for­dert die SPD eine stär­ke­re Mit­be­stim­mung: Es soll einen gesetz­lich fest­ge­leg­ten Min­dest­ka­ta­log zustim­mungs­be­dürf­ti­ger Geschäf­te im Auf­sichts­rat geben. Schlupf­lö­cher zur Umge­hung der Mit­be­stim­mung, etwa durch euro­päi­sches Gesell­schafts­recht, sol­len geschlos­sen wer­den. Die SPD betont die Schlüs­sel­rol­le der Betriebs­rä­te bei der Gestal­tung zukunfts­fä­hi­ger Arbeits­be­din­gun­gen und sieht in der Mit­be­stim­mung ein Instru­ment zum Schutz der Arbeit­neh­mer­rech­te in einer sich wan­deln­den Arbeits­welt.

Bündnis 90/Die Grünen: Mitbestimmung für sozialen und ökologischen Wandel

Auch Bünd­nis 90/Die Grü­nen sehen in der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung einen zen­tra­len Bestand­teil geleb­ter Demo­kra­tie. Sie wol­len die Mit­be­stim­mungs­rech­te auf zukunfts­re­le­van­te The­men wie Kli­ma- und Umwelt­schutz, Gleich­stel­lung und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men aus­wei­ten. Die Grü­nen betrach­ten Betriebs­rä­te als wich­ti­ge Akteu­re, um den sozia­len und öko­lo­gi­schen Wan­del in Unter­neh­men aktiv zu gestal­ten und eine nach­hal­ti­ge Unter­neh­mens­po­li­tik zu för­dern.

Des Wei­te­ren set­zen sie sich für Maß­nah­men gegen Schein­selbst­stän­dig­keit ein, ins­be­son­de­re bei Platt­form­ar­beit, und wol­len die Tarif­bin­dung stär­ken, um gerech­te Arbeits­be­din­gun­gen zu gewähr­leis­ten. Auch die Unter­neh­mens­mit­be­stim­mung soll gestärkt und ihre Umge­hung – auch grenz­über­schrei­tend – ver­hin­dert wer­den.

CDU/CSU: Modernisierung im Zeichen der Digitalisierung

Die CDU/CSU wür­digt die lan­ge Tra­di­ti­on der Mit­be­stim­mung und die Bedeu­tung der Betriebs­rä­te als Teil der deut­schen Sozi­al­part­ner­schaft. Ihr Fokus liegt auf der Moder­ni­sie­rung der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung, um den Her­aus­for­de­run­gen der moder­nen Arbeits­welt gerecht zu wer­den. Dazu gehö­ren die gesetz­li­che Ver­an­ke­rung von Online-Betriebs­rats­sit­zun­gen und Online-Wah­len als gleich­wer­ti­ge Alter­na­ti­ven zu Prä­senz­for­ma­ten sowie die Klä­rung digi­ta­ler Zugangs­rech­te im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz.

Die Uni­on möch­te die Grün­dung von Betriebs­rä­ten erleich­tern und deren Behin­de­rung ver­hin­dern. Gleich­zei­tig betont sie die Stär­kung der Tarif­bin­dung und hebt die Rol­le der Sozi­al­part­ner her­vor, lehnt jedoch poli­ti­sche Ein­grif­fe in die Lohn­fin­dung – wie einen poli­tisch fest­ge­leg­ten Min­dest­lohn – ab. Für die CDU/CSU ist die Moder­ni­sie­rung der Mit­be­stim­mung ent­schei­dend, um die Inno­va­tions- und Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Unter­neh­men zu stär­ken und Betriebs­rä­te als wich­ti­ge Ver­mitt­ler zwi­schen Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern zu eta­blie­ren.

FDP: Flexibilität und Deregulierung

Die FDP ver­tritt eine wirt­schafts­li­be­ra­le Arbeits­markt­po­li­tik, die auf Fle­xi­bi­li­tät, Eigen­ver­ant­wor­tung und Büro­kra­tie­ab­bau setzt. In ihren Wahl­pro­gram­men und Äuße­run­gen wer­den die Begrif­fe Betriebs­rat oder Mit­be­stim­mung nicht expli­zit ange­spro­chen. Statt­des­sen plä­diert die FDP für fle­xi­ble­re Arbeits­zeit­re­ge­lun­gen, bei­spiels­wei­se die Regu­lie­rung einer wöchent­li­chen statt täg­li­chen Höchst­ar­beits­zeit.

Die Par­tei lehnt poli­ti­sche Ein­grif­fe in die Tarif­au­to­no­mie ab und sieht in einer dere­gu­lier­ten Arbeits­welt eine Chan­ce, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Wirt­schaft zu stär­ken. Der Fokus liegt auf der Schaf­fung von mehr Frei­räu­men für Unter­neh­men und Arbeit­neh­mer, wobei Betriebs­rä­te in die­sem Kon­zept kei­ne zen­tra­le Rol­le spie­len.

Die Linke: Umfassende Erweiterung und Demokratisierung

Die Lin­ke for­dert eine weit­rei­chen­de Erwei­te­rung der Mit­be­stim­mungs­rech­te von Betriebs­rä­ten und eine stär­ke­re Demo­kra­ti­sie­rung der Wirt­schaft. Sie strebt ein Veto­recht für Betriebs­rä­te bei wich­ti­gen Unter­neh­mens­ent­schei­dun­gen an, wie Stand­ort­ver­la­ge­run­gen, Per­so­nal­pla­nung und Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen. Zudem for­dert Die Lin­ke eine pari­tä­ti­sche Mit­be­stim­mung in Auf­sichts­rä­ten bereits ab 500 Beschäf­tig­ten.

Die Par­tei möch­te die Grün­dung von Betriebs­rä­ten erleich­tern und Behin­de­run­gen streng ahn­den. Auch die Aus­wei­tung der Mit­be­stim­mung auf neue Arbeits­for­men, wie die Platt­form­ar­beit, gehört zu ihren zen­tra­len For­de­run­gen. Sie sieht in der Mit­be­stim­mung ein fun­da­men­ta­les Instru­ment, um sozia­le Ungleich­hei­ten zu bekämp­fen und die Rech­te der Arbeit­neh­mer nach­hal­tig zu stär­ken.

Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Starke Arbeitnehmerrechte

Das Bünd­nis Sahra Wagen­knecht (BSW) betont die Stär­kung der Arbeit­neh­mer­rech­te als einen Kern­punkt ihrer Poli­tik. Das BSW spricht sich für star­ke Betriebs­rä­te und zeit­ge­mä­ße Mit­be­stim­mungs­rech­te aus und möch­te Betriebs­rats­grün­dun­gen erleich­tern, unter ande­rem durch einen bes­se­ren Kün­di­gungs­schutz für die Initia­to­ren von Betriebs­rats­wah­len.

Forderungen der Sozialpartner: IG Metall und DGB

Die Gewerk­schaf­ten spie­len eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Gestal­tung der Arbeits­markt­po­li­tik.

IG Metall: Industriepolitik und Stärkung der Tarifautonomie

Die IG Metall hat anläss­lich der Bun­des­tags­wahl 2025 umfas­sen­de For­de­run­gen an die neue Bun­des­re­gie­rung for­mu­liert, die auf die Siche­rung des Indus­trie­stand­orts Deutsch­land und gute Arbeits­be­din­gun­gen abzie­len. Sie betrach­tet die Tarif­au­to­no­mie und Mit­be­stim­mung als unver­zicht­ba­re Ele­men­te für eine zukunfts­fä­hi­ge und kli­ma­neu­tra­le Wirt­schaft.

Zu den zen­tra­len For­de­run­gen der IG Metall gehö­ren:

  • Ein Akti­ons­plan zur För­de­rung von Tarif­ver­hand­lun­gen und zur Erhö­hung der Tarif­bin­dung, in Ein­klang mit der EU-Min­dest­lohn­richt­li­nie.
  • Ein Bun­des­ta­rif­treue­ge­setz zur Bekämp­fung von Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen und Lohn­dum­ping.
  • Die Siche­rung von Arbeits­plät­zen, die Stär­kung guter Arbeit und eine offen­si­ve Indus­trie­po­li­tik.
  • Mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in Infra­struk­tur, Bil­dung und Digi­ta­li­sie­rung, bei­spiels­wei­se ein Inves­ti­ti­ons­pa­ket von min­des­tens 600 Mil­li­ar­den Euro über zehn Jah­re.
  • Die Anpas­sung der Mit­be­stim­mungs­rech­te an die Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung und des Kli­ma­schut­zes.
  • Ein kla­res Bekennt­nis zum Streik­recht und die Ableh­nung jeg­li­cher Ein­schrän­kun­gen.

Die Gewerk­schaft drängt auf eine zügi­ge Regie­rungs­bil­dung nach der Wahl, um schnell kla­re Per­spek­ti­ven für Beschäf­tig­te und Wirt­schaft zu schaf­fen.

DGB: Starker Sozialstaat und umfassende Mitbestimmung

Der Deut­sche Gewerk­schafts­bund (DGB) for­dert von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung einen star­ken Sozi­al­staat und sieht in mehr Guter Arbeit, mehr Mit­be­stim­mung, mehr Qua­li­fi­zie­rung und einer deut­lich höhe­ren Tarif­bin­dung unver­zicht­ba­re Ele­men­te jeder Moder­ni­sie­rungs­stra­te­gie. Er unter­stützt die For­de­run­gen nach einer umfas­sen­den Reform des Betriebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes und der Aus­wei­tung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten.

Der DGB betont, dass die Gewerk­schaf­ten mit ihrer Tarif­po­li­tik und der Mit­be­stim­mung unser Land prä­gen und in schwie­ri­gen Zei­ten Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Er for­dert zudem, die Zie­le und Kri­te­ri­en der EU-Min­dest­lohn­richt­li­nie bei der Ent­wick­lung des Min­dest­lohns zwin­gend zu berück­sich­ti­gen, mit einem Refe­renz­wert von 60 % des Medi­an­lohns von Voll­zeit­be­schäf­tig­ten.

Fazit

Die Bun­des­tags­wahl 2025 wird ent­schei­dend für die zukünf­ti­ge Aus­rich­tung der Arbeit­neh­mer­rech­te und der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung in Deutsch­land. Wäh­rend SPD, Grü­ne und Die Lin­ke eine sub­stan­zi­el­le Erwei­te­rung und Stär­kung der Arbeit­neh­mer­be­tei­li­gung anstre­ben, kon­zen­trie­ren sich CDU/CSU auf eine Moder­ni­sie­rung im Kon­text der Digi­ta­li­sie­rung. Die FDP hin­ge­gen setzt auf Dere­gu­lie­rung und mehr Fle­xi­bi­li­tät. Gewerk­schaf­ten wie die IG Metall und der DGB for­dern von der Poli­tik ent­schlos­se­ne Maß­nah­men zur Siche­rung des Indus­trie­stand­orts, zur Stär­kung der Tarif­au­to­no­mie und zur Aus­wei­tung der Mit­be­stim­mung, um den sozia­len und öko­lo­gi­schen Wan­del gerecht zu gestal­ten. Die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler haben die Mög­lich­keit, durch ihre Stim­me Ein­fluss auf die Rah­men­be­din­gun­gen der Arbeits­welt der kom­men­den Jah­re zu neh­men, wobei die Dis­kus­sio­nen um Mit­be­stim­mung, Tarif­bin­dung und Sozi­al­part­ner­schaft zen­tra­le The­men des Wahl­kamp­fes bil­den.

Weiterführende Quellen

https://www.humanresourcesmanager.de/arbeitsrecht/wahlprogrammanalyse-aus-arbeitsrechtlicher-sicht/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2025

https://www.cdu.de/wahlprogramm-von-cdu-und-csu/

https://www.wsi.de/de/blog-17857-tarifbindung-mindestlohn-was-wollen-die-parteien-66033.htm

https://www.dgb.de/fileadmin/download_center/Positionen_und_Thesen/DGB-Zentrale_gewerkschaftliche_Anforderungen_zur_Bundestagswahl_2025.pdf