Bits & Bäume NRW 2026: Nachhaltige Digitalisierung in NRW gemeinsam gestalten

Bits & Bäume NRW 2026: Nachhaltige Digitalisierung in NRW gemeinsam gestalten

Die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ist in der heu­ti­gen Arbeits­welt längst kein Selbst­zweck mehr, son­dern muss zwin­gend mit den Zie­len der öko­lo­gi­schen und sozia­len Nach­hal­tig­keit ver­knüpft wer­den. Für Betriebs­rä­te in Nord­rhein-West­fa­len stellt sich dabei die zen­tra­le Fra­ge, wie der tech­no­lo­gi­sche Wan­del in den Betrie­ben so mode­riert wer­den kann, dass er nicht nur die betrieb­li­che Effi­zi­enz stei­gert, son­dern gleich­zei­tig wert­vol­le Res­sour­cen schont und die sozia­le Gerech­tig­keit för­dert. Die Kon­fe­renz „Bits & Bäu­me NRW 2026“, die im Maker Space der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum statt­fin­det, lie­fert hier­für die ent­schei­den­den Impul­se. Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter ste­hen vor der kom­ple­xen Her­aus­for­de­rung, die soge­nann­te „Twin Trans­for­ma­ti­on“ – den gleich­zei­ti­gen grü­nen und digi­ta­len Wan­del – aktiv und rechts­si­cher zu beglei­ten. Dabei geht es weit über die blo­ße Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Ser­ver­struk­tu­ren hin­aus; gefor­dert ist eine ganz­heit­li­che Betrach­tung von Soft­ware-Ein­füh­run­gen, Hard­ware-Lebens­zy­klen und fai­ren Arbeits­be­din­gun­gen in glo­ba­len Wert­schöp­fungs­ket­ten. Die betrieb­li­che Mit­be­stim­mung fun­giert hier­bei als ent­schei­den­der Hebel, um eine zukunfts­fä­hi­ge und nach­hal­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung im Sin­ne der Beschäf­tig­ten zu ver­an­kern.

Die Konferenz in Bochum: Vernetzung von Zivilgesellschaft und Betriebspraxis

Am 5. und 6. März 2026 wird der Maker Space der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum zum zen­tra­len Kno­ten­punkt für den inter­dis­zi­pli­nä­ren Dia­log zur digi­ta­len Nach­hal­tig­keit. Die Ver­an­stal­tung Bits & Bäu­me NRW 2026 führt Akteu­re aus der Wis­sen­schaft, der Poli­tik und ins­be­son­de­re der Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen zusam­men, um die spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen der NRW-Wirt­schaft zu dis­ku­tie­ren. Für die Betriebs­rats­ar­beit ist die­ser Aus­tausch von unschätz­ba­rem Wert, da die dort ent­wi­ckel­ten Kon­zep­te den theo­re­ti­schen Rah­men für die moder­ne Gestal­tung der Arbeits­welt lie­fern.

Der Stand­ort Bochum sym­bo­li­siert dabei den tief­grei­fen­den Struk­tur­wan­del der Regi­on: Wo frü­her schwe­re Indus­trie domi­nier­te, ent­ste­hen heu­te inno­va­ti­ve Kon­zep­te für eine sozi­al gerech­te Digi­ta­li­sie­rung. Der Fokus liegt auf dem Wis­sens­aus­tausch, der über rein tech­ni­sche Aspek­te hin­aus­geht und die gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men in den Vor­der­grund rückt. Betriebs­rä­te erhal­ten auf der Kon­fe­renz Zugang zu Exper­ti­sen, die sie befä­hi­gen, die Trans­for­ma­ti­on in ihren eige­nen Gre­mi­en nicht nur zu ver­wal­ten, son­dern pro­ak­tiv mit­zu­ge­stal­ten. Die Ver­net­zung mit zivil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen schärft zudem den Blick für The­men wie glo­ba­le Gerech­tig­keit und öko­lo­gi­sche Lang­zeit­fol­gen digi­ta­ler Infra­struk­tu­ren, die in klas­si­schen Ver­hand­lungs­si­tua­tio­nen oft ver­nach­läs­sigt wer­den. Die­ser inter­dis­zi­pli­nä­re Ansatz ist essen­zi­ell, um die betrieb­li­che Pra­xis an die Erfor­der­nis­se einer kli­ma­neu­tra­len und digi­tal sou­ve­rä­nen Wirt­schaft anzu­pas­sen.

Sozial-ökologische Leitplanken: Digitalisierung menschengerecht gestalten

Eine nach­hal­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung erfor­dert die Eta­blie­rung kla­rer sozi­al-öko­lo­gi­scher Leit­plan­ken, die über die rein öko­no­mi­sche Ver­wert­bar­keit hin­aus­ge­hen. Im Zen­trum steht hier­bei die men­schen­ge­rech­te Gestal­tung von Arbeits­pro­zes­sen. Das bedeu­tet kon­kret, dass bei der Aus­wahl und Ein­füh­rung neu­er IT-Sys­te­me nicht nur deren Funk­tio­na­li­tät, son­dern auch deren öko­lo­gi­scher Fuß­ab­druck sowie ihre sozia­len Aus­wir­kun­gen bewer­tet wer­den müs­sen. In die­sem Zusam­men­hang spielt das Soft­ware-Design eine ent­schei­den­de Rol­le: Res­sour­cen­in­ten­si­ve Anwen­dun­gen, die unnö­tig hohe Rechen­leis­tun­gen for­dern, wider­spre­chen dem Gedan­ken der Res­sour­cen-Effi­zi­enz.

Eben­so kri­tisch sind algo­rith­mi­sche Sys­te­me und Anwen­dun­gen der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) zu betrach­ten. Eine fai­re Digi­ta­li­sie­rung muss sicher­stel­len, dass sol­che Sys­te­me nach ethi­schen Stan­dards – der soge­nann­ten Algo­rith­men-Ethik – gestal­tet sind. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Bar­rie­re­frei­heit und den Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te gemäß DSGVO. Ein am Gemein­wohl ori­en­tier­ter Ein­satz von Tech­nik bedeu­tet, Dis­kri­mi­nie­rungs­ri­si­ken durch auto­ma­ti­sier­te Ent­schei­dun­gen aus­zu­schlie­ßen und die digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät der Beschäf­tig­ten zu wah­ren. Betriebs­rä­te müs­sen dar­auf drin­gen, dass tech­no­lo­gi­sche Neue­run­gen die Arbeits­be­las­tung redu­zie­ren, anstatt durch ver­stärk­te Über­wa­chung oder Arbeits­ver­dich­tung neu­en Druck zu erzeu­gen.

Die Ver­bin­dung von öko­lo­gi­scher Ver­ant­wor­tung und sozia­ler Sicher­heit bil­det das Fun­da­ment für eine lang­fris­ti­ge Akzep­tanz des digi­ta­len Wan­dels in der Beleg­schaft. Wenn Soft­ware­lö­sun­gen so kon­zi­piert sind, dass sie sowohl die Pri­vat­sphä­re schüt­zen als auch den Ener­gie­ver­brauch mini­mie­ren, wird die Digi­ta­li­sie­rung zu einem ech­ten Werk­zeug für eine nach­hal­ti­ge Unter­neh­mens­ent­wick­lung. Die­se inhalt­li­che Brü­cke bil­det die Vor­aus­set­zung, um im nächs­ten Schritt die recht­li­chen Instru­men­te der Mit­be­stim­mung gezielt ein­zu­set­zen.

Rechtlicher Rahmen: Mitbestimmungsrechte bei IT und Nachhaltigkeit

Die erfolg­rei­che Beglei­tung der Twin Trans­for­ma­ti­on erfor­dert eine fun­dier­te juris­ti­sche Basis. Das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) bie­tet hier­bei weit umfas­sen­de­re Hebel, als in der täg­li­chen Pra­xis oft wahr­ge­nom­men wer­den. Den Aus­gangs­punkt bil­det der all­ge­mei­ne Auf­ga­ben­ka­ta­log des Betriebs­rats gemäß § 80 BetrVG. Ins­be­son­de­re § 80 Abs. 1 Nr. 9 BetrVG ver­pflich­tet das Gre­mi­um, die Durch­füh­rung von Maß­nah­men des Umwelt­schut­zes im Betrieb zu för­dern. In Ver­bin­dung mit § 80 Abs. 1 Nr. 2 und 2a BetrVG, die die Beschäf­ti­gungs­si­che­rung und die Per­so­nal­pla­nung adres­sie­ren, ergibt sich ein kla­rer Auf­trag: Digi­ta­li­sie­rung muss so gestal­tet wer­den, dass sie sowohl öko­lo­gisch ver­träg­lich als auch sozi­al sicher ist.

Der stärks­te Hebel bei der Ein­füh­rung neu­er Sys­te­me bleibt jedoch das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Wäh­rend die­ses Recht klas­si­scher­wei­se zur Abwehr von Über­wa­chungs­druck genutzt wird, lässt es sich im Kon­text der Nach­hal­tig­keit erwei­tern. Eine moder­ne IT-Betriebs­ver­ein­ba­rung kann qua­li­ta­ti­ve Anfor­de­run­gen an Soft­ware defi­nie­ren, die über den rei­nen Daten­schutz hin­aus­ge­hen. Hier­zu zählt etwa die For­de­rung nach res­sour­cen­scho­nen­der Pro­gram­mie­rung („Green Coding“) oder die Ver­pflich­tung, bei der Ein­füh­rung neu­er Sys­te­me deren Ener­gie­ef­fi­zi­enz nach­zu­wei­sen.

Dar­über hin­aus gewin­nen die neu­en Berichts­pflich­ten im Rah­men des ESG-Report­ing (Envi­ron­men­tal, Social, Gover­nan­ce) an Bedeu­tung. Unter­neh­men müs­sen zuneh­mend trans­pa­rent dar­le­gen, wie sie ihre Nach­hal­tig­keits­zie­le errei­chen. Der Betriebs­rat kann hier­auf Bezug neh­men und ver­lan­gen, dass IT-Inves­ti­tio­nen mit die­sen Zie­len im Ein­klang ste­hen. Auch die Ein­hal­tung der DSGVO ist in die­sem Zusam­men­hang nicht iso­liert zu betrach­ten: Daten­spar­sam­keit ist nicht nur ein recht­li­ches Gebot des Daten­schut­zes, son­dern redu­ziert durch gerin­ge­re Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten und Rechen­las­ten unmit­tel­bar den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck der IT-Infra­struk­tur. Die Mit­be­stim­mung fun­giert somit als ord­nen­des Ele­ment, das öko­lo­gi­sche Not­wen­dig­kei­ten in ver­bind­li­che betrieb­li­che Nor­men über­setzt.

Praxistransfer: Strategien für nachhaltige Betriebsvereinbarungen

Um die Impul­se der Kon­fe­renz in Bochum effek­tiv zu nut­zen, müs­sen Betriebs­rä­te eine geziel­te Ver­hand­lungs­stra­te­gie ent­wi­ckeln, die Nach­hal­tig­keits­aspek­te fest in den betrieb­li­chen All­tag inte­griert. Ein zen­tra­les Hand­lungs­feld ist dabei der Hard­ware-Life­cy­cle. Anstatt dem bran­chen­üb­li­chen Trend zu immer kür­ze­ren Aus­tausch­zy­klen zu fol­gen, kön­nen in Betriebs­ver­ein­ba­run­gen Min­dest­nut­zungs­zei­ten und Kri­te­ri­en für die Repa­rier­bar­keit von Gerä­ten fest­ge­schrie­ben wer­den. Green IT bedeu­tet in die­sem Zusam­men­hang, die Beschaf­fung von Hard­ware an öko­lo­gi­schen Güte­sie­geln und der lang­fris­ti­gen Sup­port­fä­hig­keit durch den Her­stel­ler aus­zu­rich­ten.

Ein wei­te­rer ent­schei­den­der Bau­stein für eine nach­hal­ti­ge IT-Stra­te­gie ist der Ein­satz von Open Source-Soft­ware. Offe­ne Sys­te­me bie­ten nicht nur eine höhe­re digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät und Trans­pa­renz, son­dern sind oft lang­le­bi­ger, da sie nicht durch künst­li­che Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten ver­al­ten. Für die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung bie­tet dies den Vor­teil, dass Anpas­sun­gen an spe­zi­fi­sche Bedürf­nis­se der Beleg­schaft leich­ter mög­lich sind, ohne neue, res­sour­cen­in­ten­si­ve Soft­ware­pa­ke­te erwer­ben zu müs­sen.

Im Bereich der Cloud-Nach­hal­tig­keit soll­te das Gre­mi­um kri­ti­sche Fra­gen zur Infra­struk­tur stel­len: Wo befin­den sich die Rechen­zen­tren und wie wer­den sie gekühlt? Der Betriebs­rat kann dar­auf drin­gen, Anbie­ter zu bevor­zu­gen, die ihre Ser­ver mit erneu­er­ba­ren Ener­gien betrei­ben und Abwär­me­kon­zep­te nut­zen. Auch die Gestal­tung mobi­ler Arbeit spielt hier hin­ein: Eine nach­hal­ti­ge Betriebs­ver­ein­ba­rung zur Tele­ar­beit soll­te auch die öko­lo­gi­schen Effek­te der genutz­ten Tools sowie die Redu­zie­rung von Pen­del­we­gen bilan­zie­ren. Indem der Betriebs­rat die­se Punk­te sys­te­ma­tisch in die Ver­hand­lun­gen ein­bringt, wird er vom blo­ßen Kon­trol­leur zum akti­ven Mit­ge­stal­ter einer zukunfts­fä­hi­gen, grü­nen Unter­neh­mens­stra­te­gie. Der Aus­tausch im Maker Space zeigt deut­lich: Wer heu­te die rich­ti­gen Fra­gen zur Tech­nik stellt, sichert die Arbeits­plät­ze und die Umwelt von mor­gen.

Fazit: Die Rolle der Arbeitnehmervertretung als Treiber der Transformation

Die nach­hal­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung hat sich längst von einem Nischen­the­ma der IT-Abtei­lung zu einem Kern­be­stand­teil stra­te­gi­scher Mit­be­stim­mung ent­wi­ckelt. Die Kon­fe­renz Bits & Bäu­me NRW 2026 ver­deut­licht, dass die Twin Trans­for­ma­ti­on nur dann gelin­gen kann, wenn Betriebs­rä­te ihre Rol­le als akti­ve Gestal­ter wahr­neh­men. Es reicht nicht aus, tech­no­lo­gi­sche Neue­run­gen ledig­lich auf ihre Kon­for­mi­tät mit dem Daten­schutz zu prü­fen; viel­mehr muss das Gre­mi­um öko­lo­gi­sche Effi­zi­enz und sozia­le Gerech­tig­keit als gleich­wer­ti­ge Ziel­grö­ßen in der Betriebs­po­li­tik ver­an­kern.

Der „Bochu­mer Geist“ – geprägt durch den inter­dis­zi­pli­nä­ren Dia­log im Maker Space – bie­tet hier­für das not­wen­di­ge Fun­da­ment. Wenn Betriebs­rä­te die Impul­se zur Res­sour­cen-Effi­zi­enz und digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät kon­se­quent in ihre Ver­hand­lungs­stra­te­gien inte­grie­ren, sichern sie nicht nur die Zukunfts­fä­hig­keit der Arbeits­plät­ze, son­dern leis­ten einen mess­ba­ren Bei­trag zum Kli­ma­schutz in der NRW-Arbeits­welt. Die Trans­for­ma­ti­on ist kein pas­si­ver Pro­zess, son­dern ein gestalt­ba­res Feld, auf dem die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung heu­te die Stan­dards für die Betriebs­kul­tur von mor­gen setzt.

Weiterführende Quellen