Change Leadership: Strategien, um den organisationalen Wandel erfolgreich zu führen

Change Leadership: Strategien, um den organisationalen Wandel erfolgreich zu führen

Der orga­ni­sa­to­ri­sche Wan­del ist in der moder­nen Arbeits­welt eine Kon­stan­te, getrie­ben durch tech­no­lo­gi­sche Dis­rup­ti­on, vola­ti­le Märk­te und neue Mit­ar­bei­ter­an­for­de­run­gen. Den­noch schei­tern Schät­zun­gen zufol­ge ein Groß­teil aller Chan­ge-Pro­jek­te, oft auf­grund man­gel­haf­ter Füh­rung. Hier setzt Chan­ge Lea­der­ship an: Es ist nicht gleich­zu­set­zen mit tra­di­tio­nel­lem Chan­ge Manage­ment, das sich pri­mär auf Pro­zes­se kon­zen­triert. Chan­ge Lea­der­ship ist viel­mehr eine pro­ak­ti­ve, men­schen­zen­trier­te Fähig­keit, die Orga­ni­sa­tio­nen befä­higt, Über­gangs­pha­sen nicht nur zu über­ste­hen, son­dern als Chan­ce zu nut­zen. Der Schlüs­sel liegt in der Visi­on, der Inspi­ra­ti­on und der Mobi­li­sie­rung der Beleg­schaft. Die­ser Arti­kel beleuch­tet die ent­schei­den­den Stra­te­gien, die Füh­rungs­kräf­te und Betriebs­rä­te benö­ti­gen, um den orga­ni­sa­tio­na­len Wan­del erfolg­reich zu steu­ern und Wider­stän­de kon­struk­tiv zu bewäl­ti­gen.

Change Leadership versus Change Management: Eine begriffliche Abgrenzung

Um die stra­te­gi­sche Bedeu­tung von Chan­ge Lea­der­ship zu ver­ste­hen, ist eine kla­re Unter­schei­dung zum Chan­ge Manage­ment not­wen­dig. Obwohl die Begrif­fe oft syn­onym ver­wen­det wer­den, adres­sie­ren sie unter­schied­li­che Aspek­te der Trans­for­ma­ti­on.

Chan­ge Manage­ment (CM) ist pri­mär pro­zess­ori­en­tiert und struk­tu­rell. CM befasst sich mit der Pla­nung, Steue­rung und Kon­trol­le des Wan­dels. Es beinhal­tet die Anwen­dung sys­te­ma­ti­scher Tools und Metho­den, um sicher­zu­stel­len, dass eine defi­nier­te Ver­än­de­rung (z. B. die Ein­füh­rung neu­er IT-Sys­te­me, die Reor­ga­ni­sa­ti­on von Abtei­lun­gen) ter­min­ge­recht und im Rah­men des Bud­gets imple­men­tiert wird. CM beant­wor­tet die Fra­ge: Wie set­zen wir die tech­ni­schen oder struk­tu­rel­len Ände­run­gen um? Der Fokus liegt auf den Abläu­fen, der Risi­ko­be­wer­tung und der Ein­hal­tung von Zeit­plä­nen.

Chan­ge Lea­der­ship (CL) hin­ge­gen ist visi­ons- und men­schen­zen­triert (Peo­p­le Cen­tric). CL beant­wor­tet die Fra­ge: War­um müs­sen wir uns ver­än­dern und Was inspi­riert uns, die­sen Weg gemein­sam zu gehen? Chan­ge Lea­der agie­ren als Kata­ly­sa­to­ren und Kom­mu­ni­ka­to­ren. Ihre Auf­ga­be besteht dar­in, die Not­wen­dig­keit des Wan­dels glaub­wür­dig zu ver­mit­teln, die Beleg­schaft emo­tio­nal zu mobi­li­sie­ren und eine Kul­tur der Akzep­tanz zu för­dern. Wäh­rend CM plant, sorgt CL für die not­wen­di­ge Ener­gie und Moti­va­ti­on inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on.

Wenn ein Unter­neh­men bei­spiels­wei­se eine digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on durch­führt, struk­tu­riert das Chan­ge Manage­ment die Schu­lun­gen, migriert die Daten und passt die Hier­ar­chien an. Das Chan­ge Lea­der­ship sorgt dafür, dass die Mit­ar­bei­ter den Sinn die­ser Anstren­gung erken­nen und bereit sind, alte, beque­me Mus­ter zu ver­las­sen, um neue, noch unbe­kann­te Arbeits­wei­sen zu adap­tie­ren. Ohne eine star­ke CL schei­tert CM oft an man­geln­der Akzep­tanz oder pas­si­vem Wider­stand, selbst wenn die Pro­zes­se tech­nisch ein­wand­frei geplant sind. Erfolg­rei­cher orga­ni­sa­tio­na­ler Wan­del erfor­dert die Kom­bi­na­ti­on aus sta­bi­ler Pro­zess­füh­rung (CM) und inspi­rie­ren­der stra­te­gi­scher Aus­rich­tung (CL).

Die Rolle der Vision und die strategische Führung im organisationalen Wandel

Der Start­punkt jedes erfolg­rei­chen Wan­dels ist eine kla­re, zwin­gen­de Visi­on. Orga­ni­sa­to­ri­sche Trans­for­ma­tio­nen füh­ren unwei­ger­lich zu Unsi­cher­heit, da sie eta­blier­te Struk­tu­ren, Rou­ti­nen und Job-Sicher­hei­ten infra­ge stel­len. Die Visi­on dient in die­ser Pha­se als sta­bi­li­sie­ren­der Anker und rich­tungs­wei­sen­der Kom­pass.

Stra­te­gi­sche Füh­rung bedeu­tet hier, das War­um des Wan­dels über­zeu­gend zu kom­mu­ni­zie­ren. Es reicht nicht aus, ope­ra­ti­ve Not­wen­dig­kei­ten (z. B. Kos­ten­sen­kung) zu benen­nen. Chan­ge Lea­der müs­sen eine Erzäh­lung ent­wi­ckeln, die emo­tio­na­le Reso­nanz schafft und den Mit­ar­bei­tern Sinn­stif­tung ermög­licht. Die­se Mis­si­on muss ver­deut­li­chen, wie die Orga­ni­sa­ti­on nach der Trans­for­ma­ti­on bes­ser, rele­van­ter und erfolg­rei­cher sein wird – sowohl für Kun­den als auch für die Beleg­schaft selbst.

Die obers­te Füh­rungs­ebe­ne trägt die Ver­ant­wor­tung, die­se Visi­on nicht nur zu for­mu­lie­ren, son­dern sie auch kon­sis­tent vor­zu­le­ben. Jede stra­te­gi­sche Ent­schei­dung, jede Kom­mu­ni­ka­ti­ons­maß­nah­me und jedes Füh­rungs­han­deln muss auf die defi­nier­te Zukunfts­vi­si­on ein­zah­len. Die Har­vard Busi­ness School (HBS) betont, dass die Visi­on von der abs­trak­ten Theo­rie in die täg­li­che Arbeit über­setzt wer­den muss. Dies geschieht durch die Ver­knüp­fung der lang­fris­ti­gen Zie­le mit den spe­zi­fi­schen Auf­ga­ben der Mit­ar­bei­ter in ihren Teams.

Übersetzung der Vision in die Praxis

  1. Kas­ka­die­rung: Die über­ge­ord­ne­te Visi­on wird in spe­zi­fi­sche stra­te­gi­sche Zie­le für ein­zel­ne Geschäfts­be­rei­che her­un­ter­ge­bro­chen.
  2. Mess­bar­keit: Der Fort­schritt hin zur Visi­on muss anhand kla­rer Kenn­zah­len (Key Per­for­mance Indi­ca­tors) mess­bar gemacht wer­den.
  3. Kon­sis­tenz: Führt die Trans­for­ma­ti­on zu Per­so­nal­ab­bau oder tief­grei­fen­den Umstruk­tu­rie­run­gen, muss die Füh­rungs­kraft die Ver­bin­dung zur Visi­on auf­recht­erhal­ten. Der Wan­del muss als not­wen­di­ger Schritt zur lang­fris­ti­gen Siche­rung des Unter­neh­mens­zwecks und der ver­blei­ben­den Arbeits­plät­ze dar­ge­stellt wer­den.

Ein häu­fi­ger Fall­strick ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Visi­on nur ein­mal zu Beginn des Pro­zes­ses. Erfolg­rei­che Chan­ge Lea­der ver­ste­hen, dass die Visi­on kon­ti­nu­ier­lich wie­der­holt und in ver­schie­de­nen Kon­tex­ten neu ver­packt wer­den muss, um ihre stra­te­gi­sche Füh­rungs­rol­le über alle Pha­sen des Wan­dels hin­weg zu erfül­len. Nur wenn die Beleg­schaft über­zeugt ist, dass die Anstren­gun­gen des Wan­dels zu einem erstre­bens­wer­ten Ziel füh­ren, kann die not­wen­di­ge Ener­gie für die Trans­for­ma­ti­on mobi­li­siert wer­den.

Strategien zur Mobilisierung und zum Abbau von Widerständen

Ein orga­ni­sa­tio­na­ler Wan­del, selbst wenn er visio­när geführt wird, erzeugt natur­ge­mäß Wider­stän­de bei den Beschäf­tig­ten. Die­se sind sel­ten bös­wil­lig, son­dern grün­den in psy­cho­lo­gi­schen Grund­be­dürf­nis­sen: der Angst vor Ver­lust (Sta­tus, Kom­pe­tenz, Arbeits­platz), man­geln­der Kon­trol­le oder der Unsi­cher­heit bezüg­lich der zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen. Chan­ge Lea­der­ship muss die­se Reak­tio­nen nicht bekämp­fen, son­dern anti­zi­pie­ren und trans­for­mie­ren.

Die zen­tra­le Stra­te­gie zur Mobi­li­sie­rung und zum Abbau von Wider­stän­den ist der men­schen­zen­trier­te Ansatz (Human Cen­te­red). Die­ser stellt sicher, dass die von der Ver­än­de­rung Betrof­fe­nen zu akti­ven Betei­lig­ten wer­den.

Transparenz und Bi-Direktionale Kommunikation

Die Füh­rungs­kraft muss gewähr­leis­ten, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on über den Wan­del nicht nur trans­pa­rent, son­dern auch kon­sis­tent und wie­der­ho­lend erfolgt. Mit­ar­bei­ter benö­ti­gen eine kla­re Ant­wort auf die Fra­ge: „Was bedeu­tet das für mich?“

Effek­ti­ves Chan­ge Lea­der­ship eta­bliert Mecha­nis­men für bi-direk­tio­na­le Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das bedeu­tet, Füh­rungs­kräf­te sind pri­mär Zuhö­rer. Sie müs­sen Ängs­te aktiv abfra­gen und adres­sie­ren, anstatt sie zu igno­rie­ren. Nur wenn Beden­ken ernst genom­men wer­den, ent­steht psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit, die es Mit­ar­bei­tern ermög­licht, Risi­ken ein­zu­ge­hen und Neu­es zu ler­nen.

Partizipation und Co-Creation

Der größ­te Hebel zur Redu­zie­rung von Wider­stand ist die Par­ti­zi­pa­ti­on. Wenn Mit­ar­bei­ter früh­zei­tig in die Gestal­tung des Wan­dels ein­ge­bun­den wer­den (Co-Crea­ti­on), iden­ti­fi­zie­ren sie sich stär­ker mit dem Ergeb­nis. Dies kann durch die Ein­rich­tung von Quer­schnitts­teams, soge­nann­ten Chan­ge Agents oder Ambassa­dors, gesche­hen, die den Wan­del in ihren jewei­li­gen Abtei­lun­gen beglei­ten und Feed­back in die Füh­rungs­ebe­ne zurück­spie­len.

Par­ti­zi­pa­ti­on soll­te nicht nur sym­bo­lisch sein, son­dern kon­kre­te Ent­schei­dungs- und Gestal­tungs­spiel­räu­me eröff­nen. Wird den Beschäf­tig­ten ermög­licht, die Metho­den der Umset­zung oder die loka­len Anpas­sun­gen mit­zu­be­stim­men, wan­delt sich pas­si­ver Wider­stand in akti­ve Mit­ge­stal­tung.

Kapazitätsmanagement

Ein häu­fi­ger Grund für das Schei­tern von Chan­ge-Initia­ti­ven ist die Über­las­tung der Mit­ar­bei­ter. Wird der Wan­del als zusätz­li­che Auf­ga­be zur regu­lä­ren Arbeit wahr­ge­nom­men, führt dies zu Frus­tra­ti­on und Ableh­nung. Erfolg­rei­che Chan­ge Lea­der stel­len sicher, dass die Kapa­zi­tä­ten für die Trans­for­ma­ti­on rea­lis­tisch ein­ge­schätzt und zuge­wie­sen wer­den. Dies erfor­dert die kla­re Prio­ri­sie­rung von Auf­ga­ben und gege­be­nen­falls das tem­po­rä­re Ein­stel­len nicht-kri­ti­scher Rou­ti­ne­ar­bei­ten.

Der Ein­satz von men­schen­zen­trier­ten Tools zur Navi­ga­ti­on des Wider­stands ist dabei uner­läss­lich. Erfor­der­lich ist die Fähig­keit, Empa­thie in den Pro­zess ein­zu­brin­gen, um die Not­wen­dig­keit des Wan­dels (Visi­on) mit den Bedürf­nis­sen der Men­schen (Umset­zung) in Ein­klang zu brin­gen.

Kernkompetenzen und Fallstricke erfolgreicher Change Leader

Die erfolg­rei­che Füh­rung von Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen erfor­dert spe­zi­fi­sche Kom­pe­ten­zen, die über tra­di­tio­nel­le Manage­ment­fä­hig­kei­ten hin­aus­ge­hen. Ein Chan­ge Lea­der muss nicht nur Pro­zes­se steu­ern, son­dern Men­schen inspi­rie­ren und navi­gie­ren kön­nen.

Entscheidende Führungskompetenzen

  1. Emo­tio­na­le Intel­li­genz (EQ): Die Fähig­keit, die eige­nen Emo­tio­nen und die der Beleg­schaft zu erken­nen, zu ver­ste­hen und zu beein­flus­sen, ist fun­da­men­tal. Chan­ge Lea­der nut­zen Empa­thie, um Beden­ken vor­aus­schau­end zu erken­nen und Ver­trau­en auf­zu­bau­en. Ver­trau­en ist die Wäh­rung im Wan­del.
  2. Agi­li­tät und Adap­ti­vi­tät: In einem vola­ti­len Umfeld sind star­re Plä­ne hin­der­lich. Chan­ge Lea­der müs­sen agil sein. Sie pas­sen Stra­te­gien basie­rend auf Echt­zeit-Feed­back an, ohne die über­ge­ord­ne­te Visi­on aus den Augen zu ver­lie­ren. Sie sehen Miss­erfol­ge als Lern­ge­le­gen­hei­ten (Ite­ra­ti­ve Lear­ning).
  3. Sinn­stif­tung und Erzähl­kunst (Sto­rytel­ling): Die Visi­on muss in eine über­zeu­gen­de Erzäh­lung über­setzt wer­den. Ein erfolg­rei­cher Chan­ge Lea­der schafft ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis dafür, war­um der Wan­del not­wen­dig ist und wel­chen Wert er für die Orga­ni­sa­ti­on und jeden Ein­zel­nen stif­tet.
  4. Resi­li­enz: Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se sind lang­wie­rig und von Rück­schlä­gen beglei­tet. Füh­rungs­kräf­te müs­sen in der Lage sein, Rück­schlä­ge weg­zu­ste­cken und das Enga­ge­ment der Teams auf­recht­zu­er­hal­ten, ohne Pes­si­mis­mus zuzu­las­sen.

Häufige Fallstricke der Führung

Trotz bes­ter Absich­ten kön­nen Füh­rungs­kräf­te den Wan­del unbe­ab­sich­tigt sabo­tie­ren. Die häu­figs­ten Fall­stri­cke resul­tie­ren aus Fehl­ein­schät­zun­gen und man­geln­der Selbst­re­fle­xi­on:

  • Unter­schät­zung der Kom­ple­xi­tät und Kapa­zi­tät: Füh­rungs­kräf­te nei­gen dazu, den Umfang der erfor­der­li­chen Ver­än­de­rung zu ver­harm­lo­sen und die tat­säch­li­che Arbeits­be­las­tung der Teams zu igno­rie­ren. Sie erwar­ten, dass der Wan­del on top zur regu­lä­ren Arbeit erle­digt wird. Dies führt zur Burn­out-Gefahr und erhöht den Wider­stand.
  • Feh­len­de Kon­se­quenz: Der Wan­del wird als Pro­jekt mit Start- und End­da­tum betrach­tet. Fehlt die kon­sis­ten­te Ver­an­ke­rung neu­er Ver­hal­tens­wei­sen in der Unter­neh­mens­kul­tur, ver­pufft die Initia­ti­ve schnell (Chan­ge Back­lash).
  • Man­geln­de Selbst­re­fle­xi­on: Füh­rungs­kräf­te, die ihr eige­nes Ver­hal­ten nicht an die neu­en Anfor­de­run­gen anpas­sen, ver­lie­ren ihre Glaub­wür­dig­keit. Der Chan­ge Lea­der muss die Ver­än­de­rung vor­le­ben. Wenn die Füh­rungs­eta­ge wei­ter­hin alte Mus­ter zeigt, wird die Beleg­schaft dem Wan­del nicht fol­gen.
  • Zu viel „Busy Work“: Der Fokus liegt auf der Erstel­lung detail­lier­ter Plä­ne und Doku­men­te, anstatt auf der tat­säch­li­chen Umset­zung und dem Kon­takt mit den Mit­ar­bei­tern. Dies lenkt von der essen­zi­el­len Auf­ga­be der Mobi­li­sie­rung ab.

Erfolg­rei­ches Chan­ge Lea­der­ship erfor­dert daher neben stra­te­gi­scher Klar­heit vor allem emo­tio­na­le Stär­ke und die Fähig­keit zur ste­ti­gen Selbst­kor­rek­tur, um die Trans­for­ma­ti­on nach­hal­tig zu ver­an­kern.

Der Part des Betriebsrats bei der Begleitung von Veränderungsprozessen

Gera­de im deut­schen Arbeits­recht spielt der Betriebs­rat (BR) eine zen­tra­le Rol­le bei der Beglei­tung von Ver­än­de­run­gen, die das Per­so­nal betref­fen. Chan­ge Lea­der­ship, das auf Par­ti­zi­pa­ti­on und Trans­pa­renz setzt, fin­det im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) eine recht­li­che Ver­an­ke­rung. Der Betriebs­rat ist nicht pri­mär Wider­stand, son­dern ein stra­te­gi­scher Part­ner zur rechts­si­che­ren und sozi­al­ver­träg­li­chen Gestal­tung des Wan­dels.

Die Mitbestimmung bei Betriebsänderungen

Wenn der Wan­del eine Betriebs­än­de­rung im Sin­ne des § 111 BetrVG dar­stellt (z. B. Still­le­gung, Ver­la­ge­rung von Betriebs­tei­len, grund­le­gen­de Ände­run­gen der Orga­ni­sa­ti­on, der Betriebs­ab­läu­fe oder der Arbeits­plät­ze), hat der Arbeit­ge­ber den Betriebs­rat recht­zei­tig und umfas­send zu infor­mie­ren.

Die Kern­ele­men­te der Betei­li­gung sind:

  1. Inter­es­sen­aus­gleich: Hier­bei ver­han­deln Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat über das Ob und Wie der Betriebs­än­de­rung. Der Inter­es­sen­aus­gleich regelt die Durch­füh­rung und den zeit­li­chen Rah­men der Maß­nah­me.
  2. Sozi­al­plan: Die­ser dient dem Aus­gleich oder der Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le, die den Arbeit­neh­mern infol­ge der Betriebs­än­de­rung ent­ste­hen (§ 112 BetrVG). Dies ist beson­ders rele­vant bei Per­so­nal­ab­bau, Ver­set­zun­gen oder Qua­li­fi­zie­rungs­be­darf.

Proaktive Gestaltung der Übergangsphase

Der Betriebs­rat kann Chan­ge Lea­der­ship aktiv unter­stüt­zen, indem er die Mit­ar­bei­ter­per­spek­ti­ve früh­zei­tig ein­bringt und auf die Wah­rung des men­schen­zen­trier­ten Ansat­zes pocht:

  • Qua­li­fi­zie­rung und Schutz: Bei der Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gien oder Arbeits­me­tho­den hat der BR weit­rei­chen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te (§ 90, § 91, § 92 BetrVG). Der Betriebs­rat kann dar­auf bestehen, dass Schu­lungs- und Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men recht­zei­tig und aus­rei­chend finan­ziert wer­den, um die Beleg­schaft auf die neu­en Anfor­de­run­gen vor­zu­be­rei­ten.
  • Arbeits­zeit und Orga­ni­sa­ti­on: Aspek­te wie die Gestal­tung neu­er Arbeits­zeit­mo­del­le oder die Ein­füh­rung neu­er IT-Sys­te­me unter­lie­gen der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung nach § 87 BetrVG. Dies ermög­licht dem BR, die sozia­le Ver­träg­lich­keit des Wan­dels zu sichern.
  • Infor­ma­ti­ons­pflicht: Der Betriebs­rat muss über den Wirt­schafts­aus­schuss (§ 106 BetrVG) oder direkt über die Geschäfts­lei­tung stets über die wirt­schaft­li­che Lage und die Pla­nun­gen des Unter­neh­mens infor­miert wer­den. Nur so kann er die Not­wen­dig­keit der Ver­än­de­rung nach­voll­zie­hen und sie den Beschäf­tig­ten glaub­haft ver­mit­teln.

Indem der Betriebs­rat auf die rechts­si­che­re Umset­zung und die Ein­bin­dung der Beleg­schaft ach­tet, sorgt er dafür, dass der Wan­del auf einer brei­te­ren Basis akzep­tiert wird. Er ver­wan­delt poten­zi­el­le recht­li­che Fall­stri­cke und sozia­len Wider­stand in einen struk­tu­rier­ten, ver­han­del­ten Über­gang.

Fazit

Chan­ge Lea­der­ship ist die ent­schei­den­de, zukunfts­ori­en­tier­te Kom­pe­tenz, die Orga­ni­sa­tio­nen benö­ti­gen, um den kon­ti­nu­ier­li­chen Wan­del nicht nur zu ver­wal­ten, son­dern aktiv zu gestal­ten. Es unter­schei­det sich grund­le­gend vom pro­zess­fo­kus­sier­ten Chan­ge Manage­ment, indem es die Füh­rung (Lea­der­ship) in den Mit­tel­punkt stellt, getra­gen von einer kla­ren, sinn­stif­ten­den Visi­on.

Der Erfolg trans­for­ma­to­ri­scher Pro­jek­te hängt maß­geb­lich davon ab, ob Füh­rungs­kräf­te in der Lage sind, Ver­trau­en auf­zu­bau­en, emo­tio­na­le Intel­li­genz zu zei­gen und die Mit­ar­bei­ter zu mobi­li­sie­ren. Die Reduk­ti­on von Wider­stän­den gelingt nicht durch Zwang, son­dern durch trans­pa­ren­te, empa­thi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on und Par­ti­zi­pa­ti­on.

Für Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che und Betriebs­rä­te bedeu­tet dies, dass die tech­ni­sche Umset­zung des Wan­dels stets mit der sozia­len Gestal­tung Hand in Hand gehen muss. Wäh­rend das Manage­ment die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung vor­gibt, sichert der Betriebs­rat durch sei­ne Mit­be­stim­mungs­rech­te die sozia­le Abfe­de­rung und die nach­hal­ti­ge Akzep­tanz der Ver­än­de­run­gen in der Beleg­schaft.

Die Inves­ti­ti­on in wah­re Chan­ge Lea­der­ship – ver­stan­den als Fähig­keit, eine Orga­ni­sa­ti­on emo­tio­nal und stra­te­gisch durch Über­gangs­pha­sen zu füh­ren – ist somit kei­ne Opti­on, son­dern eine Not­wen­dig­keit zur lang­fris­ti­gen Siche­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit und der Zukunfts­fä­hig­keit des Unter­neh­mens.