Digitaler Wandel und Tradition: Der Streik der Lieferando-Fahrer am Tag der Arbeit in Frankfurt

Am 1. Mai trafen digitale Arbeitsmodelle auf traditionelle Arbeitskampfmaßnahmen: Lieferando-Fahrer in Frankfurt forderten während der traditionellen Mai-Kundgebung auf dem Römerberg lautstark einen Stundenlohn von 15 Euro. Unterstützt von Betriebsrat Denis Karaula, der die Zahl der streikenden Fahrer auf 800 bis 1000 schätzte, zeigte sich die Herausforderung der Mobilisierung in einer Branche, in der die „App der Arbeitsplatz“ ist.

Die Forderung nach einem Tarifvertrag steht im Zentrum des Konflikts, verstärkt durch die gerichtlichen Anfechtungen der Wahl mehrerer Betriebsräte durch den Mutterkonzern Just Takeaway. Dies spiegelt eine generelle Herausforderung wider, die die Einführung von Betriebsräten in Deutschland seit jeher begleitet. Historisch gesehen wurden Betriebsräte schon in der Weimarer Republik etabliert, sahen sich jedoch anfänglich dem Misstrauen der Gewerkschaften ausgesetzt, die sie als Mittel des Managements ansahen, um ohne Tarifverhandlungen mit den Arbeitnehmern zu verhandeln. Über die Jahre haben sich Betriebsräte jedoch als effektive Mittler zwischen Belegschaft und Management etabliert, mit klar definierten Aufgaben und Rechten, die durch Gesetze wie das Betriebsverfassungsgesetz geregelt sind.

Die jüngsten Gesetzesänderungen, wie das Betriebsrätemodernisierungsgesetz von 2021, haben die Rolle der Betriebsräte weiter gestärkt, insbesondere durch die Erweiterung der Mitbestimmungsrechte und die Ermöglichung virtueller Sitzungen, was in der digitalen Arbeitswelt von heute von entscheidender Bedeutung ist. Diese Anpassungen sind ein Zeichen dafür, dass die Rolle des Betriebsrats weiterhin an Bedeutung gewinnt, insbesondere in einer sich schnell verändernden Arbeitsumgebung.

Der Fall Lieferando in Frankfurt zeigt deutlich, dass die Digitalisierung und der globale Wandel der Arbeitswelt neue Herausforderungen für Gewerkschaften und Betriebsräte darstellen. Aber auch in klassischen Betrieben gibt es viel zu tun, wie die gleichzeitigen Proteste der Mitarbeiter von Mercedes-Niederlassungen gegen den geplanten Verkauf der Autohäuser zeigen.