KI im Betrieb: Algorithmen werden zum zweiten Chef

Die Digi­ta­li­sie­rung hat eine neue Stu­fe erreicht: Künst­li­che Intel­li­genz (KI) ist längst kei­ne Zukunfts­vi­si­on mehr, son­dern rea­ler Bestand­teil betrieb­li­cher Abläu­fe. Ob bei der Ein­satz­pla­nung, der Leis­tungs­be­wer­tung oder der auto­ma­ti­sier­ten Vor­auswahl von Bewer­bun­gen – Algo­rith­men tref­fen zuneh­mend Ent­schei­dun­gen, die bis­lang mensch­li­chen Vor­ge­setz­ten vor­be­hal­ten waren. Für Betriebs­rä­te stellt sich damit eine fun­da­men­ta­le Fra­ge: Wie las­sen sich Mit­be­stim­mungs­rech­te wah­ren, wenn Maschi­nen zu fak­ti­schen Co-Chefs avan­cie­ren?

Die­ser Arti­kel beleuch­tet die recht­li­chen Grund­la­gen, typi­sche Anwen­dungs­fäl­le sowie kon­kre­te Hand­lungs­spiel­räu­me für Betriebs­rä­te im Umgang mit KI-Sys­­te­­men.

Die Relevanz des Themas: Warum jetzt gehandelt werden muss

Der Ein­satz von KI schrei­tet rasant vor­an. Laut einer Stu­die des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les nut­zen bereits über 40 Pro­zent der Unter­neh­men mit mehr als 100 Beschäf­tig­ten KI-gestüt­z­­te Sys­te­me – Ten­denz stark stei­gend. Beson­ders rele­vant wird dies für Betriebs­rä­te, weil KI nicht nur Pro­zes­se opti­miert, son­dern tief in die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­greift:

  • Per­so­nal­ent­wick­lung: Lern­platt­for­men ana­ly­sie­ren indi­vi­du­el­le Qua­li­fi­ka­ti­ons­lü­cken
  • Leis­tungs­steue­rung: Ech­t­­zeit-Dash­­boards bewer­ten Pro­duk­ti­vi­tät ein­zel­ner Mit­ar­bei­ten­der
  • Res­sour­cen­pla­nung: Pre­dic­ti­ve Ana­ly­tics pro­gnos­ti­zie­ren den Per­so­nal­be­darf auf Basis his­to­ri­scher Daten
  • Rekru­tie­rung: Chat­bots füh­ren Erst­in­ter­views durch, Algo­rith­men sor­tie­ren Lebens­läu­fe vor

Das Pro­blem dabei: Häu­fig erfährt der Betriebs­rat erst von die­sen Sys­te­men, wenn sie bereits imple­men­tiert sind oder ers­te Kon­flik­te auf­tre­ten. Dabei eröff­net § 80 Abs. 2 BetrVG dem Gre­mi­um ein umfas­sen­des Über­wa­chungs­recht bezüg­lich aller Maß­nah­men, die zuguns­ten der Arbeit­neh­mer wir­ken könn­ten. Und gera­de bei KI-Sys­­te­­men besteht ein erhöh­ter Kon­troll­be­darf, da deren Funk­ti­ons­wei­se oft intrans­pa­rent bleibt.

Pra­xis-Tipp: For­dern Sie früh­zei­tig Infor­ma­tio­nen über geplan­te KI-Ein­­füh­run­­gen an – idea­ler­wei­se noch vor der Test­pha­se. Spä­tes­tens nach Kennt­nis­nah­me soll­ten Sie Ihre Betei­li­gungs­rech­te aktiv gel­tend machen.

Rechtsgrundlage: § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG als Kernvorschrift

Der unbestimmte Rechtsbegriff „technische Überwachung“

Zen­tra­le Norm für die Mit­be­stim­mung bei KI-bezo­­ge­­nen Fra­gen ist § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Danach hat der Betriebs­rat mit­zu­be­stim­men bei „Ein­füh­rung und Anwen­dung von tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die dazu bestimmt sind, das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Arbeit­neh­mer zu über­wa­chen“.

Ent­schei­dend ist hier­bei der Begriff der „Bestim­mung“ zur Über­wa­chung. Er umfasst alle tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die objek­tiv geeig­net sind, Infor­ma­tio­nen über Ver­hal­ten oder Leis­tung von Arbeit­neh­men­den zu lie­fern – unab­hän­gig davon, ob die­se Funk­ti­on beab­sich­tigt ist. Dies wur­de vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in stän­di­ger Recht­spre­chung bestä­tigt (u.a. BAG, Urteil vom 16.08.2011 – 1 ABR 22/10).

Für KI-Sys­­te­­me bedeu­tet dies: Auch wenn die pri­mä­re Funk­ti­on eines Algo­rith­mus etwa in der Opti­mie­rung von Lie­fer­ket­ten liegt, kann er gleich­zei­tig unter­neh­me­ri­sche Über­wa­chungs­funk­tio­nen erfül­len, indem er Leis­tungs­da­ten ein­zel­ner Beschäf­tig­ter ver­ar­bei­tet. Bereits die­se Mög­lich­keit macht ihn mit­be­stim­mungs­pflich­tig.

Reichweite des Mitbestimmungsrechts

Die Mit­be­stim­mung erstreckt sich auf sämt­li­che Aspek­te rund um Ein­füh­rung und Anwen­dung sol­cher Sys­te­me:

| Bereich | Gegen­stand |
|———|————|
| Tech­nik | Aus­wahl der Hardware/Software, Schnitt­stel­len, Spei­cher­or­te |
| Orga­ni­sa­ti­on | Zeit­punkt der Ein­füh­rung, betrof­fe­ne Per­so­nen­grup­pen, Aus­schluss bestimm­ter Daten­ar­ten |
| Ver­fah­ren | Zugriffs­be­rech­ti­gun­gen, Lösch­kon­zep­te, Aus­wer­tungs­me­tho­den |

Wich­tig: Das Mit­be­stim­mungs­recht ist zwin­gend – eine Rege­lung ohne Zustim­mung des Betriebs­rats ist unwirk­sam. Zudem kön­nen Eini­gungs­stel­len­ent­schei­dun­gen gemäß § 85 Abs. 3 ArbGG gericht­lich nur begrenzt über­prüft wer­den.

Exkurs: Weitere relevante Normen

Neben § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG kom­men wei­te­re Vor­schrif­ten in Betracht:

  • § 90 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG: Unter­rich­tungs­pflicht des Arbeit­ge­bers bei Pla­nung neu­er Arbeits­ver­fah­ren
  • § 91 BetrVG: Bera­tungs­pflicht bei Ände­rung bestehen­der Arbeits­ab­läu­fe
  • § 95 Abs. 2a BetrVG: Neu­re­ge­lung seit 2021 – per­so­nel­le Aus­wahl­richt­li­ni­en dür­fen KI nicht dis­kri­mi­nie­rend ein­set­zen (gem. AGG)
  • DSGVO & BDSG: Daten­schutz­recht­li­che Gren­zen für KI-Ver­­ar­­bei­­tun­­gen (Art. 9 DSGVO, §§ 26, 49 BDSG)

Die­se Vor­schrif­ten ergän­zen das Mit­be­stim­mungs­in­stru­men­ta­ri­um, ändern aber nichts am grund­le­gen­den Cha­rak­ter des § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG als „Königs­weg“ der KI-Mit­­be­­stim­­mung.

Anwendungsfälle in der Praxis: Wo KI zur zweiten Führungskraft wird

Fallbeispiel 1: Automatisierte Schichtplanung in einem Logistikunternehmen

Ein mit­tel­stän­di­sches Ver­sand­zen­trum führ­te ein KI-Sys­­tem ein, das auf Basis von Pro­gno­se­mo­del­len täg­li­che Arbeits­ab­läu­fe plant. Der Algo­rith­mus berück­sich­tig­te dabei nicht nur Sen­dungs­vo­lu­mi­na, son­dern auch indi­vi­du­el­le Leis­tungs­da­ten der Beschäf­tig­ten – etwa Kom­mis­sio­nie­rungs­ge­schwin­dig­keit und Feh­ler­quo­ten. Die­se Daten flos­sen direkt in die Ver­ga­be von Prä­mi­en­zah­lun­gen ein.

Kon­flikt­punk­te:

  • Intrans­pa­ren­te Gewich­tung der Fak­to­ren
  • Man­geln­de Nach­voll­zieh­bar­keit für ein­zel­ne Mit­ar­bei­ten­de
  • Feh­len ver­bind­li­cher Regeln zur Nut­zung der Ergeb­nis­se

Lösungs­an­satz: Der Betriebs­rat setz­te per Eini­gungs­stel­le eine Rah­men­be­triebs­ver­ein­ba­rung durch, die ein­deu­ti­ge Kri­te­ri­en fest­legt, wel­che Daten für die Pla­nung genutzt wer­den dür­fen und wie die Ergeb­nis­se kom­mu­ni­ziert wer­den. Zusätz­lich wur­de ein exter­ner KI-Audi­­tor instal­liert, der regel­mä­ßig die Sys­tem­lo­gik über­prüft.

Fallbeispiel 2: KI-gestützte Videoanalysen in der Fertigung

In einem Indus­trie­be­trieb wur­den Kame­ras zur Qua­li­täts­kon­trol­le ein­ge­setzt. Ein Update der Soft­ware ermög­lich­te plötz­lich zusätz­lich die Ana­ly­se von Bewe­gungs­mus­tern der Beschäf­tig­ten – Rück­schlüs­se auf Pau­sen­ver­hal­ten und Ermü­dung waren mög­lich. Der Arbeit­ge­ber argu­men­tier­te, es hand­le sich ledig­lich um einen Neben­ef­fekt der Qua­li­täts­op­ti­mie­rung.

Pro­blem­stel­lung: Hier zeigt sich die beson­de­re Gefahr von Black-Box-Algo­ri­th­­men: Selbst Ent­wick­ler konn­ten zunächst nicht exakt erklä­ren, wel­che Para­me­ter die Soft­ware tat­säch­lich aus­wer­te­te.

Ergeb­nis: Das BAG stell­te klar, dass bereits die blo­ße tech­ni­sche Mög­lich­keit zur Über­wa­chung die Mit­be­stim­mungs­pflicht aus­löst – unab­hän­gig von der inten­dier­ten Haupt­funk­ti­on (BAG, Beschluss vom 13.12.2016 – 1 ABR 7/15). Der Betriebs­rat konn­te dar­auf­hin eine Ver­ein­ba­rung durch­set­zen, die die Deak­ti­vie­rung der Bewe­gungs­ana­ly­se vor­sah.

Fallbeispiel 3: KI-Risikobewertung im Gesundheitswesen

Eine Kran­ken­haus­ket­te tes­te­te ein Sys­tem, das Pfle­ge­kräf­te hin­sicht­lich ihrer Effi­zi­enz bei Doku­men­ta­ti­ons­tä­tig­kei­ten bewer­te­te. Die Soft­ware ver­glich Zeit­er­fas­sungs­wer­te mit Pati­en­ten­da­ten und gene­rier­te auto­ma­ti­sier­te Warn­mel­dun­gen an die Sta­ti­ons­lei­tun­gen.

Beson­der­heit: Hier ging es nicht um klas­si­sche Leis­tungs­mes­sung, son­dern um indi­rek­te Ablei­tung über Hilfs­va­ria­blen – ein Para­de­bei­spiel für den schlei­chen­den Über­gang von fach­li­cher Unter­stüt­zung hin zur per­so­nal­po­li­ti­schen Steue­rung.


Risiken für Betriebsräte: Typische Stolperfallen

Trotz kla­rer Rechts­la­ge lau­ern diver­se prak­ti­sche Hin­der­nis­se:

1. Informationsasymmetrie

Arbeit­ge­ber ver­fü­gen meist über weit grö­ße­re Exper­ti­se bezüg­lich der tech­ni­schen Details. Ohne eige­ne Sach­kennt­nis dro­hen Betriebs­rä­te zu rei­nen „Abnick-Gre­­mi­en“ zu dege­ne­rie­ren. Empi­ri­sche Stu­di­en zei­gen, dass vie­le Betriebs­rä­te man­gels IT-Kom­­pe­­tenz kaum Wider­stand gegen KI-Lösun­­gen leis­ten.

Emp­feh­lung: Inves­tie­ren Sie in Schu­lun­gen zur digi­ta­len Kom­pe­tenz und zie­hen Sie exter­ne Sach­ver­stän­di­ge gemäß § 111 Abs. 4 Satz 2 BetrVG hin­zu, sobald kom­ple­xe Sys­te­me the­ma­ti­siert wer­den.

2. Vorgezogene Fakten

Man­che Unter­neh­men imple­men­tie­ren KI-Anwen­­dun­­gen zunächst als Pilot­pro­jekt oder Test­lauf, bevor der Betriebs­rat infor­miert wird. Argu­men­ta­tiv heißt es dann häu­fig: „Es han­delt sich ja nur um einen Ver­such.“ Doch auch Tests fal­len unter § 98 Abs. 1 BetrVG bzw. § 92a BetrVG, wenn sie arbeits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Wir­kun­gen ent­fal­ten.

3. Komplexität der Interessenabwägung

Bei KI geht es sel­ten um ein­fa­che Ja/N­ein-Ent­­schei­­dun­­gen. Viel­mehr müs­sen dif­fe­ren­zier­te Rege­lun­gen gefun­den wer­den – etwa dar­über, wel­che Daten gespei­chert wer­den dür­fen, wer Zugriff erhält und wel­che Kon­se­quen­zen an KI-Erge­b­­nis­­se geknüpft sein dür­fen. Die­se Mul­ti­di­men­sio­na­li­tät erschwert Ver­hand­lun­gen erheb­lich.

4. Dynamische Weiterentwicklung

Anders als her­kömm­li­che Soft­ware ver­än­dern sich KI-Sys­­te­­me kon­ti­nu­ier­lich durch Lern­pro­zes­se. Eine ein­mal getrof­fe­ne Betriebs­ver­ein­ba­rung kann daher schnell ver­al­ten. Not­wen­dig sind des­halb Klau­seln, die eine dau­er­haf­te Beglei­tung sicher­stel­len – etwa regel­mä­ßi­ge Audit­pflich­ten und Eva­lua­ti­ons­ge­sprä­che.

Handlungsempfehlungen: So sichern Sie Ihre Position als Betriebsrat

Frühzeitig handeln statt reagieren

Ver­su­chen Sie, pro­ak­tiv The­men zu set­zen. Spre­chen Sie poten­zi­el­le KI-Anwen­­dun­­gen bereits in Wir­t­­schafts­­aus­­schuss- und Gesamt­be­triebs­rats­sit­zun­gen an, bevor kon­kre­te Plä­ne exis­tie­ren. Damit signa­li­sie­ren Sie Gestal­tungs­wil­len und ver­mei­den spä­te­re Ver­tei­di­gungs­po­si­tio­nen.

Verbindliche Leitplanken etablieren

Set­zen Sie auf Rah­men­be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, die gene­rel­le Prin­zi­pi­en für den KI-Ein­­satz defi­nie­ren:

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Mög­li­che Inhal­te:
– Zweck­bin­dung: Jede KI-Anwen­­dung benö­tigt expli­zi­ten Unter­neh­mens­zweck
– Trans­pa­renz: Offen­le­gung der wesent­li­chen Funk­ti­ons­wei­se gegen­über BR und AN
– Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot: Ver­pflich­tung zur Prü­fung auf algo­rith­mi­sche Fair­ness
– Human-in-the-loop: Mensch­li­che End­kon­trol­le bei allen beschäf­ti­gungs­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen
– Lösch­kon­zept: Kla­re Fris­ten für Daten­auf­be­wah­rung
– Sank­ti­ons­me­cha­nis­men: Bei Nicht­ein­hal­tung auto­ma­ti­sche Still­le­gung des Sys­tems
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Sol­che Rah­men­wer­ke haben den Charme, dass sie nicht jedes Detail regeln müs­sen, son­dern lang­fris­tig Ori­en­tie­rung bie­ten.

Detaillierte Umsetzung vertagen

Dort, wo spe­zi­fi­sche Anwen­dun­gen kon­kret wer­den, soll­te der Betriebs­rat auf detail­lier­te Ergän­zun­gen drän­gen – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich:

  • Wel­che indi­vi­du­el­len Leis­tungs­pro­fi­le dür­fen erstellt wer­den?
  • Wer darf Ein­sicht neh­men?
  • Wel­che Hand­lungs­kon­se­quen­zen für Beschäf­tig­te sind zuläs­sig?
  • Wie erfolgt die Infor­ma­ti­on der ein­zel­nen Betrof­fe­nen?

Externen Sachverstand einkaufen

Gera­de bei hoch­kom­ple­xen Model­len (Deep Lear­ning, neu­ro­na­le Net­ze) sto­ßen selbst erfah­re­ne Betriebs­rä­te an Gren­zen. Scheu­en Sie sich nicht, Gut­ach­ten finan­zie­ren zu las­sen – ent­we­der über den Arbeit­ge­ber (nach § 82 Abs. 2 BetrVG ana­log) oder not­falls über eige­nes Bud­get.

Regelmäßige Evaluation institutionalisieren

Ver­ein­ba­ren Sie ver­bind­li­che Review-Ter­­mi­­ne – min­des­tens zwei­mal jähr­lich –, bei denen gemein­sam geprüft wird, ob die KI wei­ter­hin rechts­kon­form arbei­tet. Gera­de bei ler­nen­den Sys­te­men bedarf es die­ser insti­tu­tio­nel­len Ver­an­ke­rung, sonst läuft alles ins Lee­re.

Fazit: Zwischen Kontrolle und Kooperation

KI-Sys­­te­­me stel­len Betriebs­rä­te vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen – doch sie bie­ten auch Chan­cen. Denn wer die Mit­be­stim­mung ernst nimmt, kann ent­schei­dend dar­an mit­wir­ken, dass Algo­rith­men nicht zu anony­men Schick­sals­bo­ten wer­den, son­dern par­ti­zi­pa­tiv gestal­te­te Werk­zeu­ge blei­ben.

Wich­tigs­ter Grund­satz dabei: Früh­zei­ti­ge Betei­li­gung ist bes­ser als spä­te Kon­fron­ta­ti­on. Je frü­her Betriebs­rä­te ihre Rech­te gel­tend machen, des­to eher gelingt es ihnen, tech­no­lo­gisch sinn­vol­le Lösun­gen mit sozi­al­ver­träg­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zu kom­bi­nie­ren. Letzt­lich zeigt sich: Im Kampf um fai­re digi­ta­le Arbeits­wel­ten kommt es weni­ger auf tech­no­lo­gi­sche Höchst­rüs­tung an als viel­mehr auf stra­te­gi­sche Klug­heit und beharr­li­ches Enga­ge­ment.

Und eines soll­te nie ver­ges­sen wer­den: Hin­ter jedem Algo­rith­mus ste­hen Men­schen, die ihn pro­gram­miert haben – und Men­schen, die sei­ne Ergeb­nis­se inter­pre­tie­ren. Genau dort lie­gen Ansatz­punk­te für men­schen­ge­rech­te Gestal­tung.