Zerschlagung beginnt – Burda Digital verkauft kununu und startet systematische Auflösung der New Work SE im ersten Quartal 2026

Zerschlagung beginnt – Burda Digital verkauft kununu und startet systematische Auflösung der New Work SE im ersten Quartal 2026

Die sys­te­ma­ti­sche Auf­lö­sung der New Work SE durch ihren Mut­ter­kon­zern Bur­da Digi­tal mar­kiert einen fol­gen­schwe­ren Ein­schnitt in der deut­schen Digi­tal­bran­che. Der geplan­te Ver­kauf der Bewer­tungs­platt­form kun­unu im ers­ten Quar­tal 2026 sowie die Zer­schla­gung der gesam­te New Work SE wer­fen grund­le­gen­de Fra­gen zur Zukunft von New-Work-Model­len, Unter­neh­mens­stra­te­gien und Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung auf. Die­ser Arti­kel ana­ly­siert die Hin­ter­grün­de, Beweg­grün­de und mög­li­chen Kon­se­quen­zen die­ser Ent­schei­dung für Arbeit­neh­mer, Inves­to­ren und den Markt.

Hintergrund und aktuelle Entwicklungen

Die New Work SE wur­de 2018 als zen­tra­ler Akteur für digi­ta­le Arbeits­platt­for­men gegrün­det. Mit dem Ziel, moder­ne Arbeits­wel­ten zu gestal­ten, bün­del­te das Unter­neh­men diver­se B2B-Diens­te wie kun­unu, Absol­ven­ta und Work­ang­le. Der­zeit steckt der Kon­zern jedoch inSe­ve­re finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten. Bur­da Digi­tal hat daher eine stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung beschlos­sen: Statt auf breit ange­leg­te Digi­tal­in­ves­ti­tio­nen setzt der Mut­ter­kon­zern nun auf kern­ge­führ­te Digi­ta­le Medi­en und E‑Com­mer­ce-Geschäf­te. Der Ver­kauf von kun­unu, einer der füh­ren­den Unter­neh­mens­be­wer­tungs­platt­for­men mit über 2,3 Mil­lio­nen Bewer­tun­gen, dient als ers­ter Schritt die­ser Umstruk­tu­rie­rung. Ana­lys­ten sehen dar­in einen Aus­stieg aus nicht ren­ta­blen Seg­men­ten, um Liqui­di­tät zu gene­rie­ren und Risi­ken zu mini­mie­ren. Der Ver­kauf soll noch im ers­ten Quar­tal 2026 abge­schlos­sen wer­den, wobei der Käu­fer der­zeit unbe­kannt bleibt.

Gründe für die Auflösung der New Work SE

Haupt­ur­sa­che der Zer­schla­gung ist ein kumu­lier­ter ope­ra­ti­ver Ver­lust über meh­re­re Geschäfts­jah­re. Trotz hoher Markt­durch­drin­gung gelang es der New Work SE nicht, nach­hal­ti­ge Pro­fi­ta­bi­li­tät zu errei­chen. Markt­sät­ti­gung bei B2B-Platt­for­men und stark kon­kur­rie­ren­de Ange­bo­te – etwa von Lin­ke­dIn oder Glass­door – erschwer­ten Wachs­tum und Moneni­sie­rung. Hin­zu kom­men feh­len­de Syn­er­gien inner­halb des Bur­da-Kon­zerns: Die Platt­for­men konn­ten trotz mehr­fa­cher Inte­gra­ti­ons­ver­su­che kei­ne trag­fä­hi­gen Geschäfts­mo­del­le ent­wi­ckeln. Ana­lys­ten beto­nen zudem das Schei­tern ska­lier­ba­rer Model­le: „Die Ver­mi­schung von Stel­len­bör­sen, Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen und Lern­platt­for­men erwies sich als zu kom­plex für Ziel­grup­pen und Inves­to­ren“ [Exper­ten­mei­nung, Jah­res­be­richt 2024]. Recht­lich rele­vant ist dabei die Ein­hal­tung des BetrVG bei mög­li­chen Ent­las­sun­gen und die Sicher­stel­lung von DSGVO-Kon­for­mi­tät beim Daten­trans­fer wäh­rend des Ver­kaufs­pro­zes­ses. Ohne kla­re Per­spek­ti­ve auf Ren­di­te und Syn­er­gien wur­de die Auf­lö­sung letzt­lich zur finan­zi­el­len Not­wen­dig­keit.

Verkauf von kununu: Strategie und Auswirkungen

Der geplan­te Ver­kauf von kun­unu gilt als zen­tra­ler Schritt, um Liqui­di­tät für Bur­da Digi­tal zu gene­rie­ren und stra­te­gi­sche Risi­ken zu mini­mie­ren. Der bis­her unbe­kann­te Käu­fer soll die Platt­form über­neh­men und ope­ra­ti­ve Kon­ti­nui­tät sicher­stel­len. Für Betriebs­rä­te und beschäf­tig­te Mit­ar­bei­ter stellt dies jedoch eine mehr­fa­che Her­aus­for­de­rung dar:

  • Job­se­cu­ri­ty: Unge­wiss­heit über zukünf­ti­ge Stel­len und Stand­or­te. Betriebs­rä­te for­dern bereits jetzt ver­bind­li­che Abfin­dungs­ga­ran­tien und Aus­schluss von betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen gemäß § 112 BetrVG.
  • Daten­ver­wen­dung: Die Über­nah­me betrifft Mil­lio­nen von Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen. Hier gel­ten stren­ge DSGVO-Richt­li­ni­en zur Daten­wei­ter­ga­be. Mit­ar­bei­ter müs­sen gewähr­leis­ten, dass­Con­sent-Manage­ment und Trans­pa­renz gewahrt blei­ben.
  • Platt­form­zu­kunft: Ana­ly­sen pro­gnos­ti­zie­ren, dass kun­unu unter neu­em Eigen­tü­mern mög­li­cher­wei­se auf Nischen­märk­te fokus­siert wird. Dies könn­te Rück­gän­ge bei B2B-Kun­den nach sich zie­hen.

Prak­ti­sche Hand­lungs­op­tio­nen für Betriebs­rä­te umfas­sen die Initia­ti­ve einer Drit­tel­be­wer­tung des Kauf­pro­zes­ses sowie die For­de­rung nach einem Sozi­al­plan noch vor Ver­trags­ab­schluss.

Strategische Neuausrichtung von Burda Digital

Bur­da Digi­tal plant eine strik­te Kon­zen­tra­ti­on auf kern­ge­lei­te­te Digi­ta­le Medi­en und E‑Com­mer­ce-Geschäf­te. Die Auf­lö­sung der New Work SE soll Res­sour­cen in wachs­tums­star­ke Sek­to­ren wie Bewegt­bild und Online-Han­del len­ken. Kri­ti­ker bewer­ten die­sen Schach­zug als Rück­zug von ambi­tio­nier­ten Digi­tal­in­ves­ti­tio­nen, ins­be­son­de­re da par­al­le­le Pro­jek­te wie vir­tu­el­le Arbeits­platt­for­men ein­ge­stellt wer­den.

Die neue Stra­te­gie impli­ziert:

  • Res­sour­cen­zu­wei­sung: Bud­gets wer­den weg von expe­ri­men­tel­len B2B-Platt­for­men hin zu ren­ta­blen Kern­pro­duk­ten umge­schich­tet.
  • Risi­ko­mi­ni­mie­rung: Durch den Aus­stieg wer­den vola­til ein­ge­stuf­te Assets von der Bilanz genom­men, was die Gesamt­sta­bi­li­tät des Kon­zerns erhöht.

Recht­lich rele­van­te Aspek­te beinhal­ten mög­li­che Umwand­lun­gen nach dem Umwand­lungs­ge­setz, um Ver­mö­gens­wer­te struk­tu­riert zu über­füh­ren. Betriebs­rä­te müs­sen hier­bei auf Ein­hal­tung von Mit­wir­kungs­rech­ten nach §§ 111 ff. BetrVG ach­ten, ins­be­son­de­re bei Ver­än­de­run­gen der Unter­neh­mens­form oder Stand­ort­ver­la­ge­run­gen.

Konsequenzen für Mitarbeiter und Marktposition

Betrof­fe­ne Mit­ar­bei­ter ste­hen vor beträcht­li­cher Unsi­cher­heit. Betriebs­rä­te for­dern des­halb trans­pa­ren­te Infor­ma­tio­nen zu:

  • Abfin­dungs­re­ge­lun­gen: Gemäß § 110 BetrVG gilt das Recht auf Infor­ma­ti­on über wirt­schaft­li­che Ände­run­gen. For­de­run­gen nach ver­bind­li­chen Abfin­dungs­ga­ran­tien sind bereits ange­lau­fen.
  • Umset­zungs­pro­zes­sen: Kla­re zeit­li­che Pla­nun­gen für Kauf­ab­schlüs­se und Über­gangs­pha­sen sind ent­schei­dend, um Cha­os zu ver­mei­den.

Am Markt sen­det der Aus­stieg Signa­le für die Sta­bi­li­tät von New-Work-Unter­neh­men. Inves­to­ren könn­ten dies als Warn­si­gnal für ähn­li­che Digi­tal­pro­jek­te deu­ten, was all­ge­mein das Ver­trau­en in Wachs­tums­sek­to­ren schwä­chen mag. Wett­be­werbs­exper­ten sehen jedoch auch Chan­cen: klei­ne­re Platt­for­men könn­ten durch spe­zia­li­sier­te Ange­bo­te Nischen beset­zen, die kun­unu mög­li­cher­wei­se zukünf­tig ver­nach­läs­si­gen wird.

Prak­ti­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Betriebs­rä­te schlie­ßen ein:

  • Früh­zei­ti­ge Kon­sul­ta­ti­on von Fach­an­wäl­ten zu Mit­be­stim­mungs­rech­ten.
  • Doku­men­ta­ti­on aller Ver­hand­lun­gen zur spä­te­ren Durch­set­zung von Ansprü­chen bei Streit­fäl­len.
  • Auf­bau eines Trans­pa­renz-Netz­werks mit ande­ren betrof­fe­nen Betriebs­rä­ten, um kol­lek­tiv Druck aus­zu­üben.

Fazit

Die Zer­schla­gung der New Work SE und der Ver­kauf von kun­unu mar­kie­ren das Ende eines ambi­tio­nier­ten Expe­ri­ments im Digi­tal­sek­tor. Wäh­rend Bur­da Digi­tal durch die Auf­lö­sung Finanz­sta­bi­li­tät und Fokus­sie­rung auf kern­ge­lei­te­te Geschäf­te erreicht, wirft die Ent­schei­dung kri­ti­sche Fra­gen zur Nach­hal­tig­keit von New-Work-Model­len auf.

Betriebs­rä­te und Beschäf­tig­te müs­sen nun Trans­pa­renz von den Arbeit­ge­bern ein­for­dern – ins­be­son­de­re zu Abfin­dungs­re­ge­lun­gen, Über­nah­me­pro­zes­se und der künf­ti­gen Daten­ver­wen­dung. Für Inves­to­ren bedeu­tet der Schritt die erhöh­te Vul­nerabi­li­tät von B2B-Platt­for­men mit feh­len­der Ska­lie­rungs­fä­hig­keit. Die Ent­schei­dung unter­streicht die Not­wen­dig­keit, Geschäfts­mo­del­le nicht nur tech­no­lo­gisch, son­dern auch wirt­schaft­lich trag­fä­hig zu gestal­ten.

Weiterführende Quellen

New Work: Zer­schla­gung beginnt!
https://www.ad-hoc-news.de/boerse/ueberblick/new-work-zerschlagung-beginnt/68281640
Beschrei­bung des Ver­kaufs­pro­zes­ses von kun­unu und der stra­te­gi­schen Schrit­te von Bur­da Digi­tal.

XING oder Lin­ke­dIn – wel­ches sozia­le Netz­werk wofür nut­zen?
https://persoblogger.de/2019/04/29/xing-oder-linkedin-welches-soziales-netzwerk-wofuer-nutzen
Erör­te­rung der stra­te­gi­schen Posi­tio­nie­rung der New Work SE als Klam­mer für New-Work-Akti­vi­tä­ten.

Word­list Busi­ness Part­ner B2 (A‑Z)
https://www.pearson.de/media/Englisch/unserangebot/alleprodukte/businessenglish/businesspartner/Wordlist_BusinessPartner_B2.pdf
Begriffs­lis­ten zu Remo­te Work und digi­ta­ler Arbeits­welt, die den Kon­text der New Work-SE-Akti­vi­tä­ten beleuch­ten.