Lufthansa New Ways: Der große Stellenabbau beginnt — Was Betriebsräte wissen müssen

Die Luft­han­sa Group star­tet ihre größ­ten Umstruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men seit Jah­ren. Das inter­ne Pro­gramm „New Ways“ sieht einen Abbau von bis zu 4.000 Stel­len in der Ver­wal­tung bis 2030 vor. Die ers­te Pha­se beginnt jetzt mit etwa 550 Stel­len­aus­stie­gen. Was bedeu­tet das für die Beschäf­tig­ten — und wel­che Rol­le spielt der Betriebs­rat?

Das Programm „New Ways“ im Überblick

Hin­ter­grund und Zie­le: Bereits im Herbst 2025 kün­dig­te die Luft­han­sa Group an, bis zum Jahr 2030 rund 4.000 Stel­len in der Ver­wal­tung strei­chen zu wol­len. Das Ziel: Kos­ten sen­ken und die Effi­zi­enz stei­gern.

Die Zah­len der ers­ten Pha­se:

  • Stel­len­ab­bau (frei­wil­lig): ~550 Voll­zeit­stel­len ab sofort
  • Ver­la­ge­rung von Stel­len: ~1.500 Voll­zeit­stel­len bis 2027
  • Gesamt­ab­bau bis 2030: ~4.000 Stel­len lau­fend

Betrof­fe­ne Berei­che:

  • Luft­han­sa Air­lines (Kern­mar­ke)
  • Zen­tra­le Kon­zern­be­rei­che
  • Ver­wal­tungs­funk­tio­nen (Ver­trieb, Netz­werk­pla­nung)
  • Stand­ort Frank­furt (beson­ders stark betrof­fen)

Wie soll der Abbau stattfinden?

Frei­wil­li­ge Maß­nah­men im Vor­der­grund:

  • Auf­he­bungs­ver­trä­ge mit Abfin­dun­gen (typisch: 0,5–1,5 Monats­ge­häl­ter pro Jahr)
  • Bezahl­te, unwi­der­ruf­li­che Frei­stel­lun­gen (dua­les Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis mög­lich)

Ver­la­ge­rung von Jobs:

  • Bün­de­lung zen­tra­ler Auf­ga­ben (Ver­trieb, Netz­werk­pla­nung)
  • Ver­la­ge­rung an inter­na­tio­na­le Stand­or­te
  • Frank­furt beson­ders betrof­fen

Die Rolle des Betriebsrats

Der Betriebs­rat hat bei sol­chen Maß­nah­men umfas­sen­de Rech­te:

  • § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG — Über­wa­chungs­pflicht
  • § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG — Mit­be­stim­mung bei Ord­nungs­fra­gen
  • § 111 BetrVG — Betriebs­än­de­run­gen
  • § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG — Ord­nung des Betriebs

Was der Betriebs­rat jetzt tun soll­te:

  1. Früh­zei­tig infor­miert wer­den (§ 111 BetrVG — Betriebs­än­de­run­gen)
  2. Mit­be­stim­mung gel­tend machen (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 — Mit­be­stim­mung)
  3. Sach­ver­stän­di­ge hin­zu­zie­hen (§ 80 Abs. 3)
  4. Sozi­al­plan ver­han­deln (§ 112 BetrVG)

Was Beschäftigte wissen sollten

Rech­te bei Auf­he­bungs­ver­trä­gen:

  • Nie sofort unter­schrei­ben!
  • Rechts­prü­fung ein­ho­len
  • Abfin­dung ver­han­deln

Typi­sche Abfin­dungs­hö­hen:

  • Unter 1 Jahr: 0,5–1,0 Monats­ge­häl­ter
  • 1–5 Jah­re: 1,0–1,5 Monats­ge­häl­ter
  • Über 5 Jah­re: 1,5–2,0+ Monats­ge­häl­ter

Der größere Kontext

Der Luft­han­sa-Stel­len­ab­bau ist Teil eines grö­ße­ren Trends in der deut­schen Luft­fahrt. Unter­neh­men wie Air­bus (5.000 Stel­len bis 2027), ZF Fried­richs­ha­fen (4.500 Stel­len) und Thys­sen­krupp (2.000 Stel­len) ste­hen vor ähn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen.

Was bedeutet das für den Standort Deutschland?

Frank­furt als größ­ter Luft­fahrt­hub Euro­pas und wich­ti­ger Wirt­schafts­stand­ort ist über­pro­por­tio­nal betrof­fen. Die Ver­la­ge­rung von 1.500 Stel­len an inter­na­tio­na­le Stand­or­te könn­te die Attrak­ti­vi­tät des Stand­orts Deutsch­land lang­fris­tig schwä­chen.

Rolle der Gewerkschaften

ver.di kri­ti­siert den geplan­ten Abbau scharf: „Einen Kahl­schlag am Luft­han­sa-Boden zu Las­ten der Beschäf­tig­ten neh­men wir nicht hin“, erklär­te Mar­vin Resch­in­sky von ver.di. Die Gewerk­schaft warnt vor wei­te­ren Maß­nah­men zur Per­so­nal­kos­ten­ab­sen­kung.

Fazit

Der Stel­len­ab­bau bei der Luft­han­sa ist Teil eines grö­ße­ren Trends. Für Betriebs­rä­te bedeu­tet das: Pro­ak­tiv wer­den, Rech­te ken­nen, Netz­wer­ke nut­zen, Qua­li­fi­zie­rung vor­an­trei­ben.

Quel­len:

Hin­weis: Die­ser Arti­kel stellt kei­ne Rechts­be­ra­tung dar. Für kon­kre­te recht­li­che Fra­gen wen­den Sie sich bit­te an einen Rechts­an­walt oder Ihren Betriebs­rechts­be­ra­ter.