Bundeskanzler Friedrich Merz beruft neuen Rat für Nachhaltige Entwicklung

Mit der tur­nus­ge­mä­ßen Neu­be­ru­fung des Rats für Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (RNE) durch Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz im Janu­ar 2026 wird eine stra­te­gi­sche Wei­chen­stel­lung für die deut­sche Wirt­schafts­po­li­tik voll­zo­gen. Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che mar­kiert die­ser Schritt das Ende der Nach­hal­tig­keit als rei­nem „Image­fak­tor“ und den Beginn einer Pha­se, in der öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on direkt mit natio­na­ler Sicher­heit, tech­no­lo­gi­scher Sou­ve­rä­ni­tät und indus­tri­el­ler Resi­li­enz ver­knüpft wird. Die neue Zusam­men­set­zung des Gre­mi­ums, die ver­stärkt Exper­ti­se aus den Berei­chen Künst­li­che Intel­li­genz und stra­te­gi­sche Ver­tei­di­gung inte­griert, ver­deut­licht den mas­si­ven Ver­än­de­rungs­druck auf die hie­si­gen Arbeits­wel­ten. Der Betriebs­rat steht vor der Her­aus­for­de­rung, die­se glo­ba­len und natio­na­len Ziel­vor­ga­ben in die betrieb­li­che Pra­xis zu über­set­zen. Es gilt, die Trans­for­ma­ti­on gemäß der all­ge­mei­nen Auf­ga­ben­stel­lung nach § 80 BetrVG so mit­zu­ge­stal­ten, dass Beschäf­ti­gungs­si­che­rung und öko­lo­gi­sche Moder­ni­sie­rung Hand in Hand gehen, wäh­rend neue regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen die Mit­be­stim­mung for­dern.

Der RNE 2026: Strategische Neuausrichtung unter Friedrich Merz

Die durch das Bun­des­ka­bi­nett bestä­tig­te Beru­fung der 15 Mit­glie­der des Rats für Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung mar­kiert eine Zäsur in der deut­schen Bera­tungs­tra­di­ti­on. Unter der Füh­rung erfah­re­ner Köp­fe wie dem Leo­pol­di­na-Prä­si­den­ten Gerald H. Haug spie­gelt die Beset­zung ein neu­es Ver­ständ­nis von Nach­hal­tig­keit wider. Es geht nicht mehr pri­mär um eine mora­lisch gepräg­te Debat­te über Ver­zicht, son­dern um die Siche­rung der wirt­schaft­li­chen Sta­bi­li­tät des Stand­orts Deutsch­land. Der RNE fun­giert in sei­ner neu­en Amts­zeit bis 2028 als zen­tra­les Bera­tungs­gre­mi­um, das die Brü­cke zwi­schen öko­lo­gi­schen Not­wen­dig­kei­ten und einer offen­si­ven Inno­va­ti­ons­po­li­tik schlägt.

Für die betrieb­li­che Ebe­ne bedeu­tet die­ser Para­dig­men­wech­sel, dass Nach­hal­tig­keit als „har­ter“ Stand­ort­fak­tor begrif­fen wer­den muss. Die poli­ti­sche Inten­ti­on hin­ter der Neu­be­ru­fung zielt dar­auf ab, die deut­sche Indus­trie durch tech­no­lo­gi­sche Füh­rer­schaft zukunfts­fest zu machen. Trans­for­ma­ti­on wird hier­bei als Wett­be­werbs­vor­teil defi­niert. Betriebs­rä­te müs­sen erken­nen, dass die Emp­feh­lun­gen die­ses Gre­mi­ums unmit­tel­bar in gesetz­li­che Initia­ti­ven und För­der­richt­li­ni­en ein­flie­ßen, die den Rah­men für Inves­ti­tio­nen in den eige­nen Betrie­ben set­zen. Damit rückt die Arbeit des RNE direkt in das Sicht­feld des Wirt­schafts­aus­schus­ses gemäß § 106 BetrVG, da die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung des Unter­neh­mens zuneh­mend von der Erfül­lung die­ser neu­en Nach­hal­tig­keits­stan­dards abhängt.

Nachhaltigkeit als Sicherheits- und Resilienzstrategie

In der aktu­el­len Legis­la­tur­pe­ri­ode erfährt der Begriff der Nach­hal­tig­keit eine fun­da­men­ta­le Erwei­te­rung: Er wird zum Kern­be­stand­teil der natio­na­len Sicher­heits­ar­chi­tek­tur. Der neu beru­fe­ne Rat betont, dass die öko­no­mi­sche Unab­hän­gig­keit Deutsch­lands untrenn­bar mit dem Aus­stieg aus der fos­si­len Abhän­gig­keit ver­bun­den ist. Eine robus­te Resi­li­enz gegen­über glo­ba­len Kri­sen lässt sich nur durch den Auf­bau geschlos­se­ner Stoff­kreis­läu­fe und einer kon­se­quen­ten Kreis­lauf­wirt­schaft errei­chen. Dies ist kein rein öko­lo­gi­sches Pro­jekt, son­dern eine Stra­te­gie zur Siche­rung der hei­mi­schen Wert­schöp­fung.

Sta­bi­le und trans­pa­ren­te Lie­fer­ket­ten sind in die­sem Kon­text das Rück­grat der indus­tri­el­len Sou­ve­rä­ni­tät. Die Neu­aus­rich­tung des RNE legt nahe, dass Unter­neh­men, die ihre Lie­fer­we­ge nicht diver­si­fi­zie­ren und öko­lo­gisch trans­for­mie­ren, lang­fris­tig an Pla­nungs­si­cher­heit ver­lie­ren. Für die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen bedeu­tet die­se „Update-Nach­hal­tig­keit“, dass öko­lo­gi­sche The­men direkt die Exis­tenz­si­che­rung der Arbeits­plät­ze betref­fen. Wenn Roh­stoff­knapp­heit oder Ener­gie­preis­ri­si­ken durch man­geln­de Nach­hal­tig­keits­stra­te­gien den Betrieb gefähr­den, ist der Betriebs­rat im Rah­men sei­ner Mit­be­stim­mungs­rech­te bei der Per­so­nal­pla­nung (§ 92 BetrVG) und der Siche­rung der Beschäf­ti­gung gefor­dert. Die Resi­li­en­z­stra­te­gie des RNE bie­tet hier­bei das fach­li­che Fun­da­ment, um gegen­über der Geschäfts­füh­rung auf not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen in zukunfts­fä­hi­ge Tech­no­lo­gien und res­sour­cen­spa­ren­de Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se zu drän­gen. Die­ser Fokus auf Sicher­heit schafft die Grund­la­ge für eine tech­no­lo­gi­sche Moder­ni­sie­rung, die im nächs­ten Schritt durch digi­ta­le Inno­va­tio­nen ope­ra­tio­na­li­siert wird.

KI-Expertise und technologische Modernisierung im Fokus

Ein prä­gen­des Merk­mal der Neu­be­ru­fung 2026 ist die geziel­te Ein­bin­dung von tech­no­lo­gi­scher Spit­zen­ex­per­ti­se, unter ande­rem durch die Beru­fung von Exper­tin­nen wie Prof. Dr. Fat­ma Deniz. Die­se Per­so­na­lie ver­deut­licht, dass die öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on im Ver­ständ­nis des neu­en Rates untrenn­bar mit der digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät ver­knüpft ist. Es fin­det eine Abkehr von der iso­lier­ten Betrach­tung öko­lo­gi­scher Zie­le statt; statt­des­sen rückt die soge­nann­te Twin Tran­si­ti­on – die gleich­zei­ti­ge grü­ne und digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on – in das Zen­trum der Bera­tungs­tä­tig­keit.

Künst­li­che Intel­li­genz fun­giert hier­bei als ent­schei­den­der Hebel für eine prä­zi­se Pro­zess­op­ti­mie­rung. Durch den Ein­satz von KI-gestütz­ten Sys­te­men las­sen sich Ener­gie­ver­bräu­che in Echt­zeit steu­ern, Mate­ri­al­strö­me lücken­los über­wa­chen und CO2-Fuß­ab­drü­cke auf Pro­dukt­ebe­ne exakt berech­nen. Für den Betriebs­rat ergibt sich dar­aus ein neu­es, hoch­kom­ple­xes Auf­ga­ben­feld: Die Über­wa­chung der tech­no­lo­gi­schen Moder­ni­sie­rung darf nicht mehr allein unter dem Aspekt der Ratio­na­li­sie­rung erfol­gen, son­dern muss die öko­lo­gi­sche Effi­zi­enz­stei­ge­rung ein­be­zie­hen. Im Rah­men der Qua­li­fi­zie­rung nach § 96 ff. BetrVG ist es die Auf­ga­be der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter, dar­auf zu drän­gen, dass die Beleg­schaft früh­zei­tig im Umgang mit die­sen neu­en grü­nen Digi­tal­tech­no­lo­gien geschult wird. Nur so kann sicher­ge­stellt wer­den, dass die tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät des Unter­neh­mens nicht zu Las­ten der Beschäf­ti­gungs­qua­li­tät geht, son­dern die Arbeits­plät­ze durch Inno­va­ti­ons­vor­sprung lang­fris­tig absi­chert.

Soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt in der Transformation

Trotz des Fokus auf Effi­zi­enz und Tech­no­lo­gie betont der neu beru­fe­ne Rat unter Bun­des­kanz­ler Merz unmiss­ver­ständ­lich, dass der Erfolg der Trans­for­ma­ti­on am sozia­len Zusam­men­halt gemes­sen wird. Nach­hal­tig­keit darf nicht als Eli­ten­pro­jekt wahr­ge­nom­men wer­den, das die indus­tri­el­le Basis und deren Beschäf­tig­te über­for­dert. Viel­mehr wird eine Fai­re Trans­for­ma­ti­on ange­strebt, die sozia­le Här­ten abfe­dert und wirt­schaft­li­che Teil­ha­be garan­tiert. Der RNE setzt hier Impul­se für einen gesell­schaft­li­chen Dia­log, der Ziel­kon­flik­te zwi­schen öko­lo­gi­schen Vor­ga­ben und kurz­fris­ti­ger Ren­ta­bi­li­tät offen anspricht.

Auf betrieb­li­cher Ebe­ne bedeu­tet dies für die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung eine Rück­be­sin­nung auf den Kern ihrer Mit­be­stim­mungs­rech­te. Um die Akzep­tanz für tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen in der Pro­duk­ti­on zu sichern, ist eine früh­zei­ti­ge und umfas­sen­de Par­ti­zi­pa­ti­on der Beleg­schaft zwin­gend erfor­der­lich. Wenn Betriebs­tei­le auf­grund neu­er Nach­hal­tig­keits­stan­dards umge­baut oder geschlos­sen wer­den müs­sen, rückt die Beschäf­ti­gungs­si­che­rung ins Zen­trum der Ver­hand­lun­gen. Der Betriebs­rat kann hier­bei die Emp­feh­lun­gen des RNE als Argu­men­ta­ti­ons­hil­fe nut­zen, um von der Geschäfts­füh­rung über die rei­ne Gewinn­ma­xi­mie­rung hin­aus­ge­hen­de Kon­zep­te zur Stand­ort­si­che­rung ein­zu­for­dern. Die Gestal­tung von Trans­fer­ge­sell­schaf­ten oder der Abschluss von Zukunfts­ta­rif­ver­trä­gen sind Instru­men­te, um den Wan­del sozi­al­ver­träg­lich zu gestal­ten und den sozia­len Frie­den im Betrieb als Basis für nach­hal­ti­gen Erfolg zu erhal­ten.

Rechtlicher Rahmen: Vom RNE-Impuls zur betrieblichen Pflicht

Die Emp­feh­lun­gen des Rates für Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung sind weit mehr als unver­bind­li­che Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge; sie bil­den oft das Vor­sta­di­um für kon­kre­te regu­la­to­ri­sche Wei­chen­stel­lun­gen auf natio­na­ler und euro­päi­scher Ebe­ne. In der aktu­el­len Amts­zeit wird der RNE maß­geb­lich die Har­mo­ni­sie­rung von Berichts­pflich­ten und Sorg­falts­re­geln beglei­ten. Hier­bei ste­hen ins­be­son­de­re die Cor­po­ra­te Sus­taina­bi­li­ty Report­ing Direc­ti­ve (CSRD) und das Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten­ge­setz (LkSG) im Fokus der poli­ti­schen Bera­tung. Die­se Regel­wer­ke trans­for­mie­ren die stra­te­gi­schen Leit­li­ni­en des RNE in har­te Berichts­pflich­ten für die Unter­neh­men.

Für den Betriebs­rat bedeu­tet dies eine deut­li­che Aus­wei­tung sei­nes Infor­ma­ti­ons- und Über­wa­chungs­auf­trags. Gemäß § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG hat er dar­über zu wachen, dass die zuguns­ten der Arbeit­neh­mer gel­ten­den Geset­ze – wozu auch die sozia­len Stan­dards im LkSG zäh­len – ein­ge­hal­ten wer­den. Beson­ders der Wirt­schafts­aus­schuss nach § 106 BetrVG gewinnt an Bedeu­tung, da die nicht-finan­zi­el­le Bericht­erstat­tung (CSRD) nun den­sel­ben Stel­len­wert ein­nimmt wie die klas­si­schen Finanz­kenn­zah­len. Die Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter müs­sen die im Rah­men der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung erho­be­nen Daten aktiv ein­for­dern, um die Zukunfts­stra­te­gie des Arbeit­ge­bers kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Zudem bie­tet § 92a BetrVG die recht­li­che Hand­ha­be, eige­ne Vor­schlä­ge zur Siche­rung und För­de­rung der Beschäf­ti­gung im Kon­text der öko­lo­gi­schen Trans­for­ma­ti­on ein­zu­brin­gen. Damit wird der recht­li­che Rah­men zur Brü­cke, über die die stra­te­gi­schen Impul­se des RNE in die kon­kre­te betrieb­li­che Mit­be­stim­mungs­pflicht über­führt wer­den.

Fazit: Der Betriebsrat als Akteur der nachhaltigen Moderne

Die Neu­be­ru­fung des RNE durch Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz im Jahr 2026 ist das Signal für eine Ära der indus­tri­el­len Ver­nunft. Der stra­te­gi­sche Fokus rückt weg von idea­lis­ti­schen Nischen hin zu einer prag­ma­ti­schen, tech­no­lo­gie­of­fe­nen und vor allem ver­bind­li­chen Nach­hal­tig­keits­po­li­tik. Für die Betriebs­par­tei­en bedeu­tet dies: Der öko­lo­gi­sche Umbau ist kein Pro­jekt „on top“, son­dern die zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die wirt­schaft­li­che Exis­tenz­be­rech­ti­gung des Stand­orts Deutsch­land.

Betriebs­rä­te müs­sen die­se Pha­se aktiv nut­zen, um ihr Trans­for­ma­ti­ons­ma­nage­ment auf ein neu­es Fun­da­ment zu stel­len. Die Exper­ti­se des Rates lie­fert hier­für die not­wen­di­ge Vali­die­rung, um gegen­über der Unter­neh­mens­lei­tung als kom­pe­ten­ter Part­ner der stra­te­gi­schen Mit­be­stim­mung auf­zu­tre­ten. Es gilt, die Zukunfts­si­che­rung der Stand­or­te nicht dem Zufall zu über­las­sen, son­dern durch die Kopp­lung von öko­lo­gi­schen Zie­len mit sozia­len Min­dest­stan­dards aktiv zu gestal­ten. Die kla­re Hand­lungs­emp­feh­lung für die Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung lau­tet: Inte­grie­ren Sie Nach­hal­tig­keits­kenn­zah­len kon­se­quent in die Gre­mi­en­ar­beit und for­dern Sie eine Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve, die den tech­no­lo­gi­schen Sprung zur „Twin Tran­si­ti­on“ für alle Beschäf­tig­ten absi­chert. Nur durch die­se pro­ak­ti­ve Gestal­tung wird der öko­lo­gi­sche Wan­del zur ech­ten Chan­ce für Arbeit­ge­ber und Beleg­schaft glei­cher­ma­ßen.

Weiterführende Quellen