TK-Gesundheitsreport 2025: Klimawandel, Hitze und Arbeitsunfähigkeit – Die Belastung der Gesundheit in der Arbeitswelt

TK-Gesundheitsreport 2025: Klimawandel, Hitze und Arbeitsunfähigkeit – Die Belastung der Gesundheit in der Arbeitswelt

Die Aus­wir­kun­gen des glo­ba­len Kli­ma­wan­dels mani­fes­tie­ren sich zuneh­mend direkt am Arbeits­platz. Sie stel­len eine wach­sen­de Her­aus­for­de­rung für die betrieb­li­che Gesund­heit dar. Der aktu­el­le TK-Gesund­heits­re­port 2025 beleuch­tet die­sen Zusam­men­hang umfas­send. Er lie­fert detail­lier­te Daten zur Ent­wick­lung der Arbeits­un­fä­hig­keit (AU) in Deutsch­land. Ins­be­son­de­re extre­me Wet­ter­ereig­nis­se wie Hit­ze­wel­len, höhe­re UV-Strah­lung und schlech­te Luft­qua­li­tät beein­flus­sen die Leis­tungs­fä­hig­keit und das Wohl­be­fin­den der Beschäf­tig­ten. Eine zen­tra­le Erkennt­nis des Reports ist, dass Arbeit­neh­mer die Belas­tung durch das ver­än­der­te Kli­ma deut­lich stär­ker wahr­neh­men als Arbeit­ge­ber. Dies wirft drin­gen­de Fra­gen nach der Anpas­sung des Arbeits­schut­zes und prä­ven­ti­ven Maß­nah­men auf. Für Betriebs­rä­te und Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che ist die Ana­ly­se die­ser Daten essen­zi­ell. Sie benö­ti­gen Stra­te­gien, um die stei­gen­de Belas­tung der Gesund­heit effek­tiv zu adres­sie­ren und Risi­ken zu mini­mie­ren.

Die statistische Realität: Gesamtanalyse der Arbeitsunfähigkeit (AU)

Die Arbeits­un­fä­hig­keits­quo­te (AU-Quo­te) in Deutsch­land ver­zeich­net wei­ter­hin ein hohes Niveau. Der TK-Gesund­heits­re­port 2025 lie­fert eine detail­lier­te Fehl­zei­ten­sta­tis­tik. Er beleuch­tet die all­ge­mei­nen AU-Kenn­zah­len, bevor die kli­ma­spe­zi­fi­schen Ein­flüs­se unter­sucht wer­den.

Die durch­schnitt­li­che Zahl der AU-Tage pro erwerbs­tä­ti­gem Ver­si­cher­ten lag im Berichts­jahr auf einem hohen Niveau. Wäh­rend ein­zel­ne aku­te Erkran­kun­gen (wie Atem­wegs­in­fek­te) je nach Sai­son schwan­ken, blei­ben chro­ni­sche Lei­den die Haupt­ur­sa­che für lan­ge Fehl­zei­ten.

Die Top-Dia­gno­se­grup­pen, los­ge­löst vom Kli­ma-Schwer­punkt, sind nach wie vor:

  1. Erkran­kun­gen des Mus­kel-Ske­lett-Sys­tems: Die­se betref­fen Gelen­ke, Kno­chen oder die Wir­bel­säu­le und sind oft auf kör­per­li­che oder ein­sei­ti­ge Belas­tun­gen zurück­zu­füh­ren.
  2. Psy­chi­sche Erkran­kun­gen: Hier­zu zäh­len Depres­sio­nen, Angst­stö­run­gen und Reak­tio­nen auf schwe­re Belas­tungs­stö­run­gen. Obwohl psy­chi­sche Erkran­kun­gen sel­te­ner auf­tre­ten, ver­ur­sa­chen sie die längs­ten Krank­heits­fäl­le und füh­ren somit zu den meis­ten AU-Tagen.

Die­se Kon­stanz in der Dia­gno­sen-Ver­tei­lung bil­det die Aus­gangs­ba­sis. Sie zeigt die grund­le­gen­den betrieb­li­chen Belas­tungs­struk­tu­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund gewin­nen die kli­ma­be­ding­ten Aus­fäl­le an Bedeu­tung, da sie die bestehen­den Belas­tun­gen zusätz­lich akzen­tu­ie­ren. Die Daten unter­strei­chen die Not­wen­dig­keit eines umfas­sen­den betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments (BGM), das sowohl tra­di­tio­nel­le als auch neue Risi­ko­fak­to­ren berück­sich­tigt.

Quel­le:

Direkte Auswirkungen des Klimawandels: Hitzebelastung und physische Risiken

Der TK-Gesund­heits­re­port 2025 bestä­tigt, dass die Zunah­me von Hit­ze­ta­gen und Extrem­wet­ter­er­eig­nis­sen direk­te phy­si­sche Risi­ken für Beschäf­tig­te bedeu­tet. 60 Pro­zent der befrag­ten Beschäf­tig­ten geben an, die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels direkt am Arbeits­platz zu spü­ren [TK-Gesund­heits­re­port 2025].

Die größ­te Gefahr geht von der Hit­ze­be­las­tung aus. Hohe Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren füh­ren zu einer mas­si­ven Mehr­be­las­tung des mensch­li­chen Orga­nis­mus. Dies wirkt sich pri­mär auf das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem aus. Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen kön­nen durch hit­ze­be­ding­te Dehy­dra­ti­on und den erhöh­ten Bedarf an ther­mi­scher Regu­lie­rung aus­ge­löst oder ver­schlim­mert wer­den.

Die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen sind im Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) und der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (Arb­StättV) ver­an­kert. Die Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A3.5, Raum­tem­pe­ra­tur) schrei­ben vor, dass ab einer Luft­tem­pe­ra­tur von 30 °C geeig­ne­te Maß­nah­men zu ergrei­fen sind. Ab 35 °C Raum­tem­pe­ra­tur gilt der Raum als unge­eig­net für die Arbeit, sofern kei­ne kom­pen­sie­ren­den tech­ni­schen oder orga­ni­sa­to­ri­schen Schutz­maß­nah­men exis­tie­ren.

Neben der ther­mi­schen Belas­tung iden­ti­fi­ziert der Report wei­te­re Phy­si­sche Risi­ken:

  • UV-Strah­lung: Bei Außen­be­ru­fen (z. B. auf Bau­stel­len oder in der Land­wirt­schaft) steigt das Risi­ko für Haut­schä­den und Haut­krebs. Dies erfor­dert prä­ven­ti­ve Maß­nah­men und die Anpas­sung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung.
  • Schlech­te Luft­qua­li­tät: An extre­men Hit­ze­ta­gen steigt oft die Belas­tung durch Ozon und Fein­staub. Dies betrifft ins­be­son­de­re Per­so­nen mit Atem­wegs­er­kran­kun­gen.

Die Hit­ze am Arbeits­platz führt nicht nur zu aku­ten gesund­heit­li­chen Not­fäl­len, son­dern min­dert auch die all­ge­mei­ne kör­per­li­che und kogni­ti­ve Leis­tungs­fä­hig­keit. Dies erhöht das Risi­ko für Unfäl­le und min­dert die Pro­duk­ti­vi­tät über län­ge­re Peri­oden. Betriebs­rä­te müs­sen sicher­stel­len, dass die arbeit­ge­ber­sei­ti­ge Für­sor­ge­pflicht (§ 618 BGB) in Bezug auf Hit­ze­schutz­maß­nah­men kon­se­quent umge­setzt wird.

Betroffenheit der Branchen: Wo Klimarisiken die Produktivität mindern

Die sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung des TK-Gesund­heits­re­ports 2025 zeigt, dass die Belas­tung durch Kli­ma­fol­gen, ins­be­son­de­re Hit­ze­be­las­tung, nicht gleich­mä­ßig auf alle Wirt­schafts­zwei­ge ver­teilt ist. Bran­chen mit hohem Anteil an kör­per­li­cher Arbeit und Außen­ar­beit sind über­pro­por­tio­nal betrof­fen.

Zu den Sek­to­ren mit erhöh­ten Arbeits­platz­ri­si­ken zäh­len pri­mär die Bau­bran­che und die Land­wirt­schaft, in denen Beschäf­tig­te direk­ter und län­ger UV-Strah­lung und Hit­ze aus­ge­setzt sind. Hier führt die erhöh­te Umge­bungs­tem­pe­ra­tur nicht nur zur all­ge­mei­nen Min­de­rung der Leis­tungs­fä­hig­keit, son­dern stei­gert auch das Unfall­ri­si­ko sig­nisch, da Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und Reak­ti­ons­zeit abneh­men.

Auch inner­eu­ro­päi­sche Logis­tik und der Nah­ver­kehr ver­zeich­nen durch die Kli­ma­ver­än­de­run­gen eine erhöh­te Belas­tung. Berufs­kraft­fah­rer lei­den unter lan­gen Steh­zei­ten in der Hit­ze, wäh­rend Lager­ar­bei­ter und Zustel­ler oft­mals in unkli­ma­ti­sier­ten Umge­bun­gen arbei­ten müs­sen.

Ein wei­te­rer kri­ti­scher Bereich ist die Pfle­ge. Hier führt die Arbeit in schlecht iso­lier­ten oder kli­ma­ti­sier­ten Pati­en­ten­zim­mern in Kom­bi­na­ti­on mit der phy­si­schen Anfor­de­rung des Berufs zu einer mas­si­ven ther­mi­schen Belas­tung des Per­so­nals.

Für Betriebs­rä­te in die­sen Hoch­ri­si­ko­bran­chen ist es erfor­der­lich, die bran­chen­spe­zi­fi­schen Daten des Reports als Basis für eine geziel­te Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach dem Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) zu nut­zen. Die Daten bele­gen den drin­gen­den Bedarf an tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Schutz­maß­nah­men, um die AU-Quo­ten in den Som­mer­mo­na­ten sta­bil zu hal­ten.

Wahrnehmungsdiskrepanz und betriebliche Verantwortung

Ein zen­tra­ler Befund des TK-Gesund­heits­re­ports 2025 liegt in der deut­li­chen Dis­kre­panz zwi­schen der Risi­ko­wahr­neh­mung von Beschäf­tig­ten und der Unter­neh­mens­füh­rung. Laut den Umfra­ge­er­geb­nis­sen neh­men etwa 60 Pro­zent der Beschäf­tig­ten die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels direkt am Arbeits­platz wahr. Dem­ge­gen­über steht eine oft zöger­li­che oder unzu­rei­chen­de Reak­ti­on auf Arbeit­ge­ber­sei­te.

Die­se Wahr­neh­mungs­dis­kre­panz kann die Effek­ti­vi­tät von Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men mas­siv unter­gra­ben und ist ein Indi­ka­tor dafür, dass die betrieb­li­che Risi­ko­be­wer­tung die sub­jek­ti­ve Belas­tung der Mit­ar­bei­ter nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt.

Unab­hän­gig von der sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung ist der Arbeit­ge­ber zur Umset­zung des Gesund­heits­schut­zes recht­lich ver­pflich­tet. Die Für­sor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers (§ 618 BGB) sowie die Pflicht zur Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung (§ 5 ArbSchG) schlie­ßen expli­zit auch kli­ma­be­ding­te Gesund­heits­ri­si­ken ein, ins­be­son­de­re ther­mi­sche Belas­tun­gen.

Der Betriebs­rat muss die Ergeb­nis­se des Reports nut­zen, um die Unter­neh­mens­lei­tung auf die recht­li­chen Pflich­ten hin­zu­wei­sen und die Not­wen­dig­keit einer objek­ti­ven und umfas­sen­den Neu­be­wer­tung der Risi­ken zu for­dern. Igno­riert der Arbeit­ge­ber die fest­ge­stell­te Belas­tung, ver­stößt er gegen sei­ne Pflich­ten und öff­net gleich­zei­tig Kon­flik­ten Tür und Tor.

Der Betriebs­rat hat gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 7 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) ein zwin­gen­des Mit­be­stim­mungs­recht in Fra­gen des betrieb­li­chen Gesund­heits­schut­zes und der Unfall­ver­hü­tung. Die­ses Recht ist essen­zi­ell, um sicher­zu­stel­len, dass die sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung der Beschäf­tig­ten in effek­ti­ve Schutz­maß­nah­men umge­setzt wird.

Präventive Maßnahmen und rechtliche Pflichten zum Schutz der Gesundheit

Die stei­gen­den AU-Zah­len auf­grund kli­ma­be­ding­ter Belas­tun­gen erfor­dern eine sys­te­ma­ti­sche Inte­gra­ti­on von Kli­ma­re­si­li­enz in das Betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM). Die Basis hier­für ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, die gemäß den Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR) A3.5 „Raum­tem­pe­ra­tur“ die ther­mi­sche Belas­tung im Detail erfas­sen muss.

Der Arbeit­ge­ber muss spä­tes­tens bei Errei­chen einer Luft­tem­pe­ra­tur von 26 °C im Arbeits­raum geeig­ne­te Maß­nah­men ergrei­fen. Bei Über­schrei­tung von 30 °C müs­sen Maß­nah­men zwin­gend umge­setzt wer­den. Ab 35 °C gilt der Raum ohne tech­ni­sche oder orga­ni­sa­to­ri­sche Gegen­maß­nah­men nicht mehr als geeig­ne­ter Arbeits­raum.

Betriebs­rä­te kön­nen die Umset­zung durch fol­gen­de Maß­nah­men­ka­ta­lo­ge aktiv mit­ge­stal­ten:

  1. Tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men: Dazu gehö­ren die Instal­la­ti­on effi­zi­en­ter Son­nen­schutz­vor­rich­tun­gen (Jalou­sien, Foli­en), die Opti­mie­rung von Lüf­tungs­sys­te­men oder, falls tech­nisch not­wen­dig, die Nach­rüs­tung von Kli­ma­an­la­gen.

  2. Orga­ni­sa­to­ri­sche Anpas­sun­gen: Hier besteht die größ­te Stell­schrau­be für den Betriebs­rat über das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 BetrVG. Maß­nah­men sind die Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeits­zei­ten (Ein­füh­rung von Früh- oder Spät­schich­ten zur Ver­mei­dung der Mit­tags­hit­ze) oder die zeit­li­che Ver­le­gung von kör­per­lich anstren­gen­den Tätig­kei­ten. Die Ein­füh­rung von Hit­ze-Pau­sen zur Abküh­lung ist eben­so rele­vant.

  3. Per­so­nen­be­zo­ge­ne Prä­ven­ti­on: Hier­zu gehört die Bereit­stel­lung von kos­ten­lo­sen, geeig­ne­ten Geträn­ken wäh­rend Hit­ze­pe­ri­oden. Wei­ter­hin sind die Schu­lung von Vor­ge­setz­ten und Beschäf­tig­ten zur Früh­erken­nung von Hit­ze­sym­pto­men (Hitz­schlag, Dehy­drat­a­ti­on) sowie die Anpas­sung der Dienst­klei­dung essen­zi­ell.

Idea­ler­wei­se soll­ten die kon­kre­ten Schwel­len­wer­te, die zuge­las­se­nen Abwei­chun­gen und die Reak­ti­ons­ket­ten in einer Betriebs­ver­ein­ba­rung zum Hit­ze- und Kli­ma­schutz fest­ge­schrie­ben wer­den. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung schafft Klar­heit über die Pflich­ten des Arbeit­ge­bers, die Rech­te der Beschäf­tig­ten und die kon­kre­ten Umset­zungs­me­cha­nis­men (z. B. auto­ma­ti­sches Hit­ze­frei für bestimm­te Berei­che, auch wenn kein gene­rel­ler Rechts­an­spruch besteht). Dies gewähr­leis­tet, dass die Erkennt­nis­se des TK-Reports stra­te­gisch und rechts­si­cher in die betrieb­li­che Pra­xis über­führt wer­den.

Präventive Maßnahmen und rechtliche Pflichten zum Schutz der Gesundheit

Die fest­ge­stell­te Zunah­me kli­ma­be­ding­ter Belas­tun­gen ver­pflich­tet Arbeit­ge­ber und Betriebs­rä­te zur schnel­len Anpas­sung des betrieb­li­chen Gesund­heits­schut­zes. Die gesetz­li­che Grund­la­ge hier­für bil­det das Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG), wel­ches die Für­sor­ge­pflicht kon­kre­ti­siert.

Zen­tra­les Instru­ment zur Risi­ko­min­de­rung ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 5 ArbSchG. Die­se muss dyna­misch erfol­gen und expli­zit die spe­zi­fi­schen kli­ma­ti­schen Risi­ken (Hit­ze­wel­len, hohe UV-Expo­si­ti­on, Luft­schad­stof­fe) in die Bewer­tung ein­be­zie­hen. Wer­den sol­che Gefah­ren iden­ti­fi­ziert, sind ent­spre­chen­de Schutz­maß­nah­men zu ergrei­fen, wobei das TOP-Prin­zip (Tech­ni­sche, Orga­ni­sa­to­ri­sche, Per­sön­li­che Maß­nah­men) maß­ge­bend ist.

Tech­ni­sche und Orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men (T/O)
Tech­ni­sche Lösun­gen umfas­sen die Instal­la­ti­on effek­ti­ver Kühl- und Lüf­tungs­sys­te­me, die Bereit­stel­lung von Son­nen­schutz­vor­rich­tun­gen an Fens­tern sowie die Nut­zung hit­ze­ab­schir­men­der Mate­ria­li­en. Im orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich sind Rege­lun­gen zu Arbeits­zei­ten und Pau­sen essen­zi­ell. Dazu gehört die früh­zei­ti­ge Ver­le­gung belas­ten­der Tätig­kei­ten in küh­le­re Tages­zei­ten (Hit­ze­ar­beits­zeit­mo­del­le). Die tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A3.5 – Raum­tem­pe­ra­tur) geben Anhalts­punk­te: Bei Über­schrei­tung von 35 °C Raum­tem­pe­ra­tur ist der Arbeits­raum ohne geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men nicht zum Arbei­ten geeig­net.

Rol­le des Betriebs­rats
Der Betriebs­rat ver­fügt gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG über umfas­sen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te bei Rege­lun­gen des Gesund­heits­schut­zes und der Unfall­ver­hü­tung. Dies umfasst die Gestal­tung von Hit­ze­schutz­kon­zep­ten und die Aus­ge­stal­tung von Pau­sen­re­ge­lun­gen. Zudem über­wacht der Betriebs­rat nach § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten des Arbeits­schut­zes.

Ein umfas­sen­des Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM) muss künf­tig Maß­nah­men zur För­de­rung der Kli­ma­re­si­li­enz ein­schlie­ßen. Dazu zäh­len die Sen­si­bi­li­sie­rung der Beschäf­tig­ten für Hit­ze­ri­si­ken, die Bereit­stel­lung von aus­rei­chend Trink­was­ser sowie die Durch­füh­rung von Schu­lun­gen, bei­spiels­wei­se zu den Sym­pto­men von Hit­ze­er­schöp­fung und Dehy­dra­ti­on. Sol­che Maß­nah­men kön­nen wirk­sam in einer Betriebs­ver­ein­ba­rung ver­an­kert wer­den.

Fazit: Strategischer Handlungsbedarf für Betriebsräte

Der TK-Gesund­heits­re­port 2025 zeigt, dass Kli­ma­fol­gen kei­ne abs­trak­te Zukunfts­ge­fahr, son­dern eine mess­ba­re und stei­gen­de Belas­tung für die Arbeits­un­fä­hig­keit dar­stel­len. Die Dis­kre­panz in der Risi­ko­wahr­neh­mung zwi­schen Arbeit­ge­bern und Beschäf­tig­ten unter­streicht die Not­wen­dig­keit pro­ak­ti­ven Han­delns.

Für Betriebs­rä­te lei­tet sich dar­aus ein stra­te­gi­scher Hand­lungs­be­darf ab: Der Schutz der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten muss in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels als zen­tra­le und nicht dele­gier­ba­re Auf­ga­be der Mit­be­stim­mung ver­stan­den wer­den. Die Anpas­sung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist der ers­te not­wen­di­ge Schritt. Nur durch eine kon­se­quen­te Inte­gra­ti­on von Kli­ma­schutz­maß­nah­men in das BGM und durch die Nut­zung der Mit­be­stim­mungs­rech­te (§ 87 BetrVG) kann die Arbeits­fä­hig­keit lang­fris­tig gesi­chert und die betrieb­li­che Kli­ma­re­si­li­enz erhöht wer­den.

Weiterführende Quellen

Gesund­heits­re­port 2025 – Arbeits­un­fä­hig­kei­ten
https://www.tk.de/resource/blob/2194002/828793b4b4a5953abece5e4874ce79b4/gesundheitsreport-au-2025-data.pdf
Die­ser Teil des Reports lie­fert die rou­ti­ne­mä­ßig aktua­li­sier­ten Sta­tis­ti­ken und Daten zu Arbeits­un­fä­hig­kei­ten (AU).

TK-Gesund­heits­re­port 2025: Fol­gen des Kli­ma­wan­dels auf die …
https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/gesundheitsreport-2025-klimawandel-am-arbeitsplatz-2201778
Die Quel­le beleuch­tet die Umfra­ge­er­geb­nis­se des IFBG im Auf­trag der TK und zeigt auf, dass 60 Pro­zent der Beschäf­tig­ten Aus­wir­kun­gen spü­ren.

Hit­ze­fol­gen am Arbeits­platz inter­es­sie­ren eher Arbeit­neh­mer als …
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/hitze-klimawandel-folgen-arbeitnehmer-arbeitsplatz-tk-gesundheitsreport-100.html
Die­se Bericht­erstat­tung bestä­tigt die Dis­kre­panz zwi­schen der Wahr­neh­mung von Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern bezüg­lich der Hit­ze­fol­gen.

Gesund­heits­re­port 2025 | Die Tech­ni­ker – Fir­men­kun­den
https://www.tk.de/firmenkunden/service/gesund-arbeiten/gesundheitsberichterstattung/gesundheitsreport-2025–2033772
Über­sichts­sei­te zum dies­jäh­ri­gen Report, der sich mit dem Ein­fluss des Kli­ma­wan­dels auf die Arbeits­welt befasst.