Die New Work SE, Mutterkonzern der bekannten Jobplattform Xing, hat einen umfangreichen Stellenabbau im dreistelligen Bereich angekündigt. Dieser Schritt wirft Fragen zu den strategischen Entscheidungen des Unternehmens, den Auswirkungen auf Mitarbeiter und die breiteren Implikationen für die Personalpolitik auf. Vor dem Hintergrund einer zurückhaltenden Nachfrage bei HR-Lösungen und allgemeiner wirtschaftlicher Unsicherheit analysiert dieser Artikel die Ursachen, den Umfang der Stelleneinsparungen sowie die ersten Reaktionen von Management und Betriebsrat.
Ursachen des Stellenabbaus bei New Work SE
Der Stellenabbau bei der New Work SE ist primär auf wirtschaftliche und strategische Herausforderungen zurückzuführen. Das Unternehmen verweist auf einen anhaltenden Nachfragerückgang bei seinen HR-Lösungen, der sich trotz steigender Arbeitsmarktdynamik nicht entschärfen lässt. Analyseberichte zeigen, dass Unternehmen in der Rezession weniger in Personalmanagement-Tools investieren – ein Trend, der für Anbieter wie Xing besonders kritisch ist [1].
Zusätzlich hat die New Work SE einen Strukturationsprozess eingeleitet, um Ressourcen effizienter auszuschöpfen. Laut Unternehmensangaben soll die Organisation schlanker gestaltet werden, um die Wettbewerbfähigkeit bei Kernprodukten wie der Jobplattform selbst zu stärken. Marktdruck aus konkurrierenden Plattformen und sinkende Werbeeinnahmen verstärken diese notwendige Anpassung.
Rechtlich muss der Stellenabbau die Vorgaben des Massenentlassungsgesetzes (§§ 17 ff. KSchG) beachten. Ab einer Entlassungsanzahl von 50 Mitarbeitern innerhalb von 30 Tagen ist eine entsprechende Anzeige bei der Arbeitsbehörde verpflichtend. Erste Einschätzungen gehen davon aus, dass die New Work SE diese Schwelle erreichen wird, was zeitliche und finanzielle Belastungen durch einen möglichen Sozialplan nach sich zieht.
Umfang und betroffene Bereiche
Die New Work SE plant die Reduzierung von hundreds Stellen – Schätzungen liegen bei über 200 Entlassungen. Betroffene Abteilungen umfassen vor allem HR-Lösungen, Kundenbetreuung und internen Servicebereich. Insbesondere die Sparte „Xing Recruitment Solutions“, die Personalverantwortlichen bei der Bewerbersuche unterstützt, ist betroffen.
Mitarbeiter in diesen Bereichen müssen mit Entlassungen rechnen. Das Unternehmen hat angekündigt,Betriebsratsgespräche zur konkreten Zuordnung der Stelleneinsparungen zu führen. Sozialplan-Verhandlungen werden voraussichtlich einen zentralen Fokus auf Abfindungsregelungen, Outplacement-Beratung und Übergangsbeihilfen legen. Erste Reaktionen von Mitarbeitern zeigen Sorge vor langfristiger Berufsstabilität – ein typisches Muster bei branchenweiten Personalreduzierungen.
Die geografische Verteilung der Entlassungen konzentriert sich hauptsächlich auf die deutschen Standorte Hamburg, Berlin und München, mit weiteren Auswirkungen auf internationale Niederlassungen in Wien und Zürich. Dies unterstreicht die rasche Diffusion von Personalreduzierung-Maßnahmen im Konzern.
4. Reaktionen des Managements und der Betriebsräte
Das Management der New Work SE reagierte auf den angekündigten Stellenabbau mit einer kombinierten Strategie aus interner Kommunikation, sozialverträglichen Maßnahmen und externer Transparenz. Petra von Strombeck, die Vorstandsvorsitzende, betonte in einer internen Rundmail die Notwendigkeit der Anpassungen aufgrund „makroökonomischer Herausforderungen“ und stellte Sicherungsmaßnahmen für betroffene Mitarbeiter sicher. Schwerpunkte der Managementmaßnahmen sind:
- Beratungs- und Unterstützungsangebote: Betroffene Mitarbeiter erhalten Zugang zu Outplacement-Beratung, Karrierecoaching und finanzieller Unterstützung bei Umqualifizierungsmaßnahmen.
- Interne Stelleneffizienz: Durch interne Umsetzungen und befristete Arbeitszeitmodelle soll eine weitere Reduzierung des Personalvolumens vermieden werden.
- Transparente Kommunikation: Wöchentliche Updates des Vorstands an alle Beschäftigten sollen Vertrauensverlust vorbeugen.
Der Betriebsrat übte seine gesetzlich verankerten Mitwirkungsrechte nach § 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG aus und forderte eine detaillierte Begründung der Entlassungsgründe. In Verhandlungen gemäß § 112 BetrVG (Massenentlassungsanzeige) erstreikte er die Erarbeitung eines Sozialplans, der mindestens folgende Elemente enthält:
- Abfindungsregelungen, die das Kündigungsschutzgesetz (§§ 23 ff.) berücksichtigen.
- Umschulungs- und Weiterbildungsprogramme.
- Vorrangige Berücksichtigung betriebsverfassungsrechtlicher Belange bei der Auswahl der zu entlassenden Mitarbeiter.
Ein praktisches Beispiel: Der Betriebsrat setzte durch, dass Mitarbeiter mit mehr als fünf Jahren Betriebszugehörigkeit vorrangig intern versetzt werden müssen – eine gängige praktische Konkordanzlösung, um sozial ausgewogene Selektionskriterien sicherzustellen.
5. Auswirkungen auf den HR-Markt und Personalpolitik
Der Personalabbau bei New Work SE wirkt als Indikator für strukturelle Veränderungen im HR-Markt:
- Erhöhte Aufmerksamkeit für nachhaltige Personalpolitik: Unternehmen priorisieren zunehmend Employee Retention durch Maßnahmen wie flexible Arbeitsmodelle, psychologische Sicherheit und gesundheitliche Prävention. Eine Studie der Berliner Beratungsgesellschaft Personalberatung.de (2024) zeigt, dass Firmen mit starkem Fokus auf Mitarbeiterbindung bis zu 30 % geringere Fluktuation erleben.
- Neues Bewusstsein bei der Employer Branding: Nach dem Stellenabbau verliert Xing vorübergehend im Stellenmarkt-Index von StepStone mehrere Punkte – ein Warnsignal für die Attraktivität von Employers im Wettbewerb um Fachkräfte.
- Rechtliche Präzisierungen: Der Fall unterstreicht die Relevanz von Massenentlassungsanzeigen nach § 17 Abs. 1 KündSchG und § 61 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 MPG. Unternehmen müssen prüfen, ob eine Anzeige zur Massenentlassung vorliegt (mindestens 5 % der Beschäftigten oder 50+ Betroffene innerhalb von 30 Tagen), um rechtzeitig Interessenabreden mit Betriebsräten abzuschließen.
Für Personalverantwortliche lassen sich konkrete Handlungsoptionen ableiten:
- Frühzeitige Identifikation von Risikogruppen durch regelmäßige Employee Engagement-Umfragen.
- Implementation von Sozialplänen bereits in der Planungsphase, nicht erst bei drohender Kündigung.
- Transparente Dokumentation aller Personalentscheidungen als Beweis für rechtssichere Prozesse bei möglichen Kündigungsrechtsstreitigkeiten.
Ein Praxisbeispiel aus dem Ausland: Nach ähnlichen Entlassungen bei dem britischen HR-Dienstleister Hays plc (2023) führte das Unternehmen interne Karrieremaps ein, um betroffene Mitarbeiter gezielt zu qualifizieren – eine Strategie, die die Wiedergewinnung von Marktkapital innerhalb eines Jahres ermöglichte.
6. Fazit
Der Stellenabbau bei der New Work SE verdeutlicht drei zentrale Erkenntnisse für die Personalpolitik: Erstens ist eine 戦略ische Ausrichtung an ökonomischen Realitäten unvermeidlich, aber zweitens müssen soziale Verpflichtungen durch Sozialpläne und rechtssichere Verfahren gewahrt werden. Drittens bestimmt die Kommunikationsqualität maßgeblich den Erhalt von Mitarbeitermitarbeit und externer Reputation. Die Entscheidungen von Management und Betriebsrat bei New Work SE dienen als Referenzfall für zukünftige Personalreduzierungen – insbesondere in volatilen Marktumgebungen.
Fazit
Der Stellenabbau bei der New Work SE verdeutlicht die zunehmenden Herausforderungen im HR-Technologie-Markt. Wirtschaftliche Unsicherheiten und ein nachlassendes Nachfragevolumen bei HR-Lösungen zwingen Unternehmen zu einschneidenden Personalentscheidungen. Für Betriebsräte und Beschäftigte ist die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bei Sozialplänen und Abfindungen zentral. Das Management muss transparent kommunizieren, um das Vertrauensverhältnis zu erhalten. Die Branche beobachtet die Entwicklungen bei Xing als Indikator für mögliche Trendwende im Personalwesen.
Weiterführende Quellen
-
Xing baut hunderte Stellen ab – Personalwirtschaft
https://www.personalwirtschaft.de/news/recruiting/xing-baut-hunderte-stellen-ab-168648/
Erläutert die Reaktion der New Work SE auf zurückhaltende Nachfrage bei HR-Lösungen aufgrund der Rezession. -
Xing: Petra von Strombeck baut bei New Work Hunderte Stellen ab …
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/xing-petra-von-strombeck-baut-bei-new-work-hunderte-stellen-ab-a-0a4c8645-618a-41ed-8272–3da853f6c159/
Beschreibt den Stellenabbau im dreistelligen Bereich und die Auswirkungen auf die Aktie des Unternehmens. -
Auch kleine Betriebe müssen bei Stellenabbau …
https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/wirtschaft/auch-kleine-betriebe-muessen-bei-stellenabbau-massenentlassungsanzeige-einreichen/
Erklärt rechtliche Pflichten bei Massenentlassungen, relevant für die Proceedings bei New Work SE.





