Job-Schock bei New Work SE und Xing: 260 Stellen in Hamburg fallen weg – Arbeitsrechtliche Folgen ohne Betriebsrat

Die New Work SE, Mut­ter­kon­zern des Kar­rie­renetz­werks Xing, sorgt mit der Ankün­di­gung eines mas­si­ven Stel­len­ab­baus für Auf­se­hen in der Ham­bur­ger Tech-Bran­che. Rund 260 Arbeits­plät­ze sol­len am Stand­ort Ham­burg weg­fal­len – eine Ent­schei­dung, die im Kon­text einer tief­grei­fen­den stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung hin zum spe­zia­li­sier­ten Recrui­ting-Dienst­leis­ter steht. Beson­ders bri­sant ist die­ser Vor­gang aus arbeits­recht­li­cher Sicht: Da im Unter­neh­men kein klas­si­scher Betriebs­rat nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG) exis­tiert, stel­len sich weit­rei­chen­de Fra­gen zur Durch­füh­rung der Ent­las­sun­gen und zur Wah­rung der Arbeit­neh­mer­inter­es­sen. Ohne die gesetz­lich ver­an­ker­te Mit­be­stim­mung ent­fal­len übli­che Schutz­me­cha­nis­men wie der Inter­es­sen­aus­gleich und der Sozi­al­plan in ihrer gewohn­ten Form. Die­ser Arti­kel ana­ly­siert die spe­zi­fi­schen Her­aus­for­de­run­gen für die betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter, beleuch­tet die recht­li­chen Hür­den bei Mas­sen­ent­las­sun­gen ohne Betriebs­rats­gre­mi­um und hin­ter­fragt die Wirk­sam­keit alter­na­ti­ver Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen in Kri­sen­zei­ten. Damit lie­fert der Fall New Work SE ein wich­ti­ges Lehr­bei­spiel für die Bedeu­tung betrieb­li­cher Mit­be­stim­mung in moder­nen Arbeits­wel­ten.

Die strategische Neuausrichtung der New Work SE und die Folgen für Xing

Der geplan­te Stel­len­ab­bau bei der New Work SE ist kein Resul­tat aku­ter wirt­schaft­li­cher Not, son­dern das Ergeb­nis einer fun­da­men­ta­len Recrui­ting-Stra­te­gie. Das Unter­neh­men trans­for­miert Xing kon­se­quent von einem all­ge­mei­nen sozia­len Netz­werk für beruf­li­che Kon­tak­te hin zu einer fokus­sier­ten Platt­form für E‑Recruiting. In einer Zeit, in der der Fach­kräf­te­man­gel das bestim­men­de The­ma für Per­so­nal­ab­tei­lun­gen ist, setzt das Manage­ment auf auto­ma­ti­sier­te Lösun­gen und daten­ge­stütz­te Gewin­nung von Talen­ten.

Die­se Trans­for­ma­ti­on hat zur Fol­ge, dass bestehen­de Abtei­lun­gen, die auf die Pfle­ge des Netz­wer­kes oder das B2C-Geschäft (Busi­ness-to-Con­su­mer) aus­ge­rich­tet waren, an Bedeu­tung ver­lie­ren. Wie im ZP Euro­pe 2024 Mes­se­ma­ga­zin dar­ge­legt, ver­la­gert sich der Schwer­punkt mas­siv auf B2B-Lösun­gen. Ein sol­cher Unter­neh­mens­wan­del führt zwangs­läu­fig zu einem per­so­nel­len Über­hang in jenen Berei­chen, die nicht mehr zur neu­en Kern­stra­te­gie pas­sen.

In der Tech-Bran­che wird die­ser Pro­zess oft als „Stream­li­ning“ bezeich­net. Doch wäh­rend die stra­te­gi­sche Logik aus Sicht der Inves­to­ren nach­voll­zieh­bar sein mag, bedeu­tet sie für die Beleg­schaft am Stand­ort Ham­burg einen har­ten Ein­schnitt. Betrof­fen sind vor allem Funk­tio­nen in der Pro­dukt­ent­wick­lung und im Mar­ke­ting, die auf die alte Platt­form­struk­tur zuge­schnit­ten waren. Der Fall ver­deut­licht, dass auch in ver­meint­lich zukunfts­si­che­ren Bran­chen der tech­no­lo­gi­sche und stra­te­gi­sche Wan­del eine erheb­li­che Insta­bi­li­tät für Arbeits­ver­hält­nis­se mit sich brin­gen kann.

Massenentlassung ohne Betriebsrat: Die arbeitsrechtlichen Folgen

Ein Stel­len­ab­bau in die­ser Grö­ßen­ord­nung unter­liegt stren­gen gesetz­li­chen Rege­lun­gen, ins­be­son­de­re wenn es sich um eine Mas­sen­ent­las­sung han­delt. Nach § 17 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ist ein Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, der Agen­tur für Arbeit Anzei­ge zu erstat­ten, wenn inner­halb von 30 Kalen­der­ta­gen eine bestimm­te Anzahl von Arbeit­neh­mern ent­las­sen wird. Bei einem Betrieb der Grö­ße von New Work SE in Ham­burg (über 500 Arbeit­neh­mer) liegt die­se Schwel­le bei min­des­tens 30 Ent­las­sun­gen.

Die Beson­der­heit bei New Work SE liegt im Feh­len eines Betriebs­rats. Gemäß § 111 BetrVG müss­te der Arbeit­ge­ber in Unter­neh­men mit mehr als 20 wahl­be­rech­tig­ten Arbeit­neh­mern den Betriebs­rat über geplan­te Betriebs­än­de­run­gen, zu denen ein wesent­li­cher Per­so­nal­ab­bau gehört, recht­zei­tig und umfas­send infor­mie­ren. Ziel die­ser Ver­hand­lun­gen sind:

  1. Der Inter­es­sen­aus­gleich: Hier wird das „Ob“, „Wann“ und „Wie“ der Maß­nah­me gere­gelt.
  2. Der Sozi­al­plan: Er dient dem Aus­gleich oder der Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le für die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer (ins­be­son­de­re durch Abfin­dungs­zah­lun­gen).

Da kein Betriebs­rat exis­tiert, ent­fällt der Rechts­an­spruch auf die Erzwin­gung eines Sozi­al­plans über eine Eini­gungs­stel­le. Der Arbeit­ge­ber ist recht­lich nicht ver­pflich­tet, mit einer nicht gewähl­ten Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung über einen Sozi­al­plan im Sin­ne des BetrVG zu ver­han­deln. Dies schwächt die Posi­ti­on der Arbeit­neh­mer mas­siv, da indi­vi­du­el­le Abfin­dun­gen nun im Rah­men von Auf­he­bungs­ver­trä­gen oder im Zuge von Kün­di­gungs­schutz­pro­zes­sen ein­zeln aus­ge­han­delt wer­den müs­sen.

Den­noch ent­bin­det das Feh­len eines Betriebs­rats den Arbeit­ge­ber nicht von der Pflicht zur Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Ein Form­feh­ler in die­sem Ver­fah­ren, etwa eine feh­ler­haf­te Kon­sul­ta­ti­on (sofern Gre­mi­en bestehen) oder eine unvoll­stän­di­ge Anzei­ge bei der Behör­de, kann zur Unwirk­sam­keit aller aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gun­gen füh­ren (vgl. BAG, Urteil vom 13.02.2020 – 6 AZR 146/19). Bei New Work SE müs­sen die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer daher beson­ders genau prü­fen, ob die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen des § 17 KSchG ein­ge­hal­ten wur­den, um gege­be­nen­falls erfolg­reich gegen die Kün­di­gung vor­zu­ge­hen.

Employee Committees vs. Betriebsrat: Ein schwacher Ersatz?

In der moder­nen Arbeits­welt der Tech-Bran­che wird oft auf infor­mel­le Mit­be­stim­mungs­mo­del­le gesetzt. Bei der New Work SE exis­tiert kein gewähl­ter Betriebs­rat nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (BetrVG), son­dern ein soge­nann­tes Employee Com­mit­tee. Aus arbeits­recht­li­cher Sicht ist die­ser Unter­schied bei einem mas­si­ven Stel­len­ab­bau von 260 Arbeits­plät­zen gra­vie­rend.

Wäh­rend ein gesetz­li­cher Betriebs­rat über weit­rei­chen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te ver­fügt, han­delt es sich bei einem Employee Com­mit­tee um ein frei­wil­li­ges Gre­mi­um ohne recht­li­che Durch­set­zungs­macht. In Kri­sen­si­tua­tio­nen zeigt sich die struk­tu­rel­le Schwä­che sol­cher alter­na­ti­ver Ver­tre­tun­gen: Sie kön­nen kei­ne Erzwing­bar­keit von Maß­nah­men her­bei­füh­ren. Ein Betriebs­rat hin­ge­gen hät­te bei einer geplan­ten Betriebs­än­de­rung gemäß § 111 BetrVG das Recht, Ver­hand­lun­gen über einen Inter­es­sen­aus­gleich und einen Sozi­al­plan zu ver­lan­gen.

Ein Sozi­al­plan hat die Auf­ga­be, die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le für die aus­schei­den­den Mit­ar­bei­ter abzu­fe­dern. Er ist gemäß § 112 Abs. 1 BetrVG eine erzwing­ba­re Eini­gung. Ohne ein sol­ches Gre­mi­um ent­fällt die­ser kol­lek­tiv­recht­li­che Schutz­schirm voll­stän­dig. Die betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ter bei Xing sind somit auf die indi­vi­du­el­le Ver­hand­lungs­be­reit­schaft des Arbeit­ge­bers ange­wie­sen. Frei­wil­li­ge Gre­mi­en kön­nen zwar bera­tend tätig sein oder den Dia­log för­dern, sie besit­zen jedoch kein Kla­ge­recht vor dem Arbeits­ge­richt, um Abfin­dun­gen oder Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men für die gesam­te Beleg­schaft recht­lich abzu­si­chern. Die­ser Fall ver­deut­licht, dass moder­ne New-Work-Ansät­ze in Wachs­tums­pha­sen funk­tio­nie­ren mögen, in Pha­sen der Restruk­tu­rie­rung jedoch den not­wen­di­gen recht­li­chen Rück­halt ver­mis­sen las­sen, den nur das BetrVG bie­tet.

Rechtsschutz für Betroffene: Kündigungsschutzklage und Abfindung

Da kein kol­lek­tiv ver­han­del­ter Sozi­al­plan exis­tiert, müs­sen betrof­fe­ne Arbeit­neh­mer bei der New Work SE ihre Rech­te indi­vi­du­ell gel­tend machen. Sobald eine schrift­li­che Kün­di­gung zugeht, beginnt eine kri­ti­sche Frist: Gemäß § 4 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) muss inner­halb von drei Wochen nach Zugang der Kün­di­gung eine Kün­di­gungs­schutz­kla­ge beim zustän­di­gen Arbeits­ge­richt erho­ben wer­den. Wird die­se Frist ver­säumt, gilt die Kün­di­gung als von Anfang an wirk­sam (§ 7 KSchG).

Ein zen­tra­ler Angriffs­punkt bei Mas­sen­ent­las­sun­gen ohne Betriebs­rat ist die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge gemäß § 17 KSchG. Der Arbeit­ge­ber ist ver­pflich­tet, den geplan­ten Stel­len­ab­bau der Agen­tur für Arbeit recht­zei­tig anzu­zei­gen. Form­feh­ler in die­sem Ver­fah­ren füh­ren nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) und des Euro­päi­schen Gerichts­hofs (EuGH) zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gun­gen. Ohne Betriebs­rat ent­fällt zwar das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG mit dem Gre­mi­um, die Anzei­ge­pflicht gegen­über der Behör­de bleibt jedoch bestehen.

In Bezug auf eine Abfin­dung besteht ohne Sozi­al­plan kein auto­ma­ti­scher gesetz­li­cher Anspruch. Eine Abfin­dung ist in der Regel das Ergeb­nis eines Ver­gleichs im Künd­s­schutz­pro­zess oder Teil eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges. In der Pra­xis dient oft die For­mel „0,5 Brut­to­mo­nats­ge­häl­ter pro Beschäf­ti­gungs­jahr“ als Ori­en­tie­rungs­punkt. Da der Arbeit­ge­ber jedoch das Risi­ko lang­wie­ri­ger Pro­zes­se und mög­li­cher Nach­zah­lun­gen bei unwirk­sa­men Kün­di­gun­gen scheut, besteht für spe­zia­li­sier­te Arbeit­neh­mer in der Tech-Bran­che oft ein guter Ver­hand­lungs­spiel­raum. Betrof­fe­ne soll­ten einen Auf­he­bungs­ver­trag nie­mals unter Zeit­druck unter­zeich­nen, da dies Sperr­zei­ten beim Arbeits­lo­sen­geld aus­lö­sen kann. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum rechts­si­che­ren Vor­ge­hen fin­den sich unter Stel­len­ab­bau – ibp.Kanzlei.

Fazit: Signalwirkung für die Tech-Branche und Lehren für die Mitbestimmung

Der Stel­len­ab­bau bei der New Work SE mar­kiert einen Wen­de­punkt für die Wahr­neh­mung von Mit­be­stim­mung in der soge­nann­ten „New Eco­no­my“. Der Fall zeigt, dass fla­che Hier­ar­chien und moder­ne Unter­neh­mens­kul­tu­ren kei­nen Ersatz für die arbeits­recht­li­che Sicher­heit bie­ten, die ein Betriebs­rat garan­tiert. Wenn wirt­schaft­li­che Stra­te­gien wie die Neu­aus­rich­tung von Xing auf das rei­ne E‑Recruiting zu einem mas­si­ven Per­so­nal­über­hang füh­ren, ste­hen Arbeit­neh­mer ohne gesetz­li­che Ver­tre­tung schutz­los da.

Für die Arbeit­ge­ber­mar­ke der New Work SE ist die­ser Vor­gang ris­kant. Ein intrans­pa­rent wir­ken­der Stel­len­ab­bau ohne sozia­len Aus­gleich kann die Repu­ta­ti­on in einem Markt schä­di­gen, in dem hoch­qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te Wert auf Sicher­heit und fai­re Behand­lung legen. Es ist zu erwar­ten, dass die­ser „Job-Schock“ die Dis­kus­si­on über die Grün­dung von Betriebs­rä­ten in Ham­bur­ger Tech-Unter­neh­men neu ent­fa­chen wird.

Die wich­tigs­te Leh­re aus die­sem Fall ist: Mit­be­stim­mung 4.0 benö­tigt ein sta­bi­les Fun­da­ment. Unter­neh­men, die auf nach­hal­ti­ges Wachs­tum set­zen, soll­ten die Mit­be­stim­mung nicht als Hin­der­nis, son­dern als Instru­ment zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung ver­ste­hen. Für Arbeit­neh­mer bleibt die Erkennt­nis, dass indi­vi­du­el­le Rech­te im Fal­le einer Mas­sen­ent­las­sung ohne kol­lek­ti­ve Struk­tu­ren deut­lich schwe­rer durch­zu­set­zen sind. Die Ent­wick­lung bei der New Work SE wird somit als Lehr­bei­spiel für die Bedeu­tung der betrieb­li­chen Mit­be­stim­mung in die jün­ge­re deut­sche Wirt­schafts­ge­schich­te ein­ge­hen.


Quel­len und wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen:

Rechtsschutz für Betroffene: Kündigungsschutzklage und Abfindung

Arbeit­neh­mer der New Work SE, die von den Ent­las­sun­gen betrof­fen sind, müs­sen ihre Rech­te auf indi­vi­du­al­recht­li­cher Ebe­ne gel­tend machen. Da kein Betriebs­rat exis­tiert, ent­fällt der kol­lek­tiv­recht­li­che Schutz durch einen Sozi­al­plan, der übli­cher­wei­se Abfin­dungs­zah­lun­gen und Aus­wahl­kri­te­ri­en ver­bind­lich regelt. In die­sem Fall ist die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge das zen­tra­le Instru­ment, um gegen die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses vor­zu­ge­hen.

Die wich­tigs­te Frist für Betrof­fe­ne ist die Drei-Wochen-Frist gemäß § 4 KSchG. Ab Zugang der schrift­li­chen Kün­di­gung ver­blei­ben ledig­lich 21 Tage, um Kla­ge beim zustän­di­gen Arbeits­ge­richt ein­zu­rei­chen. Ver­streicht die­se Frist, gilt die Kün­di­gung als von Anfang an rechts­wirk­sam (§ 7 KSchG), unab­hän­gig von mög­li­chen inhalt­li­chen Feh­lern. Ein spe­zia­li­sier­ter Rechts­an­walt kann prü­fen, ob die Sozi­al­aus­wahl kor­rekt durch­ge­führt wur­de oder ob Feh­ler bei der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nach § 17 KSchG die Kün­di­gung unwirk­sam machen.

Ein Anspruch auf eine Abfin­dung besteht gesetz­lich im Regel­fall nicht. Ohne einen durch einen Betriebs­rat erzwing­ba­ren Sozi­al­plan sind Abfin­dun­gen bei der New Work SE das Ergeb­nis indi­vi­du­el­ler Ver­hand­lun­gen oder eines gericht­li­chen Ver­gleichs. Aus­nah­me ist ein Ange­bot des Arbeit­ge­bers gemäß § 1a KSchG, bei dem der Arbeit­neh­mer gegen Ver­zicht auf eine Kla­ge eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 0,5 Monats­ver­diens­ten pro Beschäf­ti­gungs­jahr erhält.

Oft­mals ver­su­chen Unter­neh­men, den Stel­len­ab­bau über Auf­he­bungs­ver­trä­ge zu steu­ern. Arbeit­neh­mer soll­ten hier­bei auf die Ver­mei­dung von Sperr­zei­ten beim Arbeits­lo­sen­geld ach­ten und die ange­bo­te­ne Sum­me kri­tisch prü­fen, da ohne kol­lek­ti­ve Stan­dards das Risi­ko einer Benach­tei­li­gung steigt.

Defi­ni­ti­on und recht­li­che Ein­ord­nung von geplan­tem Stel­len­ab­bau sowie die not­wen­di­gen Schrit­te für Arbeit­neh­mer

Fazit: Signalwirkung für die Tech-Branche und Lehren für die Mitbestimmung

Der Stel­len­ab­bau bei der New Work SE ver­deut­licht die Risi­ken einer feh­len­den insti­tu­tio­na­li­sier­ten Mit­be­stim­mung in der Tech-Bran­che. Wäh­rend „Modern Work“-Konzepte und fla­che Hier­ar­chien in Wachs­tums­pha­sen oft als aus­rei­chend emp­fun­den wer­den, zeigt sich in Kri­sen­zei­ten die Schutz­be­dürf­tig­keit der Beleg­schaft. Frei­wil­li­ge Gre­mi­en wie Employee Com­mit­tees kön­nen den gesetz­li­chen Stan­dard eines Betriebs­rats bei Mas­sen­ent­las­sun­gen nicht erset­zen.

Für die Arbeit­ge­ber­mar­ke von Xing und der New Work SE stellt die­ser Vor­gang eine Belas­tungs­pro­be dar. In einem Markt­um­feld, das um Fach­kräf­te wirbt, wiegt der Ver­lust an Ver­trau­en schwer, wenn sozia­le Absi­che­rungs­me­cha­nis­men feh­len. Der Fall könn­te eine Signal­wir­kung für ande­re Unter­neh­men der „New Eco­no­my“ haben und die Grün­dung von Betriebs­rä­ten als Instru­ment der Mit­be­stim­mung 4.0 for­cie­ren. Ech­te Par­ti­zi­pa­ti­on erweist sich gera­de dann als wert­voll, wenn wirt­schaft­li­che Trans­for­ma­tio­nen schmerz­haf­te Ein­schnit­te erfor­dern. Letzt­lich zeigt das Bei­spiel Ham­burg, dass eine rechts­si­che­re und sozi­al ver­träg­li­che Per­so­nal­po­li­tik am effek­tivs­ten durch die im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­an­ker­ten Struk­tu­ren gewähr­leis­tet wird.

Weiterführende Quellen

ZP Euro­pe 2024 Mes­se­ma­ga­zin
https://www.yumpu.com/de/document/view/68788557/zp-europe-2024-messemagazin
Beleuch­tet die Neu­aus­rich­tung des E‑Re­crui­ting-Geschäfts der Xing-Mut­ter­ge­sell­schaft New Work SE.

Job-Schock bei New Work SE: 260 Stel­len in Ham­burg fal­len weg …
https://ibp-kanzlei.de/job-schock-bei-new-work-se-und-xing-260-stellen-in-hamburg-fallen-weg/
Ana­ly­se der kon­kre­ten arbeits­recht­li­chen Fol­gen des Stel­len­ab­baus ohne Betriebs­rats­gre­mi­um.

Mar­tin Klaff­ke Hrsg. Kon­zep­te, Instru­men­te, Good-Prac­ti­ce-Ansät­ze …
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978–3‑658–38649‑8.pdf
Theo­re­ti­sche Ein­bli­cke in New-Work-Ansät­ze und die Gestal­tung moder­ner Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren.

Stel­len­ab­bau – ibp.Kanzlei
https://ibp-kanzlei.de/begriff/stellenabbau/
Recht­li­che Ein­ord­nung und Hand­lungs­hil­fen für Arbeit­neh­mer im Fal­le eines Stel­len­ab­baus.